Am Wochenende kam der Verkehr auf einigen deutschen Autobahnen durch den Schnee zum Erliegen.
Am Wochenende kam der Verkehr auf einigen deutschen Autobahnen durch den Schnee zum Erliegen.
Bild: www.imago-images.de / Bernd März
Exklusiv

"Verzögerungen nicht auszuschließen": Schnee-Chaos erschwert möglicherweise Impfstoff-Transport

08.02.2021, 14:3309.02.2021, 09:01

Zuerst wurde zu wenig hergestellt, dann zu wenig eingekauft. Und gerade, als man in Deutschland das Gefühl hatte, dass es langsam vorangeht mit der Verteilung der Covid-19-Impfstoffe, nun das: Am Sonntag hat das Sturmtief "Tristan" den Straßenverkehr mit Sturm und Schnee in großen Teiles des Landes lahmlegt.

Auf mehreren Autobahnen kam es am Wochenende und Montag zu Unfällen, Verkehrsbehinderungen und liegengebliebenen LKWs. So etwa in Sachsen, Hessen, Thüringen und Bayern. Auf einigen Strecken, wie beispielsweise rund um Osnabrück, herrscht sogar ein "unwetterbedingtes Fahrverbot für Lastwagen" durch die Polizei.

Aber was bedeutet das für die Impfstoff-Transporte? Müssen die Impfzentren nun erneut auf Vakzin-Lieferungen warten? Würden die Impfdosen im Notfall eingeflogen werden können? Watson fragte bei den entsprechenden Logistik-Unternehmen nach.

Verspätungen werden in Kauf genommen, wenn es sicherer ist

"Dramatische Wetterlagen erschweren jede Logistik, ob zu Lande, zu Wasser oder durch die Luft", so Sabine Kolaric gegenüber watson. Sie ist Sprecherin der Trans-o-Flex-Express Gmbh. Das Logistikunternehmen ist mit der landesweiten Verteilung von Covid-19-Impfstoffen an die bayerischen Impfzentren beauftragt.

"Deshalb sind bei extremen Wetterlagen Verzögerungen auch nicht auszuschließen."
Trans-o-Flex-Sprecherin

Bislang seien bei ihnen keine Verzögerungen durch das Wetter entstanden, sagt sie, doch das könne durchaus passieren: "Sicheres Ankommen hat immer Priorität vor schnellem Ankommen. Deshalb sind bei extremen Wetterlagen Verzögerungen auch nicht auszuschließen."

Das Wichtigste sei es jetzt, "die Risiken realistisch einzuschätzen und Grenzen zu akzeptieren." Auch wenn das bedeutet, dass Menschen im schlimmsten Fall noch ein wenig länger auf Impfungen warten müssten. Kolaric: "Es nützt niemandem, wenn ein Lkw mit Impfstoffen von einem umstürzenden Baum getroffen wird. Es ist gerade angesichts des knappen Impfstoffs besser, die Verzögerung einer Lieferung in Kauf zu nehmen, etwa weil man einen Umweg oder langsamer fährt, als die Lieferung an sich zu gefährden. "

"Grundsätzlich beeinflusst uns die Wetterlage heute nicht anders, als andere Verkehrsteilnehmer auch", sagt Daniel Pohl, Pressesprecher der DHL Supply Chain, ebenfalls Lieferant des Covid-19-Impfstoffs. Die Fahrweise und die Tourenplanung der Fahrer sei dem Wetter angepasst worden, damit die Ladung sicher ankäme, bestätigt er. "Die Versorgung der Impfzentren mit den Impfstoffen ist dadurch zu keiner Zeit gefährdet." Seinen Angaben zufolge habe lediglich ein Bundesland die Regelversorgung auf eigenen Wunsch auf Dienstag verschoben.

Beim Import aus dem Ausland ist der Schneesturm kein Thema

Das Logistikunternehmen Kühne+Nagel ist unter anderem auf den letzten Meilen der Covid-19-Impfstoffdistribution in Nordrhein-Westfalen tätig und hat dort aufgrund des Wetters "extra mehr Fahrzeuge und Personal im Einsatz", wie Dominique Nadelhofer, Sprecher der AG, gegenüber watson berichtet, da natürlich auch sie "vom Straßenzustand abhängig" seien. Um welche Größen die Flotte erweitert wurde, kann er aus Sicherheitsgründen nicht sagen.

"Wir haben extra mehr Fahrzeuge und Personal im Einsatz."
Kühne+Nagel-Sprecher

Das Unternehmen transportiert jedoch nicht nur den Impfstoff im Inland, sondern ist auch mit den internationalen Lieferwegen betreut. Für die Zulieferung des Vakzins aus dem Ausland sei das Wetter glücklicherweise nicht problematisch, so Nadelhofer: "International gehen wir aktuell nicht von nennenswerten Verzögerungen aus – der Schneesturm betrifft ja in erster Linie Deutschland."

Die winterfesten LKW sind mit Polizeischutz unterwegs

Innerhalb Deutschlands macht das verschneite Wetter den Transport zumindest ein wenig holprig, da dieser über Lastwagen auf der Autobahn stattfindet. Für die Lieferfahrten mit Covid-19-Impfstoffen auf der Ladefläche gelten noch einmal spezielle Sicherheitskonzepte, wie Trans-o-Flex berichtet, dazu gehöre auch "polizeilicher Geleitschutz".

Zu den Details können die Logistiker auch hier aus Sicherheitsgründen nicht viel verlauten lassen, aber Pohl von DHL erläutert die Lieferwege des Covid-19-Impfstoffs: "Der Transport erfolgt von den Herstellern zu unseren zentralen Warenlagern. Dort werden die Impfstoffe tiefgekühlt bei bis zu minus 70 Grad eingelagert, kommissioniert, verpackt und versandfertig gemacht und von dort – gemäß den Vereinbarungen mit den Kunden – an die entsprechenden Verteilzentren geliefert." Mindestens zwei zu fahrende Strecken fallen also an.

"Der Transport zu den Impfzentren und auf der 'letzten Meile' erfolgt ausschließlich über den Landtransport."
DHL Supply Chain-Sprecher

Die eingesetzten Fahrzeuge seien schon im Vorfeld winterfest gemacht worden und daher für den Temperatureinbruch ausreichend gewappnet. Auch Trans-o-Flex habe ihre LKWs bereits im Oktober winterlich ausgerüstet. Sprecherin Kolaric dazu: "Wer im Februar erst damit anfängt, sollte dringend noch einmal in die Lehre gehen."

Würden die Straßen unpassierbar und die Lage auf den Autobahnen zu gefährlich, sei es prinzipiell auch möglich, die Impfstoffe einzufliegen, sagt sie. Das bestätigt man auch bei Kühne+Nagel: "Ein Lufttransport für Kontinentaleuropa wäre rein theoretisch denkbar", so Sprecher Nadelhofer, in Anbetracht der Lage bislang "aber nicht notwendig". Und so bleibt es dabei: "Der Transport zu den Impfzentren und auf der 'letzten Meile' erfolgt ausschließlich über den Landtransport", sagt Pohl von DHL. Schneie es, was es wolle.

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