Leben
Bild

Jenke von Wilmsdorff geht wieder an seine Grenzen. Diesmal versucht er, extrem viel – und kurz darauf gar kein Fleisch zu essen. Bild: imago images / Future Image

Jenke isst 2 Wochen lang nur Fleisch – Expertin erklärt, was das mit dem Körper macht

Mit schmerzverzerrtem Gesicht hält Jenke von Wilmersdorff seine Hand in die Kamera. "Die kleinste Bewegung verursacht einen stichartigen Schmerz", sagt er. In der Nacht wird er kaum Schlaf finden, am nächsten Tag sieht die Hand geschwollen aus.

Dass es zu dieser heftigen körperlichen Reaktion kommt, liegt womöglich an Jenkes radikaler Ernährungsumstellung: Zu diesem Zeitpunkt nimmt der Journalist in der RTL-Sendung "Das Jenke-Experiment" seit zwei Tagen fast nur Fleisch zu sich. Auf ein Kilo täglich will er bei seinem Versuch kommen.

Als Gegenprogramm will er danach zwei Wochen vegan leben, um am Ende die Frage beantworten zu können: Wie viel Fleisch muss eigentlich sein?

Um Jenkes drastisches Experiment und die Konsequenzen für seinen Körper besser einordnen zu können, hat watson das Geschehen zudem von Ernährungswissenschaftlerin Alexa Iwan einordnen lassen.

Fleischkonsum schadet nicht nur der Umwelt, sondern auch dem Körper – stimmt das?

Zahlreiche Studien warnen vor zu hohem Fleischkonsum. Abgesehen davon, dass die Fleischproduktion zulasten der Umwelt geht, weil sie extrem viele Ressourcen verbraucht (ein Kilo Rindfleisch verbraucht etwa 15.000 Liter Wasser und 14,3 Kilo CO2): Es soll auch noch ungesund sein, zumindest in großen Mengen.

Jenke will mit seinem Experiment nun ein anderes Bewusstsein für Fleisch schaffen. Um am eigenen Leib zu erfahren, wie viel Fleisch eigentlich gesund ist, schraubt er den Konsum erst einmal hoch. Vor dem Experiment isst Jenke laut eigenen Angaben etwa zwei Mal wöchentlich Fleisch, also nicht übermäßig viel. Mit einem Kilo Fleisch pro Tag erhöht er seinen Fleischkonsum also um ein Vielfaches.

Jenke zeigt, wozu es führen kann, wenn du zu viel Fleisch isst

Watson fragt Alexa Iwan: Ein Kilo Fleisch täglich – ist das überhaupt ein realistischer Konsum? "Natürlich wird man eher wenig Menschen finden, die täglich ein Kilo Fleisch verzehren", sagt die Expertin. "Aber es gibt immer noch genug Leute, vor allem Männer, die nach dem Motto 'Fleisch ist mein Gemüse' leben." Laut Statistik essen die Deutschen satte 60 Kilo pro Jahr – im Durchschnitt.

"Große Mengen Fleisch sind nicht gesund"

Ernährungswissenschaftlerin Alexa Iwan

Jenke überspitzt laut Iwan die Situation in seinem Experiment, weil er nur zwei Wochen und nicht 20 Jahre zur Verfügung habe, um zu zeigen, inwiefern ein hoher Fleischkonsum den Körper belastet. "Und ja, große Mengen Fleisch sind nicht gesund", fügt Iwan hinzu.

Insofern sollte der Zuschauer an "Das Jenke-Experiment" wohl auch nicht den Anspruch stellen, dass hier ein realistischer Alltag abgebildet wird. Dennoch beweist Jenke, wohin der Extremfall, ein übermäßiger Fleischkonsum, führen kann – die Folgen bekommt er in der Sendung nämlich viel früher zu spüren, als er selbst wohl dachte.

