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Dating und Liebe: Was sind die echten Gründe fürs Ghosting unter Singles?

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Kommt da noch was? Geghostete sind wie im Fegefeuer.Bild: pexels / ira dulger
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Was sind die wahren Gründe, wenn jemand dich ghostet?

11.02.2024, 12:4912.02.2024, 16:24
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Ghosting gilt als eines der größten Übel des modernen Datings. Das kommentarlose Verschwinden des Gegenübers, das Nicht-Antworten, Nicht-Reagieren eines Dates hat schon so manchen Single am Handy zur Weißglut getrieben und in Selbstzweifel gestürzt.

Habe ich was Blödes gesagt? Stimmte etwas nicht mit meinem Geruch? Outfit? Meiner Wohnung? Sollte ich noch weiter warten oder bin ich abgesägt? Diese Unsicherheit beschäftigt die Zurückgelassenen oft noch lange. Besonders, wenn schon Zeit und Emotionen in das Date investiert wurde.

Warum ghosten Menschen überhaupt, statt einfach zu sagen, was los ist? Darüber sprachen wir mit Pia Kabitzsch. Die Psychologin begeistert sich für alle Dating-Themen und spricht darüber auch in ihrem Tinder-Podcast ("Besser Daten").

Was empfinden Menschen eigentlich als Ghosting?

Erstmal, so die Expertin, sei die Grundsatzfrage zu klären, wo Ghosting überhaupt anfängt. "Ist Ghosting auch schon, wenn du auf Datingapps nicht mehr antwortest? Oder ist Ghosting erst, wenn man sich getroffen hat? Oder schon mehrere Tage miteinander schreibt?", fragt sie. Das sei nicht klar definiert.

Und das führt logischerweise dazu, dass ein Single das Nicht-Antworten vielleicht schon als völlig unverschämt empfindet, das Gegenüber sich aber keiner Schuld bewusst ist. "Fakt ist, dass viele Menschen schon Erfahrungen mit irgendeiner Form von Ghosting gemacht haben, nämlich etwa 40 Prozent der Datenden, was echt eine Menge ist", erklärt Pia weiter und führt aus:

"Onlinedating macht es einem aber auch verdammt leicht, Leute zu ghosten. Man kann einfach verschwinden. Im Freundeskreis oder auch an der Uni ist das nicht so easy, aber online schreibst du einfach nicht mehr zurück und damit hat sich die Sache."

Das heiße aber nicht, dass Ghosting okay ist, sagt die Dating-Expertin sehr deutlich. Es sei schließlich so, "dass du gar nicht mitbekommst, wie sich das für die andere Person anfühlt". Man macht es sich also denkbar leicht.

"Ghosting hat häufig mehr mit dem Ghoster zu tun als mit dem, der geghostet wird."
Psychologin Pia Kabitzsch

Man bekäme ja gar keine Reaktion, außer das Gegenüber melde sich aktiv und fordere eine Erklärung für die Funkstille ein. "Spätestens dann sollte man auch erklären, woran es lag", mahnt die Psychologin in Sachen Fairness, "denn dann ist die andere Person ja offensichtlich getroffen worden".

Gedankenlosigkeit als ein Hauptgrund des Ghostings

Was die wahren Gründe für das Verschwinden sind, dazu gibt es spannende Studien, die Pia Kabitzsch auch in ihrem Buch aufgreift. Das Ergebnis sei dabei "grob zusammengefasst: Ghosting hat häufig mehr mit dem Ghoster zu tun als mit dem, der geghostet wird."

Als häufige Gründe für dieses Verhalten wurde laut Pia zum Beispiel angegeben, "dass die Kommunikation unterging, weil mit mehreren gleichzeitig geschrieben wurde, dass man das Dating leid war, plötzlich stand die Ex-Freundin wieder vor der Tür und so weiter".

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Habe ich was falsch gemacht? Wer keine Antwort mehr bekommt, entwickelt oft Selbstzweifel.Bild: Pexels / Andrea Piacquadio

Kurzum: Die persönlichen Umstände können sich so ändern, dass der Flirt obsolet wird "und das hat nichts unbedingt damit zu tun, dass sich der Geghostete etwas zuschulden hat kommen lassen", tröstet die Expertin.

"Viele Ghoster glauben, es sei weniger verletzend, sich einfach nicht mehr zu melden."
Psychologin Pia Kabitzsch

Es sei ihrer Meinung nach wichtig, dass man das als Betroffener oder Betroffene im Kopf behält, um nicht an sich zu zweifeln. Sie erklärt weiter:

"Es ist oft eher so eine Unbedachtheit, weil das Commitment noch fehlt. Man kennt sich kaum, man fühlt sich keiner Erklärung schuldig. Es ist leichter, sich nicht mehr zu melden. So nach dem Motto: Dann merkt der andere doch von allein, dass man keinen Kontakt mehr will."

Angst, mit der Wahrheit Gefühle zu verletzen

Eine entsprechende Studie von 2020 hätte zudem gezeigt, "dass viele Ghoster glauben, es sei weniger verletzend, sich einfach nicht mehr zu melden, als zu erklären, was nicht gepasst hat", sagt Pia weiter. Aus der Perspektive einer Person, die selbst schon geghostet wurde, und auch aus der psychologischen Perspektive heraus, könne sie dazu allerdings nur sagen: "Bullshit."

Im Gegenteil. Es sei deutlich schwerer, einen Abschluss zu bekommen, wenn man geghostet wurde und besser für die mentale Gesundheit, wenn man wisse, warum nichts mehr kommt. "Sonst hofft man noch zwei Wochen, dass das Handy wieder piept oder fragt sich ohne Ende, was vorgefallen ist."

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Fair und freundlich den Kontaktabbruch zu erklären ist also immer noch der beste Weg, auch wenn natürlich niemand unangenehme Gespräche mag. Es müsse aber auch kein großes Drama daraus gemacht werden, erklärt die Psychologin.

Sie rät abschließend jedem, der am liebsten ghosten würde, einfach "eine kurze Nachricht schreiben, dass man kein Interesse hat, die andere Person weiter kennenzulernen. Das ist eine Sache von wenigen Sekunden". Wenige Sekunden Mut, die dem Gegenüber viele Tage Grübeleien ersparen können. Das ist faires Dating ganz ohne Gruselfaktor.

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