Eine Ansteckung mit dem Humanen Immundefizienz-Virus (HIV) ist im Jahr 2025 längst nicht mehr mit einem Todesurteil gleichzusetzen. Zumindest in Deutschland und anderen westlichen Ländern haben die meisten Menschen Zugang zu wirksamen Therapien, die das Virus dauerhaft unterdrücken können.
Dadurch bleibt das Immunsystem stabil, schwere Krankheitsverläufe werden verhindert und Betroffene können ein weitgehend normales Leben führen. Bei konsequenter Behandlung ist die Viruslast oft so gering, dass HIV nicht mehr übertragbar ist – selbst beim Geschlechtsverkehr.
Trotzdem: eine Infektion ist ein Gesundheitsrisiko und das Stigma von HIV-Patient:innen bleibt groß. Damit man sich gar nicht erst ansteckt, greifen manche Menschen zur PrEP-Pille. Dabei handelt es sich um eine Prä-Expositions-Prophylaxe, die zuverlässig davor schützt, dass sich HIV im Körper festsetzt, wenn man dem Virus ausgesetzt ist.
Der Haken: Damit die Tablette ihre Wirkung nicht verfehlt, muss sie in der Regel täglich eingenommen werden. Bei der Einnahme ist also ein gewisses Maß an Disziplin gefragt. Doch es gibt mittlerweile eine vielversprechende Alternative.
Das PrEP-Medikament mit dem Wirkstoff Lenacapavir muss nämlich nicht 365-mal im Jahr als Pille eingenommen werden, sondern wird lediglich zweimal jährlich per Spritze verabreicht. Für viele Menschen, die sich vor HIV schützen wollen, stellt das eine große Erleichterung dar.
Die Weltgesundheitsorganisation hatte im vergangenen Monat bereits eine Emfpehlung für das Medikament ausgesprochen (watson berichtete). In den USA ist Lenacapavir bereits seit Mai zugelassen. Und nun zieht auch Europa nach.
Wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtet, hat die Europäische Kommission diese Woche eine entsprechende Marktzulassung erteilt. Damit darf das Medikament, das hier unter dem Namen Yeytuo vermarktet wird, in allen 27 EU-Mitgliedsstaaten sowie Norwegen, Island und Liechtenstein verwendet werden.
Bevor es aber tatsächlich zur Anwendung kommt, muss das verantwortliche Unternehmen Gilead mit den Gesundheitssystemen der einzelnen Länder Preis- und Erstattungsbedingungen vereinbaren, heißt es bei Reuters.
Momentan liegt der Listenpreis für das Medikament in den USA bei 28.000 US-Dollar pro Jahr. Zum Vergleich: Laut Deutscher Aidshilfe bezahlt man für die PrEP-Tablette, die derzeit schon in Deutschland verfügbar ist, gerade mal 50 bis 70 Euro im Monat. Das sind im Jahr 600 bis 840 Euro.
Expert:innen hoffen derzeit trotzdem, dass durch die langfristig wirksame HIV-PrEP mit dem Wirkstoff Lenacapavir ein Rückgang der HIV-Infektionen bewirkt werden kann.