Jenke muss sich überwinden, um so viel Fleisch auf einmal zu essen

Während Jenke in Hamm die Schweine Schmali und Elsa pflegt, die auf einem Hof ein artgerechtes Leben führen dürfen, bevor sie geschlachtet werden, ernährt er sich von Leberwurst, Steak und Rouladen. Wirklich Spaß scheint ihm die Völlerei dieser Art nicht zu machen:

"600 Gramm Fleisch auf einen Schlag sind 'ne ziemlich üble Sache."

Auch Iwan findet seine Ernährungsweise in der Sendung "sehr extrem. Da durfte man schon eine Reaktion seines Körpers erwarten." Schließlich führe übermäßiger Fleischkonsum unter Umständen zu chronischen Entzündungen wie Rheuma oder Arthritis und Herzerkrankungen. Auch bestimmte Krebsarten werden gefördert.

Und tatsächlich blühen Jenke die Folgen seiner Ernährung schon nach 48 Stunden. Schmerzen in der linken Hand, Schwellungen – hat das mit den 880 Gramm Fleisch zu tun, die er am zweiten Abend gegessen hat?

Ja, stellt der Mediziner Hans-Georg Schöttler in der Sendung fest. Wegen des erhöhten Fleischkonsums produziert der Körper mehr Harnsäure, es komme zu Entzündungen. Und das zeigt sich in Form eines leichten Gicht-Anfalls, wie Jenke ihn gerade in seiner Hand erlebt.

Jenke zieht das Experiment weiter durch

Abbrechen will Jenke das Experiment an dieser Stelle nicht. Er greift auf Schmerztabletten und Kortison zurück, um die Entzündung in den Griff zu bekommen – und schaufelt weiter Fleisch.

Jenke von Wilmsdorff isst pro Tag 1 kg Fleisch - jeder Teller enspricht dem Fleischkonsum eines Tages.

+++ Die Verwendung des sendungsbezogenen Materials ist nur mit dem Hinweis und Verlinkung auf TVNOW gestattet. +++

TV-Reporter Jenke und die Berge von Fleisch, die er essen will. Bild: TVNOW / Verena Sieben

Kann das zu unwiderruflichen Schäden führen? Iwan sagt, der Körper könne sich regenerieren, wenn man ihn gut behandle: "Das hat die Natur schon ziemlich clever eingerichtet."

Auch das beweist Jenke in seinem Versuch – im zweiten Teil, der zweiwöchigen veganen Ernährung. In dieser Zeit verzichtet er auf sämtliche tierische Lebensmittel, kein Fleisch, keine Eier, keine Milchprodukte.

Der Start ins vegane Leben fällt Jenke schwer

Abgesehen davon, dass Jenke sich erst einmal dran gewöhnen muss, als Veganer sein Essen viel mehr zu hinterfragen und im Restaurant immer noch mal nachzuhaken, ob die Pommes wirklich in pflanzlichem Fett frittiert worden sind: Bald fühlt er sich trotz fleischlosen Lebens sehr gut. Während seiner Fleisch-Wochen spürte er nicht nur die Gicht, sondern auch Konsequenzen wie Abgeschlagenheit und Trägheit. Nun fühlt er, wie seine Energie zurückkehrt.

Am Ende der zwei veganen Wochen zeigt sich: Jenke hat zwei Zentimeter an Bauchumfang verloren und sein Cholesterinspiegel ist um mehr als 30 Prozent gesunken. Damit hat er nicht nur das gesundheitliche Level erreicht, das er vor dem Experiment hatte. Seine Blutwerte sind sogar noch besser geworden, die "guten" Bakterien im Darm, die zur Verdauung beitragen, haben sich verzehnfacht.

"Ich verlasse die Praxis gesünder als zu Beginn meines Experimentes. Das ist ungewöhnlich. Sonst brauch ich danach erst mal eine Entgiftung."

