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Weichmacher im Urin: Experten schlagen wegen besorgniserregendem Fund Alarm

PRODUKTION - 30.01.2024, Nordrhein-Westfalen, Essen: Tiefgefrorene Urinproben liegen in einem Labor des Landesamt f
In mehreren Urinproben wurden Stoffe gefunden, die da definitiv nicht hingehören.Bild: dpa / Bernd Thissen
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Weichmacher im Urin: Experten schlagen wegen besorgniserregendem Fund Alarm

08.02.2024, 19:1808.02.2024, 19:20
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Es sind Ergebnisse, die Behörden in Alarm versetzen. In zahlreichen Urinproben, auch von Kindern, wurde ein Schadstoff gefunden, dessen Verwendung längst eingeschränkt wurde: Phthalat. Das Phthalat MnHexP ist fortpflanzungsschädigend und darf laut Umweltbundesamt (Uba) seit 2023 ohne Zulassung in der EU grundsätzlich nicht mehr verwendet werden. Zulassungsanträge sollen aber keine gestellt worden sein.

Es stellt sich also die Frage: Woher kommt der Schadstoff, der in den Urinproben gefunden wurde? Das Uba hat nun erste Hinweise.

Umweltbundesamt sieht Zusammenhang mit Sonnencreme

Die Behörde hat sich auf die Suche nach der Herkunft begeben. Detektivarbeit, sagt Uba-Toxikologin Marike Kolossa. Doch sie ist fündig geworden – zumindest lässt sich ein Zusammenhang erkennen: zu Sonnencreme. Zunächst hatte der "Spiegel" darüber berichtet.

"In unseren ersten, sondierenden Analysen sehen wir einen Zusammenhang zwischen der Belastung mit MnHexP und Kosmetika, darunter insbesondere Sonnenschutzmitteln", sagt Kolossa. Dieses sei auch in vielen Cremes, darunter Nachtcremes, enthalten. Auf Sonnenschutzmittel sollte man jetzt aber auf gar keinen Fall verzichten, warnt die Expertin. Die Krebsgefahr durch Sonnenstrahlen sei zu hoch.

Das Umweltbundesamt arbeitet europaweit mit anderen Institutionen zusammen, um sich dem Fall weiter anzunehmen. Sind Produkte verdächtig, sollen sie nun gezielt untersucht werden. Das Ziel ist es, die Quelle für das zulassungspflichtige Phthalat zu finden. So kann festgestellt werden, ob ein Hersteller zum Beispiel ein Schlupfloch ausnutzt.

Konzentration bei hochbelasteten Kindern verzehnfacht

Laut Uba handelt es sich bei Phthalat um ein Abbauprodukt eines nicht zugelassenen Weichmachers. Die Umweltbehörde hat es im Urin von Erwachsenen gefunden. In Nordrhein-Westfalen hatte das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz (Lanuv) alte Urinproben von Kindergartenkindern untersucht. Auch hier gab es Treffer.

Der Anteil der mit dem Phthalat belasteten Proben hat sich demnach deutlich erhöht. Im Jahr 2017/2018 waren es noch 26 Prozent. 2020/2021 hat sich der Anteil auf 61 Prozent erhöht, heißt es in einer Mitteilung des Lanuv vom 31. Januar. Die Konzentration bei hochbelasteten Kindern habe sich in etwa verzehnfacht.

Das sind beunruhigende Ergebnisse, weil der Stoff verschiedene Gesundheitsrisiken birgt.

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Weichmacher können gefährliche Auswirkungen haben

Er wirke vor allem auf die Fortpflanzungsorgane männlicher Föten im Mutterleib, sagt Kolossa. Bei Erwachsenen könnten Stoffe aus der Gruppe das Risiko für Diabetes, Bluthochdruck und Fettleibigkeit erhöhen. Teilweise sind sehr hohe Konzentrationen festgestellt worden. In einzelnen Menschen seien sie so hoch, "dass eine Gesundheitsgefährdung nicht auszuschließen ist."

(Mit Material der dpa)

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