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Gluten-Unverträglichkeit: Was sind die Symptome und gibt es ein Medikament?

27.03.2022, Brot und B
Gluten ist unter anderem in Getreidearten wie Weizen enthalten. Bild: imago images / MiS
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Gluten-Unverträglichkeit: Was sind die Symptome und gibt es ein Medikament?

16.05.2024, 17:55
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Einfach Kekse, Süßigkeiten oder Nudeln essen. Beim Bäcker einfach mal ein Schokobrötchen mitnehmen. Sich im Restaurant durch die vielseitige Speisekarte probieren. Die meisten Menschen können das alles problemlos. Menschen mit einer Zöliakie, also einer Glutenunverträglichkeit, können es nicht.

Etwa ein Prozent der Bevölkerung ist von Zöliakie betroffen. Oftmals tritt die Zöliakie schon im Kindesalter zwischen einem und acht Jahren auf, dann wieder im Alter zwischen 20 und 50. Heilbar ist Zöliakie nicht. Sie bleibt ihr ganzes Leben – und damit auch die Beschwerden. Betroffene müssen also genau darauf achten, ob in Lebensmitteln Gluten enthalten ist.

Spaghetti Bolognese oder Lasagne sind nur zwei der unendlich vielen Rezepte mit Nudeln. Sie eignen sich auch prima zum Mealprep. Allerdings ist beim Aufwärmen der Nudeln einiges zu beachten.
In Nudeln ist Gluten enthalten. Wer an Zöliakie leidet muss auf die glutenfreie Alternative zurückgreifen.Bild: IMAGO images / Panthermedia

Das ist gar nicht so einfach, denn Gluten ist nicht nur in Getreidearten wie Weizen, Hafer, Gerste, Dinkel oder Roggen enthalten, sondern befindet sich versteckt auch in vielen anderen Lebensmitteln. Für Betroffene ist das tückisch, denn viele reagieren so empfindlich auf Gluten, dass schon kleine Mengen zu unangenehmen Folgen führen.

Übelkeit, Erbrechen: Zöliakie-Symptome sind unspezifisch

Die Symptome der Unverträglichkeit sind vielfältig und unspezifisch. Typische Anzeichen sind Beschwerden wie Durchfall, Bauchschmerzen, Blähungen, Übelkeit und Erbrechen. Auch Gewichtsverlust und chronische Müdigkeit können Symptome sein.

Manche Patient:innen leiden aber auch an kreisrundem Haarausfall, erhöhten Leberwerten, chronischen Kopfschmerzen oder Migräne, berichtet die Zöliakie Gesellschaft (DZG).

Oft kommen die Symptome unspezifisch daher. Das könne auch zu einer späten Diagnose führen, sagt der Dortmunder Mediziner Jens Berrang. Reizbares bis aggressives Verhalten und depressive Veränderungen würden ebenfalls beobachtet, ergänzt seine Kollegin Friederike Stemmann. Der Kinderärzte-Berufsverband nennt zudem Rachitis, Muskelschwäche, Schäden am Zahnschmelz oder Blutgerinnungsstörungen als mögliche Folgen einer unbehandelten Zöliakie.

Zöliakie: Betroffene müssen auf Gluten verzichten

Bei einr Zöliakie führen schon kleine Mengen an Gluten bei Betroffenen zu einer Entzündung in der Darmschleimhaut. Der Körper bekämpft das Kleber-Eiweiß, bildet Abwehrstoffe dagegen. Diese Antikörper wiederum greifen den Dünndarm an.

Die Oberfläche des Dünndarms kann über lange Zeit so stark abnehmen, dass der Körper nicht mehr genügend Nahrungsbestandteile aufnehmen kann.

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Wer kein Gluten verträgt, kann nicht mal schnell beim Bäcker was kaufen.Bild: dpa / Jens Kalaene

Regelmäßige Untersuchungen sind bei Zöliakie wichtig, auch Blutanalysen, weil sich nicht selten auch ein Mangel an lebenswichtigen Stoffen entwickelt hat. Eine Diagnose könne inzwischen recht einfach mit zwei Bluttests gestellt werden, weiß Jens Berrang.

Bisher gibt es nur eine einzige Lösung: Betroffene müssen auf Gluten verzichten. Doch es gibt Hoffnung in Form eines neuen Medikamentes. Das soll nämlich diese Entzündung im Dünndarm verhindern.

Neues Medikament gegen Gluten-Unverträglichkeit macht Hoffnung

Bei dem Medikament dreht sich alles um das körpereigene Enzym Transglutaminase. Betroffene bilden Antikörper dagegen.

"Das Medikament ist ein Hemmstoff des Enzyms Transglutaminase. Es verhindert, dass das Gluten immunologisch im Darm aktiv werden kann", wird Detlef Schuppan, Leiter der Zöliakie-Ambulanz an der Universitätsmedizin Mainz und Mitentwickler des Medikaments von "ZDFheute" zitiert. Das Medikament soll vorbeugend wirken und die glutenbedingte Entzündung verhindern.

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Bis das Medikament auf den Markt kommen könnte, dauert es allerdings noch ein bisschen. Schuppan rechnet mit einer Zeit von etwa zwei Jahren. Erste Studien hat es bereits gegeben, eine Folgestudie läuft bereits.

Der Enzymhemmer sei vor allem für sehr stark von Zöliakie betroffene Personen gedacht, bei solchen, wo es trotz streng glutenfreier Ernährung immer wieder zu Entzündungen im Dünndarm kommt. Bei anderen Betroffenen könnte aber eine prophylaktische Anwendung Erleichterung bringen. Das Medikament soll zusätzlich zu einer glutenfreien Ernährung unterstützende Wirkung haben.

(Mit Material von dpa)

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