Leben
Interview

Moderatorin Mona Buruncuk bewundert Cathy Hummels für besondere Fähigkeit

Mona Buruncuk
Mona Buruncuk hat nicht vor, sich von Hatern kleinmachen zu lassen. Bild: privat
Interview

"Du Ossi-Bitch!" – Moderatorin Mona Buruncuk trotzt Bodyshaming und Hass

20.05.2023, 12:44
Mehr «Leben»

Hass, Hass und noch mehr Hass. Eigentlich finden wir ihn alle doof und sind uns einig, dass es weniger davon auf der Welt geben sollte. Dennoch finden sich in sozialen Netzwerken immer wieder böse Kommentare und unnötige Beleidigungen, die kein Mensch braucht und doch irgendjemand verfasst.

Besonders intensiv prasselt er auf Frauen nieder, die ihren Körper zeigen und damit polarisieren. Die landläufige Meinung scheint zu sein: Wer sich im Bikini postet, dem darf ich mal erzählen, was ich an seinem Körper zu bemängeln habe, besonders wenn es sich um einen Promi handelt. Die wollen schließlich Aufmerksamkeit – oder?

Erlebt hat dieses Phänomen auch Mona Buruncuk. Das Bodyshaming, sagt sie, nehme krasse Formen an. Im Gespräch mit watson spricht die Moderatorin über Ossi-Beleidigungen, frustrierte Hater und die Kraft des Humors.

watson: Du kassierst online oft Hate. Was erreicht dich da?

Mona Buruncuk: Ich bekomme leider immer wieder Nachrichten von Menschen, die mich aufgrund meines Körpers beleidigen und ich finde es enttäuschend, dass wir in so einer Gesellschaft leben. Die schreiben zum Beispiel: "Du bist zu klein, zu dick, du hast einen fetten Po, hässliche Stampfer ..."

Tut dir das weh?

Jeder Mensch hat Gefühle und mir würde wohl keiner glauben, wenn ich sage, das triggert mich überhaupt nicht. Wenn Hassnachrichten oder Dick Pics kommen, das macht schon was mit einem. Aber ich will mich davon nicht verletzen lassen. Ich habe mich ehrlich damit arrangiert. Wenn der Kommentar zweideutig ist, antworte ich was Witziges, aber wenn es reiner Hass ist, dann schicke ich im Geiste Liebe und Frieden nach draußen und denke mir – wahrscheinlich hat dieser Mensch das gerade nötig, denn irgendwas in seinem Leben läuft gerade ganz bescheiden.

"Irgendwas an meinem Körper scheint diese Leute aufzuregen."

Was meinst du, steckt dahinter?

Vielleicht fühlen die sich nicht wohl, sind neidisch. Vielleicht scheitert der Hater gerade in einer Abnehmphase oder mag die eigenen Brüste nicht, vielleicht ist er gerade verletzt und frustriert. Ich weiß es nicht. Aber irgendwas an meinem Körper scheint all diese Leute aufzuregen. Ich bin nun mal keine Größe 32/34 und da ist das Bodyshaming schon häufig.

Beziehen sich alle Kommentare auf deinen Körper?

Im weitesten Sinne ja, aber oft in Verbindung mit anderen Themen. Mich erreichen zum Beispiel sexuell übergriffige Nachrichten, aber auch blöde Sprüche, weil ich aus Brandenburg komme: "Zieh dich mal ordentlich an!", "Was hat denn deine Mutter da auf die Welt gebracht?", "Du Schlampe", "Du Bitch", "Du Ossi-Bitch". Es sind schon schlimme Sachen dabei.

Autsch! Was machst du mit solchen Beleidigungen?

Ich lösche die. Ich will nicht nur mich schützen, sondern auch meine Community. Social Media sollte doch ein Ort sein, wo man sich stärkt und feiert und stolz zeigen kann, wofür man einsteht und was man im Leben geschafft hat. Keine Frau sollte sich zaghaft zurückhalten müssen, nur weil so viel Hass kommt. Ich fühle mich da so ein bisschen als Mutti, die anderen Mut machen will, sich genauso zu zeigen, wie man ist.

"Das ist doch Menschen-Einmaleins: Lache niemanden aus, demütige niemanden."

Du hast aber auch Schönheitsoperationen machen lassen.

Ich hatte meine asymmetrischen Brüste operieren lassen und dann ein Pfusch-Implantat drin, das entfernt werden musste. Diese Brust-OP habe ich medial begleiten lassen und da kamen übrigens sehr liebe Nachrichten, dass es toll sei, dass ich so transparent bin. Aber natürlich unken andere auch da: "Wieder größere Brüste für mehr Aufmerksamkeit." Ich finde extreme, operative Veränderungen auch nicht so schön, aber selbst wenn: Niemand hat das Recht jemanden für Entscheidungen an seinem EIGENEN Körper zu beschimpfen.

Ich vermute, solche Beleidigungen brüllt dir keiner direkt ins Gesicht?

