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Rear view of woman giving christmas present her friend

Von Geschenkpapier bis Tannenbaum: Es gibt viele Möglichkeiten, das Weihnachtsfest nachhaltig zu gestalten Bild: iStock / Getty Images Plus gpointstudio

Früher war mehr Lametta: So feierst du Weihnachten nachhaltig

Wie jedes Jahr steht das Weihnachtsfest plötzlich vor der Tür und mit ihm das schlechte Gewissen. Das Fest der Liebe hat sich längst zum Fest des Konsums entwickelt: Durchschnittlich 475 Euro werden in Deutschland pro Kopf für Weihnachtsgeschenke ausgegeben. Neben den Ausgaben wächst auch der Müllberg, der laut Schätzungen in der Weihnachtszeit um knapp 20 Prozent zunimmt.

In Zeiten, in denen jeden Freitag hunderttausende Kinder weltweit für eine sichere Zukunft demonstrieren und das EU-Parlament den Klimanotstand ausruft, erhält die Weihnachtszeit für viele einen faden Beigeschmack. Doch das muss nicht sein – schließlich kommt es darauf an, wie man feiert und konsumiert.

Im Interview mit Watson erklären Ökofluencerin Franzi Schädel und Jenni vom Nachhaltigkeits-Blog „Mehr als Grünzeug“, wie man die Feiertage nachhaltiger gestalten kann.

Geschenke: Reden statt raten

Die passende Geschenke zu finden stellt dich vor große Herausforderungen? Damit bist du nicht allein. Viele kaufen auf den letzten Drücker, um aus Höflichkeit etwas überreichen zu können. Oft landen die Sachen im Müll, hinten im Schrank oder werden zurückgeschickt – nachhaltig ist das nicht. Ökofluencerin Franzi rät deshalb, nur Dinge zu verschenken, die gebraucht werden.

"Wunschzettel sind eine super Idee, auch wenn man schon aus dem Kindesalter herausgewachsen ist."

Ökofluencerin Franzi

Ihr Tipp: Frag gezielt nach, was sich die anderen wünschen und kommuniziere, was du brauchst. Eine weitere Möglichkeit ist es, selbst Kosmetik herzustellen oder eine eigene Backmischung zu kreieren, erklärt Bloggerin Jenni. Ihr Geheim-Tipp: Online-Shops wie “Mit Ecken und Kanten”. Dort werden öko-faire Produkte zu günstigen Preisen verkauft, weil sie kleine Makel haben oder aus alten Kollektionen stammen.

Das nachhaltigste Geschenk ist und bleibt allerdings Zeit, da sind sich beide Expertinnen einig. Über Gutscheine für einen Ausflug oder ein Abendessen freut sich jeder. Denn gerade im stressigen Alltag kommt die gemeinsame Zeit oft zu kurz.

Verpacken: Bye bye Geschenkpapier

In Zukunft kannst du guten Gewissens an den Ständern mit buntem Geschenkpapier vorbeigehen, denn: Ohne es zu wissen hast du bereits fast alles zuhause, was du zum Verpacken brauchst.

„Ich sammeln das ganze Jahr über Papier, das in Paketen mitgeliefert wird oder Zeitungspapier. Eine weitere Möglichkeit zum Verpacken sind schöne Seiten aus Zeitschriften oder Büchern, die wir sowieso überall daheim rumliegen haben.“

Franzi Schädel

Weitere nachhaltige Alternativen zu Geschenkpapier sind Schuhkartons, Wachspapier, Einmachgläser oder Brotdosen, erklärt Ökofluencerin Franzi. Du kannst ein Geschenk auch im Geschenk verpacken, indem du beispielsweise ein Buch in einem Schal einwickelst. Außerdem empfiehlt die Expertin Papierkleband oder wiederverwendbares Juteband statt Tesafilm zu verwenden.

Weihnachtsbaum: Ein Wald voller Alternativen

Er ist das Symbol für besinnliche Festtage: der Weihnachtsbaum. Doch seien wir ehrlich, sinnvoll ist das Abholzen von Bäumen zum kurzfristigen Vergnügen nicht. Deshalb gibt es Alternativen wie Leih-Tannenbäume oder Tannenbäume im Topf, die wieder eingepflanzt werden können.

Du solltest aber dennoch skeptisch bleiben und dich gut informieren, rät Expertin Jenni: "Bei den vermeintlich nachhaltigen Alternativen wird oft Greenwashing betrieben."

Wenn die Tannenbäume nicht im Topf, sondern im Freien aufwachsen und erst kurz vor Verkaufsstart umgetopft werden, nehmen die Wurzeln oft Schaden und der Baum stirbt.

"Frag dich: Brauche ich wirklich einen Baum oder kann ich mir die weihnachtliche Stimmung auch anders nach Hause holen?"

