Wer sowieso nur über einen geringen finanziellen Spielraum verfügt, den trifft die derzeitige Preisentwicklung besonders hart.
Wer sowieso nur über einen geringen finanziellen Spielraum verfügt, den trifft die derzeitige Preisentwicklung besonders hart.Bild: getty images / Monique Shaw
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Hohe Lebenshaltungskosten: Mehrheit der Studierenden fühlt sich von Politik im Stich gelassen

11.07.2022, 14:2512.07.2022, 10:23

Strom und Gas werden teurer, Mieten explodieren, Liefer-Engpässe und die Inflation verschlimmern die Lage. Besonders Geringverdiener wie Studenten und Studentinnen haben das Gefühl mit den immer teurer werdenden Supermarkteinkäufen und gewaltigen Nebenkostenabrechnungen allein gelassen zu werden, wie aktuelle Daten zeigen.

Bei einer repräsentativen Umfrage, die das Meinungsforschungsunternehmen Civey im Auftrag von watson durchgeführt hat, gab eine deutliche Mehrheit der Studierenden an, sich in Bezug auf steigende Kosten in wichtigen Lebensbereichen nicht ausreichend von der Politik unterstützt zu fühlen.

Studierende fühlen sich von der Politik im Stich gelassen

So antworteten nur zwölf Prozent der Befragten auf die Frage "Fühlen Sie sich als Studierende-/r von der Politik hinsichtlich der steigenden Lebenshaltungskosten ausreichend unterstützt?" mit Ja, aber ganze 79 Prozent mit Nein. 56 Prozent von ihnen wählten sogar "Nein, auf keinen Fall" als Antwortmöglichkeit aus.

Civey Studierende
Im Befragungszeitraum vom 16. Juni bis zum 7. Juli 2022 haben sich 1522 Menschen an dieser Umfrage beteiligt.Bild: civey

Demnach sind rund vier von fünf Studenten enttäuscht über die Maßnahmen der Politik. Und das trotz der gerade erst beschlossenen BAföG-Reform, die zum Wintersemester eine Erhöhung des Satzes von 427 auf 449 Euro im Monat verspricht, von vielen Seiten aber bereits als unzureichend kritisiert wurde. Insbesondere eine Tatsache macht BAföG-Empfängern zu schaffen: Die derzeitige Inflationsrate (7,6 Prozent im Juni 2022, Statistisches Bundesamt) übersteigt die Anhebung (rund 5 Prozent) und frisst den Zugewinn somit direkt wieder auf.

Die finanzielle Sorge wird durch die Inflation befeuert

Nach einer aktuellen Expertise der Paritätischen Forschungsstelle sind 30 Prozent aller Studierenden in Deutschland von Armut betroffen (Daten des Sozio-ökonomischen Panels 2022 und Deutsches Studentenwerk). Daher wundert es nicht, dass sich auch fast ein Drittel der befragten Studierenden sorgt, ihr Studium nicht mehr finanzieren zu können.

Civey Studierende
Im Befragungszeitraum vom 16. Juni bis zum 7. Juli 2022 haben sich 1900 Menschen an dieser Umfrage beteiligt.Bild: civey

Rund 27 Prozent bejahten die Frage nach Sorgen um die Finanzierung ihres Studiums, die große Mehrheit, rund 67 Prozent, zeigte sich jedoch zuversichtlich, dass sie sich ihr Studium auch weiterhin werde leisten können.

Vergleichsdaten aus dem Mai 2020 zeigen, dass sich an der Haltung der Studierenden diesbezüglich wohl wenig geändert hat. Auch damals, zu Beginn der Pandemie, gaben 67 Prozent der Studierenden bei einer Civey-Umfrage mit der gleichen Fragestellung an, sich nicht davor zu fürchten, ihr Studium nicht mehr finanzieren zu können, während 28 Prozent diese Sorge hatten.

Der Wegfall des Nebenjobs in der Pandemie riss einigen Studierenden zusätzlich ein Loch in ihr Budget.
Der Wegfall des Nebenjobs in der Pandemie riss einigen Studierenden zusätzlich ein Loch in ihr Budget. Bild: getty images / Yuricazac

Dieser Optimismus schrumpft aber offensichtlich, sobald die Studierenden an die aktuelle Geldentwertung denken. Bei der Frage "Befürchten Sie, dass Sie aufgrund der aktuellen Inflation Ihr Studium nicht mehr ausreichend finanzieren können?" stieg der Anteil der Besorgten wieder auf 42 Prozent. Nur noch etwa jeder Zweite (48 Prozent) sieht keine Auswirkungen auf die Finanzierung des eigenen Studiums.

Civey Studierende
Im Befragungszeitraum vom 16. Juni bis zum 7. Juli 2022 haben sich 1645 Menschen an dieser Umfrage beteiligt.Bild: Civey

Auffällig: Jeder zehnte Studierende war bei dieser Frage unentschieden. Und auch wie nachdrücklich die Befragten die Frage verneinten oder bejahten, hält sich die Waage (24 Prozent "Ja, auf jeden Fall", 18 Prozent "Eher ja", 22 Prozent "Eher nein", 26 Prozent "Nein, auf keinen Fall"). Wie gravierend die finanziellen Einbußen in Zukunft sein werden, ist also offenbar für viele Menschen noch nicht vollständig überschaubar.

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