Viele Menschen hoffen nächstes Jahr auf die neuen Protein- und Totimpfstoffe.
Viele Menschen hoffen nächstes Jahr auf die neuen Protein- und Totimpfstoffe.Bild: iStockphoto / yalax
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EMA gibt grünes Licht für Novavax: Was du über den Corona-Impfstoff wissen musst

20.12.2021, 16:0520.12.2021, 16:06

Mitten in der heftigen Omikron-Welle sorgt eine Nachricht für Hoffnung: Die Europäische Arzneimittelbehörde EMA hat am heutigen Montag positiv über eine Zulassung des Novavax-Impfstoffs für die EU entschieden. Nun muss nur noch die EU-Kommission zustimmen. Das gilt aber als Formsache.

Der neue Protein-Impfstoff könnte möglicherweise auch einige, bisher nicht geimpfte Menschen, die Zweifel an den Technologien der neuen Wirkstoffe haben, doch noch zur Impfung bewegen. Denn das Präparat ist im Gegensatz zu den bisher zugelassenen Impfstoffen weder ein mRNA-Impfstoff – wie die Präparate von Biontech und Moderna – noch ein Vektor-Impfstoff wie die von Astrazeneca und Johnson & Johnson. Das Vakzin enthält winzige Partikel, die aus einer im Labor hergestellten Version des Spike-Proteins von Sars-CoV-2 bestehen.

watson erklärt die wichtigsten Fragen über den Wirkstoff von Novavax und warum einige Menschen mit der Impfung lieber auf diesen Impfstoff warten.

Wie funktioniert der neue Impfstoff?

Nuvaxovid besteht laut Paul-Ehrlich-Institut (PEI) aus virusähnlichen Partikeln, die das Spike-Protein des Coronavirus enthalten. Die im Labor gezüchteten Proteine werden vom Körper als fremd erkannt und das Immunsystem wird hochgefahren – spezifische Antikörper und T-Zellen werden gebildet. Damit ist man vor einer echten Infektion besser gewappnet. mRNA-Präparate zum Beispiel funktionieren anders. Hier werden Körperzellen mithilfe von Erbgutschnipseln angeregt, selbst das Spike-Protein herzustellen, um eine Immunantwort auszulösen.

Wie sicher ist die neue Protein-Impfung?

Die Sicherheit von Novavax ist ebenso groß wie bei den bisherigen zugelassenen Covid-Impfstoffen. "Die klinischen Studien zeigen eine gute Sicherheit, ähnlich wie bei den mRNA-Impfstoffen", sagt der Epidemiologe Timo Ulrichs, Professor an der Akkon-Hochschule für Humanwissenschaften, gegenüber watson. Von Nebenwirkungen weiß er bisher nichts, alle Menschen könnten sich dagegen impfen lassen, auch und gerade die mit Vorerkrankungen.

Wie viel Schutz bietet Novavax vor Corona?

In einer Zulassungsstudie von Novavax lag die Wirksamkeit in Bezug auf Corona-Erkrankungen bei 90 Prozent. Das bedeutet, unter den Probanden der geimpften Gruppe traten 90 Prozent weniger Erkrankungen auf als unter den Probanden einer Kontrollgruppe. Bei dieser Studie wurden zwei Dosen im Abstand von drei Wochen verabreicht.

Ist der neuartige Protein-Impfstoff auch gegen neue Corona-Mutanten wirksam?

Hier kommt schon das erste Aber: Die 90 Prozent Schutz, die die Studie ergab, beziehen sich hauptsächlich auf die Alpha-Variante von Corona. Die aktuell vorherrschende ist aber die Delta-Variante, die wohl in Deutschland in naher Zukunft von Omikron verdrängt wird. Der Novavax-Impfstoff wird deshalb auch an die Omikron-Variante angepasst werden müssen, die derzeit das Infektionsgeschehen stark beeinflusst – was wiederum Zeit kostet. Carsten Watzl, Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Immunologie, schrieb kürzlich mit Blick auf das Novavax-Mittel auf Twitter:

Wann wird damit geimpft?

Nachdem die Impfstoffe zugelassen worden sind, müssen sie erst einmal produziert und verteilt werden. Experten rechnen damit, dass erst im neuen Jahr damit geimpft werden kann, wann genau ist noch unklar.

Welche Impfstoffe gegen Covid-19 könnten noch bald kommen?

Im nächsten Jahr könnten weitere Alternativen zu den bislang vier zugelassenen Impfstoffen folgen. Die Produkte sind bei der EMA schon in der Begutachtung, obwohl noch nicht alle Teile des Zulassungsantrags vorliegen. Die Impfstoffe der Hersteller Sinovac und Valneva (Frankreich) enthalten beispielsweise abgetötete Coronaviren und sind sogenannte Totimpfstoffe. Diese enthalten laut Bundesforschungsministerium abgetötete, also nicht mehr vermehrungsfähige Krankheitserreger – das gleiche Prinzip wie bei Impfstoffen gegen Hepatitis A und Influenza. Der Körper kann dabei den Totimpfstoff nicht vom Erreger unterscheiden und fährt eine gezielte Immunabwehr hoch, die vor einer echten Infektion schützt.

Wieso warten manche Menschen auf bestimmte Impfstoffe?

Einige Menschen scheinen ein größeres Vertrauen in Vakzine zu haben, die nach klassischen Verfahren hergestellt werden. So gibt es bei manchen ein Misstrauen gegen die neue mRNA-Technologie, auf denen die Impfstoffe von Moderna und Biontech/Pfizer beruhen. Es gibt die Befürchtung, dass diese bisher unbekannte Langzeitschäden verursachen könnten. Doch Experten halten es für nahezu ausgeschlossen, dass bei den zugelassenen Impfstoffen noch unbekannte Langzeitfolgen auftreten. Mehr dazu erklärt das Faktencheck-Portal Correctiv.

Auf einen neuen Impfstoff zu warten, halten Experten für unklug – Novavax komme erst nächstes Jahr, Valneva frühestens im zweiten Quartal 2022. "Sinnvoll ist das Warten nicht, denn wir haben ja bereits sehr gute Impfstoffe zur Verfügung. Das Warten auf den Totimpfstoff liegt in einem (unbegründeten) Misstrauen gegenüber den Impfstoffen begründet, die mit neuen Technologien hergestellt wurden, also mRNA oder Vektorviren", erklärt Ulrichs gegenüber watson. Selbst der Chef des Herstellers Valneva hält von Zögern wenig. "Ich rate niemandem, auf unseren Impfstoff zu warten", sagte Thomas Lingelbach, Geschäftsführer des französischen Biotechnologieunternehmens, dem "Spiegel". Er habe sich sogar selbst kürzlich mit dem mRNA-Produkt von Biontech boostern lassen.

Wird Novavax als ein Game Changer endlich der Weg aus der Krise sein?

"Wenn viele Impfskeptiker, zum Beispiel Frau Wagenknecht, sich damit impfen lassen, kann das dazu beitragen, die dringend erforderliche Grundimmunisierung in der Bevölkerung zu vervollständigen", so Ulrichs gegenüber watson. Trotzdem müsse man sich laut dem Immunologen Carsten Watzl darauf einstellen, künftig mit dem Virus zu leben.

(mit Material der dpa)

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