Hannes Jaenicke ist seit neuestem Naturfilmer.
Hannes Jaenicke ist seit neuestem Naturfilmer.
Bild: screenshot zdf

Lebensmittelfarbe: Jaenicke klärt auf, warum Lachs im Supermarkt wirklich rosa ist

12.06.2020, 08:5312.06.2020, 08:54

Fisch ist ein gesundes Lebensmittel, besonders Lachs. Der ist nämlich reich an Omega-3-Fettsäuren. Das haben wir oft gehört – und geglaubt. Aber stimmt das wirklich? Schauspieler Hannes Jaenicke sagt: Nein.

Jaenicke hat für das ZDF eine Doku gedreht, "Im Einsatz für den Lachs". Sie wird am 16. Juni ausgestrahlt. Doch schon am Mittwochabend verriet er bei "Markus Lanz", was das Ergebnis seiner Recherchen ist. Und die Quintessenz lautet: Finger weg vom Lachs.

Denn gesund seien Lachse schon lange nicht mehr, zumindest nicht die, die es in deutschen Supermärkten für relativ wenig Geld zu kaufen gibt. Das liege daran, dass die überwältigende Mehrheit der Lachse, die auf unseren Tellern landen, aus Zuchtfarmen stammen.

"Man denkt ja zuerst, Fischfarm ist eigentlich 'ne gute Idee, dann wird auf der offenen See nicht so viel gefischt", so Jaenicke. Eine Entlastung von der Überfischung also. Es sei aber genau das Gegenteil der Fall: Sobald irgendwo eine Lachsfarm aufmache, kollabiere dort das maritime Ökosystem.

"Klassische Massentierhaltung"

Denn: "Lachsfarm ist klassische Massentierhaltung." Mit den für Massentierhaltung typischen Phänomenen: "Da brechen natürlich dauernd Krankheiten aus. Du hast Viren, Parasiten wie die Lachslaus." Für die sei eine solche Farm ein gefundenes Fressen.

Die Lachsfarmen wiederum stünden jedoch an Migrationsrouten der Wildlachse.

"Wenn auf dieser Farm eine Krankheit ausbricht, dann bekommen die Wildfische das auch."
Hannes Jaenicke

Hinzu komme, dass viele Farmlachse entkämen. Da sie kräftiger und aggressiver als Wildlachse seien, verdrängten sie diese einfach.

Nichtmal die Farbe ist echt

Doch es sprechen aus Jaenickes Sicht nicht nur ökologische Gründe dagegen, Lachs zu essen. Auch gesund sei der Fisch in den allermeisten Fällen längst nicht mehr, erklärt er.

"Lachs in Aquafarmen wird fast nur vegetarisch ernährt, mit genmanipuliertem Soja." Reich an Omega-3-Fettsäuren seien die Lachse also längst nicht mehr. Zudem müssten in Aquafarmen jede Menge Pestizide, Chemikalien und Medikamente eingesetzt werden, um die Fische vor den bereits erwähnten Viren und Parasiten zu schützen.

Kranke Fische würden übrigens trotzdem verkauft. "Das war eine Zeit lang verboten, jetzt nicht mehr."

Und selbst die berühmte leuchtende Farbe, das Lachsrosa, sei nicht echt.

"Der wird gefärbt. Der Lachs ist nicht von Natur aus rosa, das ist Lebensmittelfarbe. Der Lachs ist nur zur Laichzeit rosa, und dann auch nur das Weibchen."
Hannes Jaenicke

Bio-Süßwasserfische meist unbedenklich

Jaenickes Fazit fiel daher klar aus:

"Für Fischesser kann ich nur sagen: Finger weg vom Lachs."

Außer Wildlachs aus Alaska – da gebe es noch einen relativ gesunden Wildbestand. Das habe einen einfachen Grund: In Alaska seien Lachsfarmen verboten.

Was man denn als Verbraucher überhaupt noch essen könne, fragte Lanz ihn ratlos. "Ich esse sehr gerne Fisch und auch wahnsinnig gerne Lachs", antwortete Jaenicke.

Sein Tipp: Süßwasserfische aus der Biofarm könne man alle essen, Bio-Forelle, Bio-Zander. "Aber Lachs – ich persönlich kann nur abraten." Das gelte auch für Bio-Lachs. Und selbst bei Wildlachs sei es "höchst unwahrscheinlich", dass er aus einem gesunden Bestand komme.

(om)

Exklusiv

Lidl wirft Tönnies-Fleisch raus: Diese Konsequenzen ziehen Supermärkte aus dem Skandal

Der Tönnies-Skandal hat in Deutschland eine breite Diskussion um Fleischkonsum ausgelöst. Dabei stehen zwei Aspekte im Fokus: Zum einen die Arbeitsbedingungen der Beschäftigten in der Fleischindustrie. Und zum anderen das Wohl der Schlachttiere.

Um beides stand und steht es beim Fleischproduzenten nicht zum Besten. Dies war erst durch den kürzlich erfolgten, größeren Corona-Ausbruch im Werk in Rheda-Wiedenbrück in das Bewusstsein der Öffentlichkeit gerückt – und damit auch in das der …

Artikel lesen
Link zum Artikel