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Bild: iStockphoto / Chinnapong

Meinung

Hartz-IV-Satz steigt um 14 Euro an: Warum das viel ist – und immer noch zu wenig

Es ist eine Erhöhung, mit der wohl niemand in dieser Form gerechnet hätte: Anstatt 7 Euro mehr pro Monat erwarten alleinstehende Bezieher von Arbeitslosengeld II bald 14 Euro mehr, das ergibt 446 Euro monatlich. In Kraft treten wird der neue Regelsatz ab 2021. Zudem werden, wie bisher, weiterhin die Wohn- und Heizkosten vom Jobcenter übernommen – in welcher Höhe, hängt von regionalen Kriterien ab.

Dass der Hartz-IV-Satz, wie er umgangssprachlich genannt wird, jährlich erhöht wird, ist üblich. Berechnet werden die ausgezahlten Gelder anhand von stichprobenartig ausgewählten Haushalten regelmäßig neu, um Preiserhöhungen in den alltäglichen Lebenskosten aufzufangen.

Auch wenn die Erhöhung des Hartz-IV-Satzes größer ausgefallen ist als ursprünglich geplant – ein wirklich riesige Summe ist das hierzulande nicht. Wer keine finanziellen Sorgen leidet, möchte sich an dieser Stelle vielleicht noch einmal bewusst machen, was die Summe 14 Euro bedeutet und wie weit man damit im Alltag so kommt.

14 Euro...

Als ich mit 18 Jahren selbst acht Monate lang von Hartz IV leben musste, sind mir 14 Euro extrem viel vorgekommen – oder zumindest als eine Summe, die man nicht leichtfertig an einem Tag ausgibt. Damals sind meine Eltern, die ebenfalls von Hartz IV lebten, nach Essen gezogen, weil dort ein neuer Job in Aussicht stand. Ich bin allein in Düsseldorf geblieben, um mein Abitur fertig zu machen, und musste mit Hartz IV überbrücken, bis mein Schüler-Bafög-Antrag durch war.

Aufgrund eines Missverständnisses, dass ich heute nicht mehr nachvollziehen kann und vermutlich auch damals nicht wirklich verstanden habe, hat das Jobcenter zwei Monate lang lediglich die Miete meiner kleinen Wohnung übernommen, mir allerdings nicht den Satz ausgezahlt, den ich zum alltäglichen Leben gebraucht hätte. Ich hatte für die zwei Monate jeweils 30 Euro übrig.

14 Euro hätten zu diesem Zeitpunkt für mich damals bedeutet, dass ich mein Budget für den Monat fast vereineinhalbfacht hätte. Auch 44 Euro wären eine lächerliche Summer gewesen, um davon Nahrung, Kosmetika und Medikamente zu kaufen. Aber es wäre eine Hilfe gewesen.

Die Erhöhung des Hartz-IV-Satzes kann ganz schön viel sein – und ganz schön wenig

Geklappt hat im Endeffekt alles. Nach mehreren Gesprächen mit dem Jobcenter und einem recht tränenreichen Ausbruch vor einem Sachbearbeiter meinerseits, als auch im dritten Monat in Folge lediglich die Miete überwiesen worden war, wurde mir der gesamte Satz ausbezahlt. Monate später kam auch das Schüler-Bafög und es stellte sich so etwas wie ein finanzielle Regelmäßigkeit ein. Ich konnte studieren, ich habe einen Job – und gebe nicht selten allein beim Mittagessen 14 Euro aus, ohne, dass ich es wirklich merken würde.

14 Euro können also ganz schön viel sein – und ganz schön wenig. Ja, die Erhöhung des Satzes ist nun ein überraschender Sprung. Angesichts der Tatsache, dass der Satz nun immer noch nur bei 446 Euro monatlich liegt, ist das wenig. Dass andere Menschen ohne nachzudenken an einem Tag 14 Euro oder auch mehr ausgeben, zeigt, wie klein diese Summe in der Lebensrealität ist. Mangelnde Jobperspektiven, die Aussicht, durch die langjährige Arbeitslosigkeit an sozialer Teilhabe zu verlieren oder an den gesellschaftlichen Rand gedrängt zu werden entschuldigen auch 14 Euro mehr pro Monat nicht. Denn wer erst einmal in Hartz IV landet, hat nicht unbedingt viele Chancen, wieder einen geregelten Vollzeitjob zu finden: Eine Statistik der Bundesagentur für Arbeit von 2019 zeigt, dass jeder fünfte Hartz-IV-Empfänger die sozialen Leistungen zehn Jahre oder länger bezieht.

Wichtiger wäre es, Hartz-IV-Empfänger zusätzlich zu unterstützen

Sicherlich kann eine Erhöhung des Hartz-IV-Satzes viele Menschen unterstützen. Sie kann aber keine dauerhafte Lösung darstellen, um den fast vier Millionen Langzeitarbeitslosen hierzulande zu helfen. Wichtiger wäre es, die Freibeträge zu erhöhen und Hartz-IV-Empfängern so das Gefühl der Selbstermächtigung wiederzugeben, das mit der Arbeitslosigkeit verloren geht. Momentan dürfen Bezieher von ALG II lediglich 120 Euro zu ihrem monatlichen Satz hinzuverdienen, der Rest wird ihrem Satz angerechnet.

Wer den Eindruck bekommt, seine 14 Euro wieder selbst verdienen zu dürfen, und das möglichst verbunden mit Fortbildungen und einem Arbeitsumfeld, das frei von Stigmatisierung ist, wird vermutlich eher fähig sein, diese Chance auch wahrzunehmen.

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