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Reisetopia-Gründer Moritz Lindner erklärt Tricks für einen günstigen Luxusurlaub

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Luxus für alle? Laut Reisetopia muss das keine Utopie sein. Bild: pexels / Asad Photo Maldives
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Warum die Gen Z trotz Inflation Luxusurlaub liebt

03.07.2024, 19:32
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Schmutzige Wanderstiefel, ausgefranste Backpacks und ein Leben von Hostel zu Hostel: Das sind die Assoziationen, die der Begriff "Reisen" für so mach einen hervorruft. Der Begriff "Luxus" hingegen wird gerne mit Champagner, teuren Klamotten und viel Glanz assoziiert.

Dass Abenteuerlust und "Gönnung" aber nicht immer getrennt gedacht werden müssen, war einst die Idee hinter dem Start-up Reisetopia. Mit regelmäßigem Content zum Thema und Angeboten versucht das Unternehmen, Luxus für alle salonfähig zu machen.

Im Interview mit watson erklärt Gründer Moritz Lindner, warum ein bisschen Luxus für jede:n wichtig ist und Massentourismus in diesem Zusammenhang sogar etwas Gutes.

Moritz Lindner
Moritz Lindnernull / SABRINA WAGNER BERLIN

Watson: Was war die ursprüngliche Mission hinter Reisetopia?

Moritz Lindner: Die richtige Mission kam Ende 2018, als wir gesehen haben, dass das Thema Luxusreisen wirklich viele Leute interessiert. Unser Motto ist "Luxusreisen zugänglicher machen" – damit eben nicht nur "die da oben" oder die ganz Reichen das genießen können, sondern eine Mehrheit die Chance auf Luxusreisen hat.

Wie definiert man denn eine Luxusreise?

Da haben wir manchmal auch Schwierigkeiten, das abzugrenzen. Es gibt beim Empfinden von Luxus unterschiedliche Zielgruppen. Bei uns ist ein Luxushotel zum Beispiel nicht nur das klassische Adlon, sondern auch ein Lifestyle-Hotel wie das 25hours. Das ist kein klassisches Luxushotel mit weißen Handschuhen, aber du hast ein bequemes Bett in einem stilvollen Zimmer mit schickem Bad, tollem Frühstück und gutem Service. Wir wollen einen breiten Luxusbegriff etablieren, der dafür sorgt, dass sich auch wirklich die breite Bevölkerung, also die Mittelschicht, abgeholt fühlt und sagt "Hey, für ein Wochenende kann ich mir sowas auch mal leisten". Das ist nicht diese Art von Luxus, wo es nur um Privatjets, Jachten und unbezahlbare Hotels geht.

In welchem preislichen Bereich bewegt sich das?

In Deutschland sind die günstigsten Hotels im Bereich von 150 Euro die Nacht angesiedelt. Das sind keine verrückten Summen, teilweise würde man das auch in einem Motel One bezahlen. Aber es kommt natürlich darauf an, in welchem Land wir uns befinden. Denn die gleiche Qualität, die wir aus Deutschland kennen, kostet je nach Land entweder deutlich mehr oder deutlich weniger.

Welches Land ist bei Luxusreisen denn am günstigsten?

Wenn wir jetzt von Paris sprechen, beginnen die Preise eher bei 350 Euro. Dafür kostet in Indonesien manches Zimmer nur 75 Euro die Nacht. Da würde man ersten Moment sagen "Das ist Luxus, den ich mir leisten kann". Wir wollen davon weg, dass die Leute den Luxus-Begriff als etwas wahrnehmen, was eine andere Welt ist, was sie sich nicht leisten können. Vielleicht nicht immer für jeden Urlaub und vielleicht auch nicht immer für zehn Nächte. Aber es ist tatsächlich möglich, das alles zu erleben, wenn man nur ein bisschen Zeit investiert, etwa für eine kluge Buchungsstrategie oder durch die richtige Kreditkarte.

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Wir befinden uns aktuell in einer von Krisen geprägten Zeit. Wie viele Leute können sich da noch eine Luxusreise leisten?

Bei der Inflation haben wir schon gemerkt, dass die Leute das Geld eher zusammengehalten haben. Das hat sich aber mittlerweile wieder ausgeglichen. Man muss im Luxussegment festhalten, dass die Inflation in dieser Zielgruppe eine weniger wichtige Rolle spielt. Wir haben diesen Effekt zwar leicht gesehen, aber das hat sich relativ schnell wieder erholt. Bis heute sind die Leute immer noch bereit, deutlich mehr Geld für Reisen auszugeben als etwa vor der Pandemie. Gerade dadurch, dass die Leute sich nach der Pandemie auch etwas Schöneres gegönnt haben, sind sie jetzt in der Situation, dass sie nicht mehr zurück wollen. Wer etwa einmal Business-Class geflogen ist, tut sich wahnsinnig schwer, wieder Economy-Class zu fliegen.

Gerade auf Tiktok und Instagram sieht man mittlerweile viel Reiseinspiration, auch im höherpreisigen Segment. Wie geht ihr damit um, dass sich Tourismus oft auf einige bestimmte Orte fokussiert?

Social Media ist definitiv ein Bereich für uns, denn wir sehen rund um Luxusreisen großes Interesse von jüngeren Leuten. Und gerade Luxusreisen sind etwas sehr Visuelles, wo der Eindruck von "das will ich auch machen" eine große Rolle spielt. Aber das ist eben auch immer das, was am meisten hervorgehoben wird. Für uns ist es deshalb wichtig, ein breites Spektrum an Destinationen anzubieten, da zeigt sich dann auch die Macht des Marktes. Ich habe vorhin davon gesprochen, Luxusreisen zugänglicher zu machen und das passiert auch dadurch, dass man als Reisender eher weniger populäre Destinationen ansteuert. Bei Flügen ist das ähnlich: Zu den besonders bekannten Destinationen ist es immer teurer.

Fördert man damit nicht wiederum einen gewissen Massentourismus hin zu neuen Orten?

Das ist dann die philosophische Grundfrage, ob Tourismus grundsätzlich einen positiven oder negativen Impact auf die jeweilige Community hat. Das Bild, dass Touristenströme langfristig eher negative Faktoren spürbar machen, ist für mich nicht stimmig. Die Menschen in den meisten Regionen profitieren rein von der makroökonomischen Ebene stark vom Tourismus. Das ist in den meisten Ländern und Regionen auch der Grund dafür, warum man Tourismus überhaupt fördert. Und wenn man in einer Region versucht den Tourismus weiterzuentwickeln, passiert das meistens auch im Konsens mit der lokalen Bevölkerung. Die von Overtourism betroffenen Regionen sind in ihren Ländern oft auch die reichsten.

Das heißt, man sollte keine weiteren Maßnahmen treffen?

Natürlich gibt es immer Gewinner und Verlierer. Aber es gibt schon einen Grund, warum die meisten touristischen Destinationen nur halbherzige Maßnahmen gegen Massentourismus ergreifen und andere Regionen auch alles daransetzen, um mehr Touristen zu bekommen. Da ist nur die Frage, wo der Kipppunkt ist, dass mein Lebensstandard deutlich gestiegen ist, aber ich selbst nichts mehr davon habe.

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