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Die Weihnachtspakete rechtzeitig zu versenden ist dieses Jahr ratsam. Schleifen darauf sind es nicht. Bild: iStockphoto / DragonImages

"Nicht auf den letzten Drücker": Davor warnen Hermes, DPD und DHL zu Corona-Weihnachten

Gerade wurde die erste Adventskerze angezündet, schon fürchten einige Deutsche, trotzdem zu spät dran zu sein – zumindest für ihre Weihnachtspakete. Diese Sorge ist nicht völlig unbegründet: So warnt die Deutsche Post jetzt, dass Kunden ihre Weihnachtspost spätestens am 19. Dezember vor 12 Uhr abgegeben haben sollten, wenn die Geschenke pünktlich unterm Tannenbaum liegen sollen. Davor müssen Geschenke ja noch ausgesucht, eingekauft und verpackt werden.

Der Hintergrund? Viele Deutsche werden dieses Jahr wegen der Pandemie wohl darauf verzichten, alle Familienmitglieder zu besuchen. Beschenkt werden wollen die aber trotzdem. Noch dazu haben die Menschen angesichts der Corona-Zahlen keine Lust, sich in Einkaufszentren zu tummeln und kaufen mehr online. Die Deutsche Post erwartet daher "neue Rekordmengen von täglich über 11 Millionen Paketen", wie ihre Sprecherin Sarah Preuß gegenüber watson sagte. Zum Vergleich: An einem normalen Tag sind es im Schnitt nur 5,2 Millionen. 10.000 Aushilfskräfte und 13.000 Fahrzeuge seien zusätzlich im Einsatz, um das Weihnachtsgeschäft aufzufangen.

Die DHL-Sprecherin zu watson:

"Haben wir im Weihnachtsgeschäft 2019 in der stärksten Woche rund 44 Millionen Pakete in Deutschland befördert, werden es in diesem Jahr voraussichtlich rund 55 Millionen Pakete sein."

Das klingt erstmal nach Stress. Würde es da nicht Sinn ergeben, auf einen anderen Paketdienst auszuweiten? Was sollten wir als Kunden dieses Weihnachten beachten? Watson fragte bei Hermes, DPD und Amazon logistics nach.

Mehr Boten, mehr Lieferwagen: Paketdienste wappnen sich für das Corona-Weihnachten

Dieses Jahr haben die Deutschen mehr Waren online bestellt als in den Jahren zuvor. Ein Trend, der mit dem ersten Lockdown im Frühjahr begann und sich durch das ganze Jahr zog. "Dass die Deutschen mehr Paketdienste nutzen, konnte man auf jeden Fall beobachten. Gerade als der Einzelhandel schloss, stiegen viele Menschen auf den E-Commerce um und diese hohe Nachfrage bleibt konstant", sagt der Sprecher des Paketdienstleisters DPD, Sebastian Zeh, im Gespräch mit watson. "Die Corona-Pandemie hat insgesamt dazu geführt, dass mehr Pakete unterwegs sind – besonders an Privatpersonen – und das zieht jetzt noch einmal an."

Weihnachten sei für Paketdienste zwar immer eine "besondere Zeit", wie auch Amazon logistics bestätigt. Doch die Pandemie verleiht dem Geschäft zusätzlichen Aufwind: Kontaktbeschränkungen und der Appell der Bundesregierung, zu Hause zu bleiben, führen dazu, dass sich das Shopping weiter vom Ladentresen auf die Couch verlegt hat. Viele Menschen, die nicht an den Weihnachtsmann mit seinem Rentier-Schlitten glauben, werden sich um Päckchen und Pakete kümmern.

Im Gespräch mit watson sagt Hermes-Sprecher Sebastian Kaltofen dazu: "Der von der Bundesregierung ausgerufene Teil-Lockdown fällt zeitlich genau in unser Weihnachtsgeschäft, also die absolute Peak-Season des Jahres. Wir rechnen von Oktober bis Dezember in diesem Jahr mit 120 Millionen Sendungen. Damit stellen wir pro Woche zirka 10 Millionen Pakete zu. In manchen Wochen wird der Spitzenwert voraussichtlich sogar bei 12 Millionen liegen." Insgesamt geht Hermes von einem Plus von rund 20 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum aus.