Damit könnte Jenke die Bedenken vieler Menschen, die fürchten, eine vegane Ernährung sei per se ungesund, aus dem Weg räumen. Iwan empfiehlt allerdings, auch als Veganer auf eine ausgewogene Ernährung zu achten:

"Grundsätzlich spricht überhaupt nichts gegen eine vegane Ernährung, wenn sie durchdacht und gut geplant ist. Einfach nur tierische Lebensmittel weglassen, funktioniert allerdings nicht."

Man muss laut der Expertin wissen, mit welchen konkreten pflanzlichen Lebensmitteln man den Wegfall von Nährstoffen, die man sonst über Fisch, Fleisch, Käse, Joghurt oder Milch aufnimmt, ausgleichen könne.

Auch ist diese Ernährungsweise in der Vor- und Zubereitung aufwändiger, das zeigte auch Jenke schon in der Sendung. Iwan meint:

"Man muss einfach deutlich mehr Gemüse schnippeln."

Für eine große Familie könne das eine Herausforderung sein. Für einen Ein-Personen-Haushalt womöglich weniger.

Solltest du Fleisch essen?

Nachdem Jenke in seinem Experiment extreme Beispiele gezeigt hat, fragt sich der Zuschauer am Ende womöglich: Was ist denn nun die goldene Mitte der gesunden Ernährung? Fleisch essen, ja oder nein?

Ernährungsexpertin Iwan meint, dass Menschen, die auf Fleisch verzichten, über den in der Regel erhöhten Gemüsekonsum sehr viele Vitalstoffe aufnehmen: Wer sich vorher schlecht ernährt habe und einen veganen Selbstversuch starte, würde den Unterschied merken.

"Das heißt aber nicht, das vegane Ernährung nun das Non-Plus-Ultra ist", gibt Iwan zu bedenken. "Am Ende geht es darum sich insgesamt ausgewogen und überwiegend von frischen, naturbelassenen, pflanzlichen Lebensmitteln zu ernähren. Ab und an ein Stück Öko-Fleisch schadet dabei nicht."

Am Ende des Experiments wird Jenke Vegetarier

Egal für welche Ernährungsweise du dich letztlich entscheidest, solltest du folglich auf Ausgewogenheit achten. Der Veganer, der nur noch trockene Nudeln isst, lebt nicht automatisch gesünder als jemand, der jeden Tag Fleisch isst. Wenn du viel Abwechslung und frische, unverarbeitete Zutaten verwendest, wird dein Körper sehr wahrscheinlich die notwendigen Nährstoffe bekommen, ob mit oder ohne Fleisch.

Was du jedenfalls nicht tun solltest, und das hat Jenke sehr eindeutig gezeigt: Jeden Tag ein Kilo Fleisch essen – und dafür vielleicht lieber nur einmal pro Woche den guten, alten Sonntagsbraten genießen.

Jenke beschließt am Ende des Experiments übrigens, Vegetarier zu werden, weil ihm die Pflegeschweine Schmali und Elsa so sehr ans Herz gewachsen sind. Für die beiden soll RTL nun sogar eine Patenschaft übernehmen – damit sie niemals geschlachtet und irgendwann, nach einem glücklichen, langen Schweineleben, auf natürlich Weise sterben dürfen.

(ak)

0
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
0Alle Kommentare anzeigen

Coronavirus: Kein Klopapier im Supermarkt? Hersteller gibt Entwarnung

Ob Konserven, Nudeln oder Klopapier: Aus Angst vor den Folgen des neuartigen Coronavirus decken sich einige Menschen mit Vorräten ein. In den sozialen Netzwerken kursieren jede Menge Bilder von leeren Supermarktregalen. Mitunter entsteht der Eindruck, es herrsche Produktknappheit. Stimmt das?

Von einem Lebensmittelengpass kann Experten zufolge keine Rede sein. Hygieneartikel sind derzeit in einigen Läden zwar ausverkauft, können aber nachbestellt werden. Fotos von leeren Regalen zeigen …

Artikel lesen
Link zum Artikel