Ob Netto Plus, Rewe Bonus oder Lidl Plus – die Bonusprogramme der Supermärkte funktionieren nach dem gleichen Prinzip. Kund:innen können sich über die jeweilige App Rabatte und andere Vergünstigungen sichern, im Gegenzug bekommen die Märkte genaue Einblicke ins Kaufverhalten, zudem versprechen sie sich von den Bonusprogrammen mehr Kund:innenbindung.
Bei Lidl scheint die Rechnung derzeit jedoch nicht aufzugehen – das verrät ein Blick in die Kommentarspalten der App-Stores von Google und Apple, wo es aktuell schlechte Bewertungen hagelt. Auch im Forum von mydealz.de finden sich viele unzufriedene Lidl-Kund:innen. Ihr Urteil: Lidl Plus war mal gut, inzwischen ist es das nicht mehr.
Schuld ist das Juli-Update der Lidl Plus App. Denn damit ist der sogenannte Rabattsammler gestrichen worden, mit dem Kund:innen durch regelmäßige Einkäufe Stufen erklimmen und dafür Gratisartikel oder hochprozentige Coupons erhalten konnten. Zudem gibt es jetzt weniger Gutscheine und kaum noch Gratisprodukte.
Ein Zustand, den viele Kund:innen nicht hinnehmen wollen.
"Anfangs war es eine richtig gute App. Aber neuerdings gibt es keine Gratis-Produkte mehr, sondern nur noch 50 Prozent Rabatt auf Produkte, die niemand braucht", lautet ein Kommentar im App-Store von Apple. "50 Prozent Rabatt auf Bier oder Kondensmilch. Die App wird zusehends uninteressant", heißt es in einem anderen.
"Schlechte Rabatte, aber dafür 100 Prozent Daten abgreifen. Erst locken, dann downgraden", urteilt eine andere Person. "Lidl lohnt sich (nicht mehr)", kommentiert jemand in Anlehnung an Lidls Werbeslogan. Viele schreiben, dass sie die App deinstallieren werden, um dem Discounter eine Lektion zu erteilen.
Vereinzelt geht Lidl in der Kommentarspalte auf die unzufriedenen User:innen ein. "Unser Team arbeitet kontinuierlich daran, neue und spannende Aktionen zu entwickeln, um auch in Zukunft besondere Lidl Plus Angebote und Gewinnmöglichkeiten sowie reichlich Abwechslung bieten zu können", heißt es dort.
Verbraucherschützer:innen warnen schon länger davor, dass die Versprechungen der Supermärkte irreführend sein können. "Der Sparvorteil ist oft geringer als gedacht und Verbraucher:innen zahlen für die Rabatte mit der Preisgabe umfangreicher persönlicher Daten", erklärt Christine Steffen, Datenschutzexpertin von der Verbraucherzentrale NRW in einer Mitteilung.
Nicht immer lasse sich mit den Rabattaktionen tatsächlich Geld sparen. Vergleichbare Produkte von No-Name-Marken können ohne Rabatt zum Beispiel günstiger sein als Markenprodukte, doch das wird in den Apps nicht transparent gemacht. Außerdem weisen die Verbraucherschützer:innen darauf hin, dass sich Mengenrabatte nur dann zum Sparen eignen, wenn wirklich so viel gebraucht wird. Wer mehr kauft, dann aber Produkte wegschmeißen muss, zahlt am Ende mehr.
Hinzukommt: Nicht alle Anbieter halten sich daran, dass sie prozentuale Rabatte immer in Bezug auf den günstigsten Preis der vorigen 30 Tage errechnen und darauf in ihren Angeboten hinweisen müssen. Gegen Rewe gingen die Verbraucherschützer:innen bereits mit einer Klage vor, weil in den Angeboten die eigentlichen Preise nicht deutlich genug gemacht wurden.