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Cannabis: Die sieben häufigsten Mythen über das Kiffen enttarnt

Viele Menschen konsumieren Cannabis zur Beruhigung und Entspannung.
Viele Menschen konsumieren Cannabis zur Beruhigung und Entspannung.Bild: iStockphoto / Oduvanchik21
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Faule Kiffer: Die häufigsten Mythen über Cannabis aufgedeckt

28.09.2023, 19:12
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Cannabis ist in Deutschland die illegale Droge, die am häufigsten konsumiert wird. Die Entkriminalisierung von Cannabis, die die Bundesregierung versprochen hat, sorgte für großen Wirbel: Man hörte viel Begeisterung, aber auch Kritik.

Sollte das Gesetz 2024 in Kraft treten, dürfen Erwachsene ganz legal bis zu 25 Gramm Cannabis besitzen. Darüber hinaus darf ein Erwachsener maximal drei Pflanzen für den Eigenbedarf anbauen, sogar bei sich zu Hause auf dem Balkon oder im Garten. Zugelassen werden soll auch die Abgabe von Cannabis über Anbauvereinigungen – also Clubs – allerdings nur für Clubmitglieder.

Die größte Sorge angesichts des legalen Cannabis-Konsums ist bei Eltern und einigen Experten wohl weiterhin, dass Jugendliche dann früher oder noch mehr kiffen.

Denn wie jeder meint zu wissen, sind Kiffer: faul, dumm und abhängig. Doch stimmt das? Watson klärt auf, was an den Mythen über Cannabis dran ist.

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Cannabis ist eine Einstiegsdroge

Oft wird davor gewarnt, dass Cannabis eine Einstiegsdroge sei – also eine Entscheidung, die auch zu härteren Drogen führt.

Diese These ist "wissenschaftlich widerlegt", widerspricht der Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Burkhard Blienert. Wenn der Cannabis-Konsum für Erwachsene unter gesicherten Bedingungen möglich sei, bedeute das außerdem mehr Schutz. Blienert warnt aber: "Deutlich muss sein, es soll keine Werbung für diese Produkte geben. Das muss für alle Drogen gelten – eigentlich auch für Alkohol. Es gehört nicht in die Ladentheke, es gehört nicht in die Sichtbarkeit von Kindern und Jugendlichen."

Cannabiskonsumenten sind faul

Dieses Vorurteil hält sich hartnäckig. Schließlich kennt doch fast jeder eine:n Dauerkiffer:in, der oder die apathisch zu Hause vor der Konsole hängt. Doch eine Studie, die 2023 im "International Journal of Neuropsychopharmacology" erschienen ist, widerspricht dieser These. Demnach zeigten Cannabis-Konsument:innen keine höheren Anzeichen von Lust- und Antriebslosigkeit. Einer der Wissenschaftler, Will Lawn, sagte auf der Website des King's College London:

"Unsere Studie, eine der ersten, die Cannabis konsumierende Jugendliche und Erwachsene direkt miteinander vergleicht, deutet jedoch darauf hin, dass Jugendliche nicht anfälliger für die schädlichen Auswirkungen von Cannabis auf die Motivation, das Genusserlebnis oder die Reaktion des Gehirns auf Belohnung sind als Erwachsene."

Obwohl es offenbar so ist, dass Cannabis keinen oder höchstens einen schwachen Zusammenhang mit Antriebslosigkeit hat, räumt Lawn ein: "Wir brauchen jedoch Studien, die diese Zusammenhänge über einen langen Zeitraum hinweg untersuchen, um diese Ergebnisse zu bestätigen."

Der Konsum von Cannabis macht Lust auf Sex

Dieser Mythos könnte stimmen. Eine Studie der Stanford University (USA), veröffentlicht im "Journal of Sexual Medicine" ergab, dass Cannabis-Konsument:innen im Bett aktiver sind als Nicht-Konsument:innen.

Die Studie verglichen Daten aus einer großen US-Gesundheitsumfrage, an der 50.000 Menschen zwischen 25 und 45 Jahren teilnahmen. Darin gaben sie unter anderen an, wie hoch ihr Cannabis-Konsum im Vorjahr war und wie häufig sie Sex hatten.

Die gesteigerte Libido von Kiffer:innen wird offenbar dadurch verursacht, dass Rezeptoren im Gehirn, die für das Lustempfinden zuständig sind, vom Cannabis aktiviert werden. Wer täglich kiffte, hatte laut der Studie um etwa ein Fünftel häufiger Sex als Nicht-Kiffer:innen: Frauen demnach innerhalb eines Monats 7,1 statt 6 Mal und Männer 6,9 statt 5,6 Mal.

