ARCHIV - 28.09.2022, Sachsen, Dresden: Eine S-Bahn der Deutschen Bahn fährt an einem Bahnsteig im Hauptbahnhof. Das geplante 49-Euro-Ticket für den Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) ist aus Sicht ...
Ab 1. Januar 2023 soll das bundesweite 49-Euro-Ticket gelten.Bild: dpa / Sebastian Kahnert
Mobilität & Verkehr

49-Euro-Ticket: Was bisher bekannt ist und wo es noch Fragen gibt

14.10.2022, 13:48

Nach dem beliebten Neun-Euro-Ticket im Sommer haben sich zahlreiche Menschen ein ähnliches Modell gewünscht. Schließlich erhöhen Inflation und Energiekrise die finanziellen Schwierigkeiten vieler Haushalte in Deutschland. Nach Auslaufen des Vorgängers stand somit schnell fest: Ein Nachfolge-Ticket soll kommen. Wie genau das aussieht, wurde diesen Mittwoch und Donnerstag auf der Verkehrsministerkonferenz besprochen.

Allerdings hat das Vorhaben mehrere Haken. Und: Es gibt viele unbeantwortete Fragen. Ein Überblick.

Was steht bereits fest?

Das neue Ticket soll 49 Euro kosten und wird für den 1. Januar 2023 angestrebt. Es ist laut Verkehrsminister Volker Wissing (FDP) nur im Abonnement verfügbar, aber jederzeit kündbar. Aufs Jahr gerechnet kostet es also – bei 49 Euro pro Monat – 588 Euro. Ob es "Klimaticket Deutschland" oder "Deutschlandticket" heißt, ist bisher noch nicht ganz klar, wie "Bild" berichtet.

Das künftige Angebot solle "genauso unkompliziert" sein wie das Neun-Euro-Ticket, versicherte Wissing. Es werde analog ebenso wie digital verfügbar sein. Außerdem sei es durch das Angebot im Abo-Modell nur personalisiert erhältlich, sodass es nicht übertragbar sei. Klar ist: Die Mitnahme von Kindern bis zu sechs Jahren ist damit bundesweit kostenlos.

Das neue Ticket wurde nicht für einen bestimmten Zeitraum beschlossen. Ziel ist es, das Angebot dauerhaft beizubehalten. Allerdings werde es eventuell noch einmal "optimiert", wie aus dem Beschlusspapier hervorgeht.

Laut Bremens Senatorin Maike Schaefer (Grüne), die auch die Vorsitzende der Länder-Ressortchefs ist, seien nun technische und inhaltliche Fragen geklärt, sodass mit Vorbereitungen für die Umsetzung angefangen werden könne.

Welche Fragen bleiben noch offen?

Das neue 49-Euro-Ticket ist ein enormer finanzieller Kraftakt für Bund und Länder. Die Gesamtkosten belaufen sich auf ungefähr drei Milliarden Euro, heißt es im Papier. Bundesminister Volker Wissing (FDP) sagte, man sei jetzt "einen entscheidenden Schritt weitergekommen". Trotzdem gibt es noch offene Fragen zur Finanzierung.

1,5 Milliarden Euro will die Ampel für das Ticket bereitstellen – wenn sich die Länder in gleicher Höhe beteiligen. Die Länder fordern im Gegenzug vom Bund einen Finanzierungsplan zum Ausbau des öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV), vor allem im ländlichen Raum.

Heißt konkret: Sie machen zur Bedingung, dass der Bund auch dauerhaft mehr Geld gibt, mit dem sie Busse und Bahnen bestellen – in diesem Jahr sind es 9,4 Milliarden solcher Regionalisierungsmittel, dazu eine Milliarde Euro aus einem anderen Topf. Die Länder warnen, dass wegen hoher Energiekosten und Einbußen durch die Corona-Krise ansonsten Angebote gekürzt werden müssten. "Es nutzt das schönste Ticket nichts, wenn kein Bus fährt", machte Schaefer klar.

Bundesländer mit Sonderweg: Berlin prescht vor

Einige Bundesländer befürworteten statt eines Festpreises von 49 Euro ein Ticket zum Preis von 69 Euro als Abo und 29 Euro für Studierende und Schüler:innen beziehungsweise als Sozialticket. Hier liege "der Fokus auf Stadt-Regional-Verkehre und Kundenbindung bei jungen Menschen sowie bei Entlastung einkommensschwacher Kundengruppen". Klar ist: Je nach Bundesland wird es weiterhin Tickets für kürzere Zeiträume als Probe-Abo und als Monatsticket geben.

