Digital
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und die Werbung von watson und Werbepartnern zu personalisieren. Weitere Infos: Datenschutzerklärung.

Sei nett zum Chatbot! Es könnte ein Mensch dahinter stecken

21.07.18, 11:38 21.07.18, 14:23
Christina  zur Nedden
Christina zur Nedden

Ob Lieferdienst, Online-Shopping oder Banking – wer heute ein virtuelles Anliegen hat, schreibt oft nicht mehr mit einem Menschen, sondern mit einer Maschine. Sogenannte Chatbots sind Algorithmen, die sich menschenähnlich verhalten sollen und verzweifelten "Wo ist meine Pizza?"-Hilferufen mit (mehr oder weniger) beruhigenden "Wir sind gleich da"-Phrasen antworten. 

Laut einer Recherche des "Guardian" steckt hinter den virtuellen Assistenten immer öfter in Wirklichkeit ein Mensch. Denn immer mehr Unternehmen tun nur so, als würden sie mit Robotern arbeiten. Warum?

Menschen sind günstiger als Bots

Eine Künstliche Intelligenz (KI) zu entwickeln ist zeitaufwändig und teuer. So teuer, dass manche Unternehmen entscheiden, einen Menschen den Roboter spielen zu lassen, anstatt einen Roboter den Menschen, berichten das "Wall Street Journal" und der "Guardian" anhand zahlreicher Beispiele. 

Ein Beispiel 

Für die Kalenderplanungsdienste X.ai und Clara gaben sich Menschen 12 Stunden täglich als Chatbots aus, wie Bloomberg bereits 2016 berichtete. Der Job sei so stumpf, dass Mitarbeiter sagten, sie würden sich darauf freuen, durch Bots ersetzt zu werden.

Die "Pseudo-KIs" sollen testen, ob sich eine Geschäftsidee lohnt – sprich ob der Dienst auch genutzt wird – bevor in die teure Technologie investiert wird. 

Dieser Startup-CEO sagt, er habe schon viele "Pseudo-KIs" gesehen:

Am Ende wissen Kunden nicht mehr, ob sie mit Mensch oder Maschine reden. Das kann zu Problemen führen. 2 Szenarien:

Wenn der Mensch den Roboter spielt

Wenn die künstliche Intelligenz in Wahrheit eine organische ist, kann das zu ethischen Problemen führen. Das "Wall Street Journal" macht auf Drittanbieter-Apps aufmerksam, die Google den Zugriff auf die Posteingänge der Nutzer ermöglichten. 

Im Falle des US-Unternehmens "Edison Software" gingen Menschen durch die persönlichen E-Mails von Hunderten von Nutzern, um Funktionen zu verbessern. Das Unternehmen erwähnte in seinen Datenschutzrichtlinien nicht, dass Menschen und nicht Computer die E-Mails von Nutzern einsehen würden. Das war einigen Verfassern der E-Mails sicher nicht so recht. 

Eine weiteres ethisches Problem tut sich im Falle von Online-Therapien auf, die immer beliebter werden. Forscher haben gezeigt, dass Menschen dazu neigen, ehrlicher über ihre Gefühle und psychischen Probleme zu sprechen, wenn sie denken, dass sie mit einer Maschine sprechen und nicht mit einer Person.

Ein Team der University of Southern California testete dies mit einem virtuellen Therapeuten namens "Ellie". Es fand heraus, dass Kriegsveteranen mit posttraumatischer Belastungsstörung ihre Symptome eher preisgaben, wenn sie wussten, dass Ellie ein KI-System war, als wenn sie erfuhren, dass ein Mensch die Maschine bedient. (Wired.com)

Wenn der Roboter den Menschen spielt

Umgekehrt ist es ethisch fragwürdig, wenn Roboter sich zu menschlich verhalten. Jüngstes Beispiel: Googles Roboter-Assistent "Duplex" hilft Menschen am Telefon, ohne sich als Roboter auszugeben (Google sagt jetzt, dass sich das ändern soll). 

Dabei integriert der Assistent Füllwörter wie "Ähm", um wie ein Mensch zu klingen. Das mag harmlos sein, wenn man einen Tisch im Restaurant reserviert, aber kann in Zukunft dazu führen, dass wenn der Assistent Stimmen von anderen oder berühmten Menschen imitiert und man nicht mehr den Unterschied zur Maschine erkennt. (TechCrunch)

Google's Assistent "Duplex" soll wie ein Mensch reden 

Video: YouTube/Guardian Science and Tech

Warum das ganze Mensch-Maschine-Mashup? Weil Künstliche Intelligenz im Trend liegt 

"Künstliche Intelligenz" ist in aller Munde. Was früher "Big Data" hieß, heißt nun KI. Ob Bringdienst, Fitnesstracker, autonome Autos oder Sprachassistent, Kaufvorschläge im Online-Shop oder die Analyse von Röntgenbildern – jede Dienstleistung ist nun künstlich intelligent.

Wer sich als Gründer gerade um eine Finanzierung bewirbt, bekommt im Zweifel mehr Geld, wenn irgendwas mit KI im Pitch steht. Doch ist das Geld mal auf dem Konto, überschätzen viele Start-ups ihre Fähigkeiten und müssen auf Menschen zurückgreifen, um ihre Versprechen zu halten.

Diese Menschen arbeiten dann oft als "Clickworker" bei Online-Portalen wie Amazons "Mechanical Turk", das rund 500.000 Menschen weltweit beschäftigt. Sie erledigen Aufgaben, für die Computer zu unterentwickelt sind – oder deren technische Umsetzung zu aufwändig wäre.

Diese Menschen simulieren Künstliche Intelligenz indem sie zum Beispiel Kassenzettel abtippen. Gezahlt wird nur 1 Cent bis 3 Dollar pro Arbeitseinheit, je nach Schweregrad und unabhängig davon, wie lange die Arbeiter dafür tatsächlich gebraucht haben, wie die "Süddeutsche" berichtet.

Mehr zum digitalen Leben:

Gewalt, Hass und Kinderpornos: So arbeitet die heimliche Müllabfuhr des Internets

Die Grayscale-Funktion hat mich von meiner Handy-Sucht befreit

Dieses Gesetz nervt Firmen und selbst Angela Merkel. Das sagt der Mann, der dahinter steht

Neunjährige Rapperin prahlt auf Instagram mit ihrem Reichtum

Abonniere unseren Newsletter

0
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 72 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
0Alle Kommentare anzeigen

++ Instagram führt neues Feature ein – und du weißt sicher, wer die Idee zuerst hatte ++

Die wichtigsten Kurz-News aus der Digital-Welt 

Instagram hat am Donnerstag ein neues Feature vorgestellt, das zunächst nur auf iOS-Geräten verfügbar sein soll: der Nametag. 

Mit dem Nametag-Feature sollst du Menschen, die du im echten Leben getroffen hast, schneller auch auf Instagram folgen können. Der Nametag ist ein scannbarer Code, den sich der Nutzer in den Einstellungen seines Profils erstellen kann. 

Scannt ein Bekannter den Code, kommt er direkt zu deinem Profil – beispielsweise indem, du ihm das gute Stück per Facebook …

Artikel lesen