Einen Joint zu rollen, muss man auch erst mal lernen.
Einen Joint zu rollen, muss man auch erst mal lernen. Bild: iStockphoto / HighGradeRoots

Einen Zug in der Lunge zu halten, verstärkt das High

Im Kreis herum am Joint ziehen und für die beste Wirkung möglichst tief und lange inhalieren – so werden Cannabis-Konsument:innen in Filmen oft dargestellt. Tatsächlich stimmt es aber nicht, dass die Wirkung des Cannabis stärker ist, wenn man den Rauch länger oder tiefer in der Lunge lässt, wie das Cannabis-Magazin "Royal Queen Seeds" bestätigt.

Laut einigen Quellen werden 95 Prozent des THCs fast sofort beim Einatmen aufgenommen. Wie stark die Wirkung ist, hängt einzig und allein von der Menge ab, die man konsumiert. Das heißt, um so öfter du inhalierst oder je mehr Cannabis dein Joint enthält, umso stärker ist er.

Cannabisrauchen ist verboten

Wenn Cannabis im nächsten Jahr erst freigegeben werden soll, ist es derzeit also noch verboten, oder? Nein. Verboten ist ganz klar der Handel damit und oft der Besitz – die Menge, die bei Besitz straffrei ist, unterscheidet sich je nach Bundesland. In manchen Bundesländern liegt sie bei fünf bis sechs Gramm, in anderen höher – oder auch niedriger.

Sollte die erlaubte Menge überschritten werden, drohen eine Geldstrafe oder bis zu fünf Jahren Haft. Ausnahmen gelten für alle, die eine medizi­nische Verordnung für Cannabis haben.

Das Cannabisrauchen generell ist allerdings nicht verboten. Der Konsum ist im Betäubungs­mit­tel­gesetz nicht als Straftatbestand aufgeführt.

Vorsicht jedoch beim Autofahren: Cannabis und Cannabisprodukte gehören laut Betäubungsmittelgesetz (BtMG) zu den nicht verkehrsfähigen Betäubungsmitteln. Das THC kann im Körper auch länger nachgewiesen werden als Alkohol. So kann also theoretisch beim Bluttest auch noch einige Tage später THC nachgewiesen werden. In den Haaren sogar viele Monate.

Cannabis macht süchtig

Das stimmt. Wer regelmäßig Cannabis konsumiert, kann tatsächlich süchtig danach werden. Dies muss jedoch nicht zwangsläufig der Fall sein. So werden nicht alle Menschen, die das Kiffen einmal ausprobieren oder gelegentlich Cannabis konsumieren, auch abhängig. Dafür müssen mehrere Faktoren zusammenkommen. Einer Studie aus dem Jahr 2021 zufolge wird einer von zehn Menschen abhängig von Cannabis.

Antworten auf die Frage, ob man selbst abhängig sein könnte, gibt unter anderem ein Video der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung.

Die Zahlt der Cannabis-Konsument:innen steigt weltweit.
Die Zahlt der Cannabis-Konsument:innen steigt weltweit. bild: getty/ RossHelen

Es gibt keine Nebenwirkungen

Komplett ungefährlich ist natürlich auch der Konsum von Cannabis nicht – auch wenn es von Fans gerne so dargestellt wird. Cannabis ist eine Droge. Leichte Nebenwirkungen können laut der Techniker Krankenkasse sein:

  • Missstimmung bis hin zur Depression, Angst oder Panik
  • Halluzinationen oder das Empfinden eines Kontrollverlustes
  • Gedächtnisschwäche, verminderte psychomotorische oder kognitive Leistungsfähigkeit
  • Gestörte Wahrnehmung zeitlicher Abläufe, Denkstörungen
  • Müdigkeit, Schwindel, Tachykardie (Herzrasen)
  • Blutdruckabfall, ein trockener Mund
  • Verwaschene Sprache, reduzierter Tränenfluss, Muskelentspannung und ein gesteigerter Appetit
  • Seltene unerwünschte Begleiterscheinungen sind Übelkeit und Kopfschmerzen

Vereinzelt kann der langfristige und zu frühe Konsum der Droge jedoch auch schwere Folgen haben: In seltenen Fällen kann es nach einem längerfristigen Cannabiskonsum zu einer schizophrenen Psychose können.

(mit Material der dpa)

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