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Tiktok: Sprechender Hund begeistert User – und gibt Wissenschaft Rätsel auf

Bunny mit ihrem Sprech-Equipment.
Bunny mit ihrem Sprech-Equipment.bild: youtube / fluent pet
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Sprechender Hund begeistert Tiktok – und gibt Wissenschaft Rätsel auf

01.03.2023, 09:19
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Süße Haustiere sind so etwas wie der "Urknall" der viralen Internet-Hits. Nichts begeistert User:innen so sehr wie freche Mini-Schweinchen, flauschige Kätzchen oder schlaue Wellensittiche. Nach Youtube und Instagram haben sie sich auch längst schon auf Tiktok ausgebreitet und zählen dort zu den beliebtesten Inhalten. Auch der Sheepadoodle Bunny ist ein richtiger Tiktok-Star. Die Hündin ist nicht einfach nur irgendein süßer Hund, sondern ein wissenschaftliches Phänomen.

Über acht Millionen Menschen folgen Bunny, die ein ganz besonderes Talent hat. Denn: Sie kann sprechen. Oder zumindest wirkt es so, wenn sie mit ihren Pfoten einen der vielen Druckknöpfe auf dem Wohnzimmerboden drückt und daraus Worte wie "Mama" und "Raus" ertönen.

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Doch was steckt dahinter? Bunnys Besitzerin Alexis Devine trainiert die Hündin schon seit sie ein Welpe ist. Sie bringt ihr bei, mithilfe der Soundknöpfe zu kommunizieren. Auf Tiktok kommen die Videos, in denen die beiden miteinander kommunizieren, gut an. Etwa, wenn Bunny auf Alexis' Frage, ob sie mit ihrem Kuscheltier spielen möchte, mit "Bunny" und "Will" antwortet. Ob Bunny aber tatsächlich "spricht" und nicht nur wahllos Knöpfe drückt, versuchen Forschende gerade herauszufinden.

Jahrelanges Training mit Soundknöpfen

Schon mit acht Wochen begann Bunnys Training mit den Soundknöpfen. Inspiriert hatten Alexis Devine Videos von der Sprachtherapeutin Christina Hunger. Darin hatte sie ihrem Hund Stella beigebracht, ein Brett mit Knöpfen zu benutzen. Jeder Knopf war mit einem Wort verknüpft, was dann ertönte.

Bunnys Besitzerin war es wichtig, eine so enge Bindung wie möglich zu ihrem Haustier aufzubauen. Deshalb begann sie damit, jedes Mal bevor Bunny in den Garten gelassen wurde, den "Raus"-Knopf zu drücken und das Wort dabei noch einmal laut zu sagen.

Wie genau das funktioniert? Mit einem Gerät für Unterstützte Kommunikation (UK), die normalerweise von Menschen mit Beeinträchtigungen verwendet wird, um sich zu verständigen. Darunter fallen Hilfsmittel wie Symboltafeln oder andere sprachgenerierende Geräte.

Aus einem Soundbutton sind inzwischen über fünfzig auf dem Brett geworden. Wie die Videos zeigen, kann Bunny diese offenbar problemlos bedienen. Sogar ein komplexes Verständnis von Zeit und Raum legt sie dabei offenbar an den Tag. Darauf lassen zumindest Videos schließen, in denen sie scheinbar Zeitangaben verwendet.

Studie über die Kommunikationsfähigkeiten von Hunden

Was tatsächlich dahinter steckt, ist unklar. Aber: Durch Bunnys Tiktok-Erfolg wurde ein Forschungsteam des Labors für vergleichende Kognition an der University of California in San Diego auf sie aufmerksam. Das Team hat ein Soundboard namens "Fluent Pet" entwickelt, um zu untersuchen, inwieweit Haustiere mit Worten kommunizieren können. Bunny ist die berühmteste Teilnehmerin der "They Can Talk"-Studie.

Seitdem lässt Alexis Devine jedes Mal die Kamera laufen, wenn sie mit Bunny über die Soundknöpfe kommuniziert. So soll jedes einzelne "Gespräch" für die Studie aufgezeichnet und untersucht werden und nicht wie auf Tiktok eine vorher von der Besitzerin ausgesuchte Auswahl.

Studienbeobachtungen müssen mit Vorsicht behandelt werden

Wie viel wissenschaftlichen Mehrwert die Versuche mit den Soundknöpfen haben, ist natürlich fraglich. Das geben die Studienautor:innen selbst zu. Ein mahnendes Beispiel dafür ist etwa das Pferd Schlauer Hans. Es konnte vermeintlich Rechenaufgaben lösen und mit der Anzahl an Hufschlägen die richtige Lösung verkünden. Eine wissenschaftliche Untersuchung ergab dann aber, dass Hans weniger ein Rechenkönig war, als eher ein Meister im Lesen menschlichen Verhaltens.

Er erkannte nämlich, dass die Anspannung der Menschen um ihn herum bei jedem Hufschlag größer wurde und sich dann plötzlich in Entspannung auflöste, sobald die richtige Zahl erreicht war. Für die Studienautor:innen liefert der sogenannte Schlauer-Hans-Effekt trotzdem eine wichtige Lektion: Die Fähigkeit von Tieren, kleinste Veränderungen im Verhalten ihrer "Gesprächspartner:innen" zu erkennen, kann auch Auswirkungen auf die Studien haben.

Trotzdem soll Bunnys Studie ihre Daseinsberechtigung haben.

"Unser Ansatz konzentriert sich weniger auf die kognitiven Fähigkeiten des durchschnittlichen Vertreters einer Spezies als auf das Potenzial, das am Außergewöhnlichen demonstriert wird: Der menschliche Fortschritt ist nicht entstanden, weil jeder von uns einen mächtigen Verstand hat, sondern weil wir nach fast 300.000 Jahren herausgefunden haben, wie wir seltene Geniestreiche erfassen und verbreiten können."
Das Team von "TheyCanTalk"
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