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Baumarkt-Riese Obi soll drastische Änderung planen – widerspricht aber Berichten

Obi branch in Aachen Brand. In Aachen on June 24, 2021 GERMANY - AACHEN - DAILY
Auch die Baumarktkette Obi bleibt von den gestiegenen Preisen nicht verschont.Bild: imago/ Wassilis Aswestopoulos
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Baumarkt-Riese Obi soll drastische Änderung planen – widerspricht aber den Berichten

29.01.2023, 16:31
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Transparenzhinweis: Dieser Artikel wurde am 29. Januar um 16.30 Uhr mit Veränderungen neu veröffentlicht. Grund hierfür ist, dass Obi auf unsere Berichterstattung reagiert und seine Sicht der Dinge verdeutlicht hat.

Über Jahre hinweg konnte die Baumarktkette Obi im Heimwerker-Standort Deutschland florieren – und stetig steigende Umsätze verbuchen. Mit der Corona-Pandemie folgte 2020 allerdings ein erster Dämpfer. Nach einer kurzen Erholung kam dann mit dem russischen Angriff auf die Ukraine der nächste finanzielle Rückschlag für das Unternehmen.

Produktions- und Transportkosten sind in die Höhe geschnellt, die Energiepreise explodiert und die Kaufkraft der Kund:innen zurückgegangen. In der Folge erwägt Obi laut einem Medienbericht Schritte, um finanziell möglichst erfolgreich zu bleiben.

Wie aus Informationen der "Lebensmittel Zeitung" hervorgeht, plant die Baumarkt-Handelskette die Anzahl der stationären Artikel um bis zu 30 Prozent zu reduzieren.

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Die Unternehmensführung in Wermelskirchen, wo Obi seinen Hauptsitz hat, hat sich demnach vorgenommen, sich effizienter und digitaler aufzustellen und vor allem das Sortiment an "schnelldrehenden" Produkten auszubauen. Damit sind Artikeln mit einer hohen Umschlagshäufigkeit und -menge gemeint, die nur für eine kurze Zeit im Lager sind.

Man wolle die "Relevanz des Sortiments erhöhen" und die "Komplexität reduzieren", heißt es von Einkaufsvorstand Gonn Weide auf "LZ"-Nachfrage. Im Durchschnitt soll die Anzahl der Artikel laut "LZ" um 20 bis 30 Prozent sinken. Eine handelsübliche Obi-Filiale fasst auf ungefähr 8000 Quadratmetern circa 40.000 bis 60.000 Artikel – zukünftig sollen es im Kern eher 30.000 sein. Das steht im "LZ"-Bericht.

Gonn Wiede sprach zwar mit der "LZ", dementierte aber nun die konkreten Zahlen, die in dem Text genannt wurden. In einem schriftlichen Statement, das watson vorliegt, betonte Weide:

"Wir überarbeiten unser Sortiment (...) im Sinne unserer Kund:innen. Dort wo sich die Produkte beispielsweise in ihrer Funktion sehr ähneln, wollen wir bedarfsgerecht anpassen und auf der Fläche und in den Regalen hauptsächlich relevante Artikel (...) anbieten, weitere Produkte sind online bestellbar. Konkrete Zahlen hinsichtlich der Gesamtgröße des Sortiments, die von einem Medium veröffentlicht wurden, können wir nicht bestätigen, da wir uns aktuell in der Prüfung des Sortiments entlang aller Warengruppe befinden." Weiter führt er aus: "Wir möchten betonen, dass es sich hierbei um eine Fokussierung des dauerhaft im Markt verfügbaren Sortiments handelt."

Klares Ziel sei es, "häufig nachgefragte Artikel jederzeit in jedem Markt ausreichend verfügbar" zu haben, und zwar "unabhängig von Standort und Marktgröße".

Bauhaus Baumarkt, An den Freiheitswiesen, Spandau, Berlin, Deutschland *** Bauhaus Baumarkt, An den Freiheitswiesen, Spandau, Berlin, Germany
Die Baumarktkette Bauhaus ist Obis ärgster Konkurrent.Bild: imago/ schöning

Zudem widerspricht er den konkreten Umsatzzahlen, die die "LZ" publizierte: "Nicht richtig ist, dass wir einen Einbruch des Geschäfts verzeichnen. Wir sehen wie alle Marken im Retail-Bereich eine Kaufzurückhaltung und hohe Preissensibilität bei unseren Kund:innen, nichtsdestotrotz konnten wir im letzten Jahr ein deutlich positives Ergebnis erzielen und die Umsatzzahlen zum Vorjahr steigern."

Marktführer-Position ist in Gefahr

Aktuell ist Obi zwar der deutsche Branchenprimus unter den Baumarktunternehmen und ist auch europaweit noch konkurrenzfähig. Branchenintern wird der Tengelmann-Tochter allerdings Investitionsstau und Anpassungsbedarf attestiert.

Lange Zeit wurde es beispielsweise versäumt, das Sortiment zu reformieren. Da nun der Hauptkonkurrent Bauhaus immer näher rückt, sei die Angst, die Position als Marktführer zu verlieren, laut Insidern groß. Dem soll durch die neue Ausrichtung entgegengewirkt werden.

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Obi plant große Veränderungen beim Konzept seiner Baumärkte. Bild: imago/ ITAR-TASS

Gerade größerer Lieferanten befürchten durch die Umstrukturierung Kosten in Millionenhöhe. Obi hat bereits bei einigen Lieferanten Lieferstopps verhängt und Preisnachlässe gefordert. Allem Anschein nach könnte sich die Lage für die Partner nun noch verschärfen.

Offenbar drängt die Baumarktkette ihre Partner dazu, Altprodukte zurückzunehmen, um den Umbau zu finanzieren. Als Gegenleistung werden den Lieferanten teilweise mehrjährige Lieferverträge angeboten – allerdings ohne festgelegte Preise oder ein garantiertes Bestellvolumen. Das Verhältnis sei demnach aktuell angespannt.

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