Doch! Das ist auch schon passiert am roten Teppich. Böse Kommentare, Augenrollen und Missgunst. Meine beste Freundin, die ich oft dabei habe, sagte einmal: "Ach Mona, gut, dass du gar nicht alles mitbekommst, was hier so abgeht."

Neu: dein Watson-Update
Jetzt nur auf Instagram: dein watson-Update! Hier findest du unseren Broadcast-Channel, in dem wir dich mit den watson-Highlights versorgen. Und zwar nur einmal pro Tag – kein Spam und kein Blabla, versprochen! Probiert es jetzt aus. Und folgt uns natürlich gerne hier auch auf Instagram.

Seltsam.

Sehr. Warum sich die Leute überhaupt so über den Körper einer anderen Person aufregen, werde ich wohl nie verstehen. Ich denke da echt manchmal: Chillt doch mal euer Leben! Ich muss auch nicht jeden lieben, aber respektieren, das ist doch Menschen-Einmaleins: Lache niemanden aus, demütige niemanden. Leben und leben lassen.

Würde es dich interessieren, wer deine Hater sind?

Also ich würde mich auf ein Treffen einlassen, wenn sich das ergeben würde. Aus Spaß wird ja immer gesagt, die Hater sitzen selbst frustriert mit Cola und Chips in der Ecke, aber ich denke, da steckt vielleicht noch mehr dahinter. Hass verrät ja oft mehr über den Absender als über den Empfänger.

"Bald ziehe ich mich einfach mal ganz nackt aus, mit meinem 'fetten Po' und der Orangenhaut – extra für dich!"

Was würdest du den Hatern denn gerne sagen?

Ich möchte Menschen dazu bewegen auf ihr eigenes Leben zu schauen, sich abzuregen, Liebe zuzulassen. Vielleicht fühlt man sich selbst kurz besser, wenn man jemanden anderen beleidigt. Aber langfristig fühlt man sich erst dann glücklicher, wenn man die Energie in etwas hineinsteckt, was schön ist, was einen voranbringt. Das wäre eine Win-Win-Situation.

Eine Friedensbotschaft also?

Absolut. Je nach Tagesform denke ich bei so Kommentaren wie "hässliche Stampfer" aber auch: "Aha, du magst meinen Körper nicht? Na warte mal ab, was du davon hast. Bald ziehe ich mich einfach mal ganz nackt aus, mit meinem 'fetten Po' und der Orangenhaut – extra für dich!" Humor hilft.

Nicht alle können das so wegstecken.

Gerade deshalb ist das Thema so wichtig. Hasskommentare treffen nicht nur Personen öffentlichen Lebens, sondern auch Privatpersonen und einige nimmt das echt mit. Ich hoffe, die Betroffenen wissen, dass sie mit solchem Hate nicht alleine sind und holen sich Hilfe im Gespräch mit Freunden oder Psychologen, bevor es zu arg wird und sie sich in die Isolation oder den Alkohol flüchten. Das passiert ja alles durchaus. Ich bin seit zwei Jahren Botschafterin bei "Stoppt Mobbing" und ich finde es wichtig, dass die Leute mit Hass nicht alleine gelassen werden: Egal, ob sie jetzt Lisa Müller heißen...

...oder Cathy Hummels.

Ja. Die trifft es auch immer. Sie geht damit aber bewundernswert proaktiv um. Viele Menschen können hingegen gar nicht darüber sprechen, trauen sich nicht oder haben Angst etwas Falsches zu sagen. Für die muss man die Stimme erheben, damit auch die Politik hört: Ihr müsst gegen Mobbing etwas tun. Es müssen Möglichkeiten geschaffen werden, um Hater in sozialen Netzwerken in Schach zu halten und in krassen Fällen, wie Stalking oder Bedrohung, strafrechtlich festzunageln.

"Scheißt darauf, was die Leute denken!"

Da müssten Entscheider ran. Was glaubst du denn, ist deine ganz persönliche Aufgabe in der Sache?

Ich glaube, der da oben hat mich auf die Erde fallen lassen, mit einer Message an alle Verzagten und Mutlosen, an Frauen mit Dellen in den Beinen und gesundem Appetit und die lautet: "Scheißt darauf, was die Leute denken!" Jeder Mensch soll sich frei entfalten dürfen und dabei unterstützt werden. Es gibt eine Gemeinschaft von tollen Menschen da draußen, die Seite an Seite stehen und Hatern mit Liebe und positiver Energie begegnen. Das ist die einzige Sprache, zu der denen nichts mehr einfällt.

Staatliche Dating-App: Japans Regierung verkuppelt jetzt Singles

Alt, älter, Japan: keine Industrienation der Welt altert so schnell wie das Land der aufgehenden Sonne. Derzeit beträgt die Lebenserwartung bei Japanerinnen rund 87 Jahre, bei Männern rund 81 Jahre.

Zur Story