Nachhaltigkeits-Bloggerin Jenni

Jennis Tipp: Möchtest du wirklich nachhaltig feiern, solltest du dir statt einem Baum lieber Tannenzweigen holen und diese mit Lichterketten oder Stechpalmen schmücken. Das sieht nicht weniger festlich aus – hat aber keinem Baum das Leben gekostet.

Dekoration: Ein Waldspaziergang genügt

Je ungemütlicher es draußen wird, desto gemütlicher wird es drinnen. Für dich ist die Weihnachtszeit nicht ohne eine besinnliche Dekoration denkbar? Kein Problem, denn auch hier gibt es nachhaltige Alternativen zum Kauf von neuen Sachen.

„Natürliche Deko-Elemente sammle ich auf gemütlichen Winterspaziergängen – zum Beispiel Tannenzapfen, Tannengrün oder Hagebuttenzweige. An einem gemütlichen Abend kann man daraus Dekoration basteln – man nimmt sich sowieso zu wenig Zeit, um kreativ zu sein. Das ist eine schöne Abwechslung in der oft stressigen Weihnachtszeit.“

Ökofluencerin Franzi

Du kannst auch in Second-Hand-Läden schauen oder Freunde und Familie fragen, ob sie Deko übrig haben. Ein weiterer Tipp von Franzi: Du kannst alte Dinge mit einfachen Mitteln aufhübschen. „Meinen Adventskranz habe ich auf dem Flohmarkt gefunden und golden angesprüht."

Was an Weihnachten nicht fehlen darf: Kerzen. Leider werden sie meist aus Hartparaffin produziert – einem Nebenprodukt, das beim Raffinieren von Erdöl entsteht. Ökofluencerin Franzi setzt deshalb auf den sparsamen Einsatz von umweltschonenden Kerzen aus Bio-Masse oder Bienenwachs.

Essen: Humus statt Hackbraten

An Weihnachten wird der Esstisch zum zentralen Element: Stundenlang sitzt du mit deinen Liebsten zusammen, isst und plauderst. Dabei treffen verschiedene Geschmäcker aufeinander – und Generationen. Während für deine Eltern sowie Großeltern der Braten zum Fest dazugehören, bist du vielleicht auf eine fleischfreie Ernährung umgestiegen.

“Wichtig ist, dass keinem für seine Ernährungsweise Vorwürfe gemacht werden – egal ob Fleischesser oder Veganer. Wenn sich jemand für seine Lebensweise angegriffen fühlt, kann die besinnliche Stimmung schnell kippen. Es gilt: kommunizieren statt kritisieren.”

Nachhaltigkeits-Bloggerin Jenni

Ein nachhaltiges Weihnachtsessen besteht aus möglichst wenig tierischen Produkten. Es gibt viele alternative Rezepte wie etwa veganen Linsenbraten. Doch du solltest akzeptieren, wenn deine Familie es traditionell hält. Bloggerin Jenni rät, zum Weihnachtsdinner selbst mitzubringen, was du gerne isst und vielen anderen schmeckt. “Du kannst die Speisen mit auf den Tisch stellen und die anderen einladen, zu probieren. Dadurch entlastet du zudem deine Großeltern oder Eltern beim Kochen."

Outfit: Denk über Weihnachten hinaus

Machen wir uns nichts vor: An den Festtagen putzen wir uns gerne für unsere Liebsten raus. Bevor du allerdings direkt in das nächste Geschäft stürmst, solltest du zunächst deinen Kleiderschrank durchsuchen – oft hast du schon das perfekte Outfit parat. Ein Tipp von Ökofluencerin Franzi: „Du kannst Kleidung, die du bereits besitzt, festlich herrichten".

Wenn du zuhause nicht fündig wirst, rät die Expertin in Second-Hand-Läden zu schauen oder im Kleiderschrank von Freunden zu stöbern. "Wenn du dennoch nicht darauf verzichten magst, dir etwas Neues zu kaufen, sollte es ein nachhaltiges Outfit sein, dass du auch den Rest des Jahres tragen würdest.“

Kommunikation und Geduld sind das Wichtigste

Nachhaltig Weihnachten feiern ist also nicht schwer, solange du offen darüber sprichst. Rede im Vorfeld mit deinen Liebsten über deine Vorstellungen: Sag, dass sie deine Geschenke nicht in Geschenkpapier verpacken sollen, du veganes Essen beisteuerst und dir eine Alternative zum Tannenbaum wünschst. Frage Freunde und Familie, was sie brauchen und sag ihnen, was auf deinem Wunschzettel steht.

Doch sei nicht frustriert, wenn sie nicht direkt jeden Tipp umsetzen – Umdenken braucht Zeit. Sei nicht zu hart mit ihnen. Schließlich ist Weihnachten vor allem eins: das Fest der Liebe.

Sag mir nicht, dass ich nicht nachhaltig genug lebe

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