Berlin hat etwa bereits angekündigt, einen Sonderweg zu gehen.

So hat die Verkehrssenatorin Bettina Jarasch (Grüne) noch am Donnerstag von einem differenzierteren Modell für die Hauptstadt gesprochen. "In Berlin gibt es viele Menschen, die 49 Euro im Monat nicht aufbringen können", teilte Jarasch mit. "Daher werde ich ein Konzept erarbeiten, wie wir in Berlin das 49-Euro-Ticket nutzen, um sozial gestaffelte Angebote einzuführen, die dann auch bundesweit gelten."

Auch die Regierende Bürgermeisterin Franziska Giffey will eine weitergehende Regelung in der Hauptstadt. "Für Berlin bleibt weiterhin eine soziale Staffelung unser Ziel: Bus und Bahn für nicht mehr als einen Euro pro Tag", sagte die SPD-Politikerin.

So umweltfreundlich ist das Ticket-Abo

Das geplante 49-Euro-Ticket sei "gut für den Klimaschutz und wichtig für die soziale Gerechtigkeit", sagte die Vorsitzende der Grünen-Bundestagsfraktion, Katharina Dröge. Drängend sei jetzt eine schnelle Einigung zur Finanzierung des öffentlichen Nahverkehrs insgesamt. Auch sie betonte: "Der Ausbau von Bus und Bahn muss neben erschwinglichen Tickets vorangehen."

Auch der Startpreis von 49 Euro führe laut dem Papier "zu einem hohen Anteil von Neukunden und hat eine hohe Klimawirkung, da aufgrund des attraktiven Preises eine optimale Wirkung hinsichtlich des Wechsels vom Auto auf den ÖPNV und somit eine hohe CO2-Minderung erreicht wird".

Kritik lässt nicht auf sich warten

Das geplante Ticket gerät auch in die Kritik. So wird etwa das Abo-Modell kritisiert. Aus Sicht einiger Verbraucher sei das Ticket dadurch eher ein 588-Euro-Ticket statt ein 49-Euro-Ticket. Das ist so allerdings nicht ganz richtig, da es je nach Bedarf monatlich kündbar sein soll.

Aber: Auch aus Sicht des Fahrgastverbands Pro Bahn für einkommensschwache Menschen, sei es nach wie vor zu teuer. "Das Prinzip Gießkanne wird damit nicht durchbrochen", sagte der Pro-Bahn-Ehrenvorsitzende Karl-Peter Naumann der Deutschen Presse-Agentur. "Wir bräuchten für diese Menschen [Einkommensschwächere, Anm. d. Red.] ein günstigeres Angebot." Generell seien die Verkehrsbedürfnisse zu komplex, als dass sie mit einer einzigen Antwort wie dem 49-Euro-Ticket beantwortet werden könnten, betonte Naumann.

Verkehrsbranche fordert Einigung zu Finanzfragen

Der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) warnt vor einem Hinauszögern einer finalen Einigung: "Wir laufen Gefahr, dass wir massiv und flächendeckend Angebote im ÖPNV einstellen müssen, weil sie wegen der Kostensteigerungen nicht mehr finanzierbar sind", sagt etwa VDV-Hauptgeschäftsführer Oliver Wolff.

Ähnlich sieht es Brandenburgs Verkehrsminister Guido Beermann (CDU). Er hält ein Nachfolgeangebot für das 9-Euro-Ticket ohne Zusagen des Bundes für mehr Geld im Nahverkehr nicht für machbar. "Die derzeitigen Energiepreissteigerungen reißen ein erhebliches Loch in die Kassen der Verkehrsunternehmen. Ein verbilligtes Ticket wird es weiter vergrößern", sagte Beermann.

Der Autofahrerclub ADAC zeigte sich ebenfalls enttäuscht darüber, dass sich Bund und Länder noch nicht final über das Nachfolgemodell einigen konnten.

Kritik kam auch von Umweltverbänden. Jens Hilgenberg, Verkehrsexperte beim Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland, sagte: "Das 49-Euro-Ticket ist vor allem eine Kompromisslösung. Für breite Teile der Bevölkerung wird dieses Ticket schlichtweg zu teuer sein."

(mit Material von dpa)

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