Die Verbraucherzentrale warnt vor "mehr Schein als Sein", wenn es um als angeblich proteinreich beworbene Produkte geht.
Die Verbraucherzentrale warnt vor "mehr Schein als Sein", wenn es um als angeblich proteinreich beworbene Produkte geht.Bild: dpa-Zentralbild / Sabrina Hentschel
Supermarkt

Verbraucherschutz warnt vor Werbe-Falle bei diesen Produkten im Supermarkt

17.05.2022, 12:47

Wer mit offenen Augen durch den Supermarkt schlendert, wird schnell feststellen, dass viele Produkte in den Regalen mit einem ganz besonders hohen Proteingehalt locken – egal ob Aufstrich, Pudding, Eintopf oder Eiscreme. Was auf den ersten Blick nach einer gesunden Alternative aussieht, ist in vielen Fällen nichts weiter als eine Marketingstrategie.

Denn einige Produkte, die mit ihrem hohen Proteingehalt werben, sind nicht proteinreicher als vergleichbare Lebensmittel ohne solche Werbung. "Die große Vielfalt an Produkten, ihre uneinheitliche Kennzeichnung und letztlich das positive Image des Begriffes 'Protein' machen das Angebot für Verbraucherinnen und Verbraucher unübersichtlich", kritisierte die Verbraucherzentrale Bundesverband im Marktcheck des Projekts Lebensmittelklarheit.

Protein-Produkte oftmals nicht proteinreicher

Mit dem Projekt möchten die Verbraucherzentrale und das Portal "Lebensmittelklarheit" darauf aufmerksam machen, dass "proteinreiche" Lebensmittel zum Teil ähnliche oder gleiche Mengen Protein liefern wie vergleichbare Produkte. "Protein hat ein positives Image. Unternehmen sind sich dessen bewusst und nutzen den Nährstoff für Werbezwecke", kritisierten die Koordinatoren.

Um das zu beweisen, wurden 59 in Supermärkten und Discountern erhältliche Protein-Produkte sowie 57 Vergleichsprodukte in den Marktcheck aufgenommen. Das Ergebnis: 24 Prozent der als besonders eiweißreich beworbenen Produkte hatten keinen oder nur einen minimal höheren Proteingehalt als ein Vergleichsprodukt ohne Proteinwerbung.

Körniger Frischkäse und ein Schokoladen-Pudding mit besonderem Protein-Gehalt. Lebensmittel werden immer öfter mit Protein angereichert. Versprochen werden Fitness, Muskeln und purzelnde Pfunde. Ist d ...
Beschriftungen wie diese können laut Untersuchungen der Verbraucherzentrale, Marketingtäuschungen sein. Bild: dpa / Gregor Tholl

Doch trotz ihres vergleichbaren Eiweißgehaltes sind "Protein"-Lebensmittel in den meisten Fällen deutlich teurer als ihre Konkurrenzprodukte ohne proteinbezogener Werbung: "Jedes fünfte Protein-Produkt war mehr als doppelt so teuer wie das Vergleichsprodukt", berichtete die Verbraucherzentrale Bundesverband.

Supermarkt-Falle: Proteinreich ist nicht gleich gesünder

Durch proteinbezogene Werbung wird ernährungsbewussten Verbrauchern ein besonders gesundes Produkt versprochen – doch nicht alle mit Protein beworbenen Lebensmittel weisen eine günstigere Nährwertzusammensetzung auf. "11 Produkte enthielten zu viel Salz. Neun Produkte zu viel Fett", berichte die Verbraucherzentrale und forderte: "Lebensmittel mit ungünstigen Nährwertprofilen, also zu viel Salz, Zucker oder Fett, sollten nicht mit nährwert- und gesundheitsbezogenen Angaben werben dürfen."

Um das durchzusetzen, solle die Europäische Kommission die Nährwertprofile für die Health-Claims-Verordnung vorlegen und verbindlich machen. In der Verordnung werden europaweit geltende Anforderungen bei der Verwendung gewisser nährwert- und gesundheitsbezogener Angaben festgesetzt.

Täuschungspotential durch nicht vergleichbare Nährwertangaben

Weiter fordert das Projekt "Lebensmittelklarheit" einheitliche, leicht verständliche und vergleichbare Angaben zum genauen Proteingehalt der Produkte. "Wenn der Proteingehalt auf der Schauseite steht und sich auf den gesamten Packungsinhalt bezieht anstatt auf 100 Gramm, kann ein hohes Täuschungspotential bestehen", erklärte die Verbraucherzentrale in einer Pressemitteilung. "Der Proteingehalt kann so im Vergleich zu anderen Produkten deutlich größer erscheinen als er ist."

(fw)

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