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Den Preis nahm Hochland nicht an. Bild: Foodwatch

Für "Milch von Freilaufkühen": Käserei für Werbelüge ausgezeichnet

Es gibt so viele Produkte, die so viel versprechen. Weniger Zucker, weniger Fett, weniger Kalorien, decken den Tagesbedarf an Vitaminen, enthält jede Menge Oxidantien, Getränk der Hundertjährigen. Dass mancher Werbespruch an den Haaren findiger Marketingleute herbeigezogen ist, sollte kein Geheimnis mehr sein. Damit eventuell fragwürdige Produkte weiterhin gekauft werden, braucht es also neue, clevere Strategien. Für den Verbraucher sind sie häufig undurchsichtig. Hier hilft die Verbraucherorganisation Foodwatch.

Jedes Jahr vergibt sie ihren Schmähpreis Goldener Windbeutel für die "dreisteste Werbelüge" des Jahres. 2019 erhielt ihn Zwergenwiese für eine Tomatensoße für Kinder, die mehr als doppelt so viel Zucker enthält wie die Soße für Erwachsene. Nudeln mit Diabetes für die Kids, könnte man sagen. Auch in diesem Jahr gab es einen Gewinner: Hochland für ihren Käse der Marke Grünländer.

Die Verbraucherschützer nominierten den Käse, weil Hochland auf der Verpackung mit "Milch von Freilaufkühen" wirbt, obwohl sich die Tiere im Stall bewegen. "'Freilaufkühe' ist ein reiner Fantasiebegriff", kritisierte Foodwatch.

"Hochland gaukelt seiner Kundschaft ein Weide-Idyll vor und täuscht ausgerechnet jene Verbraucherinnen und Verbraucher, die bewusst Produkte auswählen, von denen sie sich eine bessere Tierhaltung versprechen."

"Für unsere Marke verwenden wir ausschließlich Milch von Kühen, die sich jederzeit frei im Stall bewegen können und nicht angebunden sind", erklärte Hochland. Das Unternehmen wies die Kritik als "nicht angemessen" zurück und nahm die Auszeichnung nicht an. Laut Foodwatch war der Firmensitz im bayerischen Heimenkirch bei der geplanten Übergabe verschlossen und "die Konzernleitung stand für ein Gespräch nicht zur Verfügung".

Hochland wehrte sich nicht zum ersten Mal gegen den Vorwurf

Bereits nach der Nominierung Mitte August hatte Hochland erklärt, auf der Verpackungsrückseite werde transparent darauf hingewiesen, "dass sich der Begriff 'Freilaufkühe' auf im Stall gehaltene Kühe bezieht". Etwas anderes werde auf keinem Werbemittel vermittelt. "Auch in unserem Fernseh-Spot zeigen wir die Kühe klar erkenntlich in einem geschlossenen Stall."

Vielen der 65.000 Verbraucher, die online für den Goldenen Windbeutel abstimmten, reichte das offenbar nicht: Knapp 44 Prozent wählten nach Angaben der Verbraucherschützer den Grünländer-Käse. Ein Volvic Bio-Tee von Danone erhielt rund 18 Prozent der Stimmen, gefolgt von einer Weidemilch von Arla (14 Prozent), einem Fruchtaufstrich von Zentis (13 Prozent) und einem Proteinriegel von Mars (zwölf Prozent).

Das Arla-Produkt hatte Foodwatch selbst nominiert, die übrigen vier Kandidaten gingen auf Einreichungen von Verbrauchern zurück. Die Organisation vergab den Negativpreis zum zehnten Mal.

Foodwatch droht mit Klage

Foodwatch forderte die bayerische Kontrollbehörde für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen in Kulmbach auf, "die irreführende Vermarktung von Grünländer zu untersagen". Dafür setzte die Organisation eine Frist bis zum 22. September und drohte der Behörde mit einer Klage. "Das Lebensmittelrecht verbietet Täuschung, die Behörden sind zum Einschreiten verpflichtet", betonten die Verbraucherschützer.

Bereits in der vergangenen Woche hatten sie wegen "fortgesetzter Täuschung" der Verbraucher den Stopp der Werbung für drei für den Schmähpreis nominierte Produkte gefordert: Betroffen waren neben Hochland die Unternehmen Arla und Danone. Sie "bewerben stinknormale Produkte als besonders klimaschonend, tierfreundlich oder hochwertig - das ist illegal", hatte Manuel Wiemann von Foodwatch kritisiert.

(tkr/dpa)

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