Frau beim Arzt lässt sich impfen.

Eine Impfung kann Leben retten. Dennoch vertrauen nicht alle Menschen darauf. Bild: iStockphoto / Foremniakowski

Trotz Corona: Gesundheitsökonom warnt vor sinkender Impfbereitschaft in EU-Ländern

Auch wenn die Anti-Corona-Demos der vergangenen Monate tausende von Teilnehmern auf die Straßen getrieben haben: Im Verhältnis ist die Gruppe der Corona-Kritiker überschaubar. Einen noch kleineren Teil von ihnen bilden die Impfgegner: Sie glauben, Impfstoffe, auch der geplante gegen das Coronavirus, könne Krankheiten oder Behinderungen verursachen.

Obwohl nun seit Monaten schon in den Medien rege diskutiert wird, wann ein Impfstoff gegen das neuartige Virus der breiten Öffentlichkeit verfügbar sein werde, mehrt sich die Skepsis vor einer Impfung gegen das Coronavirus. Klar, Skeptiker sind nicht gleich Gegner – die Entwicklungen, die der Gesundheitsökonom Jonas Schreyögg vom Hamburg Center for Health Economics beschreibt, wirken dennoch bedenklich.

Deutsche zeigen sich skeptischer gegenüber Corona-Impfung

In einem Interview mit dem "Spiegel" spricht Schreyögg über die Ergebnisse einer in sechs EU-Ländern durchgeführten Studie. Gemeinsam mit internationalen Universitäten hat er Deutschen, Briten, Dänen, Niederländern, Franzosen, Portugiesen und Italienern repräsentativ zu ihrer Einstellung gegenüber der Pandemie befragt. Dabei kam heraus:

"Die Impfbereitschaft ist in allen sieben Ländern im September im Vergleich zum Juni weiter gesunken."

In Deutschland seien lediglich 57 Prozent der Befragten noch bereit, sich gegen das Coronavirus impfen zu lassen, sagt der Ökonom. Im April seien es noch 70 Prozent gewesen. Generell sei die Impfbereitschaft kulturell geprägt: In Dänemark und Großbritannien beispielsweise sei sie generell hoch, obwohl sie auch dort gesunken ist.

Zweifel am Impfstoff

Die Begründung, dass die Menschen sich skeptischer gegenüber einer Impfung zeigen, liege am "Zweifel an der Sicherheit eines Impfstoffs", so Schreyögg.

"Unsere Daten zeigen: Je höher das Vertrauen in staatliche Informationen ist, desto höher ist die Impfbereitschaft."

Um das Problem zu lösen, müsste der Staat mehr Vertrauen in einen Impfstoff generieren – mithilfe von leicht verständlichen Aufklärungs-Spots beispielsweise, empfiehlt Schreyögg.

Lauterbach rechnet Anfang des Jahres mit Corona-Impfstoff

Bis der Impfstoff tatsächlich in Deutschland auf dem Markt und tatsächlich für die breite Masse verfügbar ist, kann es noch dauern. Im Interview mit watson zeigte sich Gesundheitsexperte Karl Lauterbach (SPD) recht optimistisch: Ein Impfstoff komme laut seiner Schätzung "Anfang des kommenden Jahres. Da bin ich sehr optimistisch."

Auch bis zum Beginn von 2021 sind es allerdings noch ein paar Monate – bis dahin könnten sich einige Impfskeptiker möglicherweise wieder überzeugen lassen.

(ak)

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