Der DPD erlebt eine ähnliche Entwicklung, prognostiziert für die kommende Woche Höchstwerte von 2,5 Millionen Paketen an einem Tag. Momentan sind es etwas über 2 Millionen. Das liege auch an den Rabattaktionen vom Wochenende.

Ein DPD-Sprecher dazu:

"Gerade jetzt, nach dem Black Friday, wird das Geschäft nochmal anziehen. Wir rechnen mit einem Pakethöchststand."

Um den Mehrbedarf aufzufangen, habe der DPD für die Weihnachtszeit über 2000 zusätzliche Fahrzeuge und über 4000 zusätzliche Mitarbeiter für Botengänge und Paketsortierung dazu geholt. "Damit können wir verhindern, dass es zu Engpässen kommt", sagt Zeh.

Auch für Hermes sind 3500 zusätzliche Mitarbeiter sowie 3900 zusätzliche Fahrzeuge im Einsatz, um das Weihnachtsgeschäft stemmen zu können. Digitalisierte Arbeitsabläufe, wie eine Routenplanung via Tablet, sollen die Lieferung zusätzlich erleichtern. Das alles sei möglich gewesen, weil man dieses Mal nicht so überrascht worden sei wie im ersten Lockdown, "als wir binnen kürzester Zeit auf einen Sendungsanstieg von 40 Prozent reagieren mussten", erklärt Kaltofen weiter. Nun sei man vorbereitet.

Auch Amazon-logistic-Sprecherin Nadiya Lubnina ist zuversichtlich: "Unsere Lieferzeiten haben sich nicht geändert", sagt sie.

Keine Schleifen drumbinden, vormittags abgeben: Was du als Kunde beachten solltest

Dennoch raten die Paketdienste, Geschenke an die Oma "nicht erst auf den letzten Drücker abzuschicken", so Kaltofen. Das erhöhte Aufkommen müsse – ebenso wie das Winterwetter – vom Kunden einkalkuliert werden.

Der Hermes-Sprecher:

"Was den Versand privater Pakete anbelangt, sollten sich alle Kunden und Kundinnen den 21. Dezember merken: Für alle bis dahin abgegebenen Sendungen erfolgt ein erster Zustellversuch bis Heiligabend."

Ein erster Zustellungsversuch garantiert natürlich nicht, dass der Empfänger gerade dann zu Hause ist. Der Hermes-Sprecher empfiehlt daher, Paketstationen als Annahmestellen zu nutzen. Diese hätten oft auch noch spät abends, außerhalb stark frequentierter Zeiten, geöffnet. Aber Achtung: Ein beschenktes Kind als Adressaten anzugeben oder einen Kosenamen wie "Oma Schmidt" zu verwenden, kann die Zustellung verzögern: Paketshops dürfen Lieferungen nur derjenigen Person herausgeben, deren Name auch auf dem Lichtbildausweis steht.

Hartnäckigen Prokrastinierern macht der DPD Mut. Auch wer sein Paket erst am 22. Dezember abgebe, könne noch davon ausgehen, dass es Heiligabend ankomme – vorausgesetzt, er gibt es vor 12 Uhr ab. "Ein bis zwei Tage Lieferzeit sind die Faustregel. Aber wenn es wirklich auf den letzten Drücker sein muss, kann man auch per Express abschicken, das geht dann noch am 23. Dezember", so Sebastian Zeh weiter.

Internationale Sendungen sollte man schon jetzt in Angriff nehmen: der Stichtag wäre hier der 18. Dezember (DPD), der 15. Dezember (Hermes), zumindest für EU-Länder. Wer Freunde in den USA postalisch überraschen will, muss ein wenig mehr Zeit einplanen. In jedem Fall gilt aber: Wer sicher gehen will, verschickt früh und prüft den Einzelfall: "Bei Amazon logistics sehen Kunden auf der Produktdetailseite das Lieferdatum, darauf können Sie sich verlassen", so Nadiya Lubnina zu watson.

Übrigens: Egal wann es abgeschickt wurde und wie schön es auch aussieht – bitte drapiere das Päckchen nicht mit Schleifen und Schnüren. Diese könnten "ganze Sortieranlagen außer Betrieb setzen", warnt Kaltofen von Hermes.

Und wir wollen dieses Weihnachten ja nicht noch komplizierter machen, als es schon ist...

(jd)

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