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Supermarkt: Kult-Wurst in der Krise? Hersteller zieht erste Konsequenzen

Teenager shopping in supermarket, reading product information
Im Wurstregal könnten in Zukunft deutlich weniger Produkte stehen.Bild: VLG/ getty images
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Supermarkt: Kult-Wurst in der Krise? Hersteller zieht erste Konsequenzen

31.05.2023, 07:09
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Tofu, Seitan, Tempeh und Co.: Seit einigen Jahren erlebt die Fleischersatz-Industrie einen regelrechten Boom. Laut einer Studie des Statistischen Bundesamts ist die Produktion von Fleischersatz-Erzeugnissen im Jahr 2022 um mehr als sechs Prozent gestiegen.

Diese Entwicklung kommt Tieren, der Umwelt und der Gesundheit zugute – große Nachteile erleiden dadurch allerdings die Fleisch- und Wursthersteller. Denn der Rückgang der Nachfrage von Fleischprodukten macht sich dort deutlich bemerkbar, so auch bei dem Hersteller der berühmten "Bärchenwurst" – das Unternehmen muss nun reagieren.

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Die Marke The Family Butchers ist vor allem bekannt für die Herstellung der berühmten Kinderwurst in Form eines Bären. Nun ist das Unternehmen im Zuge des Veggie-Hypes jedoch zum Umdenken gezwungen und drosselt seine Produktion etwa um 20 Prozent – der Hersteller versucht so der neuen Situation auf dem Markt standzuhalten. Auch das Sortiment werde man kürzen, so die Geschäftsführer im Interview mit dem "Handelsblatt".

"Wir Hersteller hecheln der Inflation hinterher."
Hans-Ewald Reinert, Geschäftsführer von The Family Butchers

Kult-Wursthersteller leidet unter Inflation

"Wir Hersteller hecheln der Inflation hinterher", erklärt Hans-Ewald Reinert, Geschäftsführer und Erfinder der beliebten Kinderwurst. Seit 1998 hat sein Produkt in deutschen Supermärkten Kultstatus.

Finanziell gesehen gehe viel vom Gewinn an den Handel und nur wenig an die Fleischindustrie selbst, erklärt Reinert. Hinzu komme, dass zwei Drittel der Wurst in Deutschland bei Discountern gekauft wird. Dort werden Markenprodukte wie die seiner Firma oft nicht angeboten.

Der Wursthersteller hat auch eine Veggie-Marke

Ein Standbein für die Zukunft ist daher für The Family Butchers, wie auch für viele andere Fleischhersteller, die Investition in das genaue Gegenteil von ihrer Profession: in Fleischersatz-Produkte. So brauchte auch die "Bärchenwurst"-Firma im Herbst 2022 mit Billie Green eine eigene Veggie-Marke heraus.

"Stattdessen fermentieren wir Weizenprotein. Das verbessert Geschmack und Textur."
Hans-Ewald Reinert, Geschäftsführer von The Family Butchers

Das Besondere an den Veggie-Produkten von The Family Butcher sei laut: Im Gegensatz zu den Produkten der Konkurrenz seien keine Zusatzstoffe enthalten. "Stattdessen fermentieren wir Weizenprotein. Das verbessert Geschmack und Textur", unterstreicht der Geschäftsführer im Gespräch mit dem "Handelsblatt".

"Bärchenwurst"-Hersteller will künftig auf neue Veggie-Alternative setzen

Auch auf internationaler Ebene will man weiter gehen. Ein großer Fokus für die kommenden Jahre soll für Reinerts Unternehmen kultiviertes Fleisch sein. In den USA stehe eine Genehmigung hierfür kurz bevor, im asiatischen Raum sei diese teils bereits vorhanden.

The Family Butchers verkauft für diese Methode sogenannte Bioreaktoren, in denen die Zellkulturen hochgezogen werden. Die fertigen Produkten sollen zunächst eine Mischung aus Pflanzenproteinen und Zellkulturen sein.

Doch auch für die "Bärchenwurst" aus dem Bioreaktor habe man bereits das Know-how, so Reinert. Ob und wann ein solches Produkt aber tatsächlich in unsere Supermärkte kommt, ist wohl noch fraglich.

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