Trotz des zunehmenden Overtourism bleibt Bali weiter ein beliebtes Reiseziel. Die Mischung aus traumhaften Stränden, dichten Regenwäldern und reichhaltiger Kultur lockt jedes Jahr zahlreiche Tourist:innen aus aller Welt an. Teilweise fühlen sich die ausländischen Besucher:innen so wohl, dass sie dort Wurzeln schlagen.
Gerade Digital Nomads – also Menschen, die ortsunabhängig arbeiten – scheinen sich auf Bali ausgesprochen wohlzufühlen. Co-Working-Spaces mit guter Internetverbindung, günstige Lebenshaltungskosten und eine lebhafte, internationale Community sehen viele als Pluspunkte.
Bali profitiert natürlich wirtschaftlich von den vielen Besucher:innen. Allerdings sind seit Anfang des Jahres vermehrt Visa-Verstöße gemeldet worden, wie "Independent" berichtet. Es scheint, als würden einige der langfristigen Besucher:innen ihre Visa nach Ablauf nicht erneuern; ob bewusst oder unabsichtlich, unterscheidet sich wohl von Fall zu Fall.
Den indonesischen Behörden gehen dadurch aber nennenswerte Einnahmen durch die Lappen. Wahrscheinlich ist nun auch deshalb eine neue Taskforce entsandt worden. Die 100 Mitarbeitenden sind seit Kurzem in zehn bei Touristen beliebten Orten stationiert.
Dazu zählen dem Bericht zufolge Canggu, Seminyak, Kerobokan, Ubud, Kuta, Sanur, Benoa, Jimbaran, Nusa Dua sowie die Strandorte Uluwatu und Bingin.
An diesen Orten kontrollieren die Mitarbeitenden der Taskforce stichprobenartig den Einwanderungsstatus ausländischer Besucher:innen. Deswegen sind Tourist:innen derzeit auch aufgerufen, jederzeit ihren Reisepass bei sich zu tragen. Erste Kontrollen haben bereits stattgefunden, wie aus einem Instagram-Beitrag der Einwanderungsbehörde hervorgeht.
Darin ist zu sehen, wie Beamt:innen mehrere Urlauber:innen anhalten, um sie zu ihrem Aufenthalt auf der Insel zu befragen. Sie wollen unter anderem wissen, wo sie untergekommen und wie lange sie bleiben.
Der Ton ist dabei (wie es sich für ein PR-Video gehört) freundlich, doch die Mitarbeitenden der Einwanderungsbehörde weisen die Tourist:innen darauf hin, dass sie ihren Reisepass beziehungsweise ihre Aufenthaltsgenehmigung immer bei sich führen sollten. Andernfalls drohen Strafen. Laut "Independent" beließen es die Beamt:innen aber bisher bei Verwarnungen.
In der Video-Beschreibung heißt es: "Diese Kontrollen sollen sicherstellen, dass alle Ausländer die Vorschriften einhalten und ordnungsgemäß bei der Einwanderungsbehörde registriert sind."
Online lösen die Maßnahmen gemischte Reaktionen aus. Einige Einheimische heißen die Kontrollen gut und fordern dem Bericht zufolge die Einwanderungsbehörden auf, auch Yoga-Zentren und Coworking-Spaces ins Visier zu nehmen. Es bestehe der Verdacht, dass sich dort vermehrt Langzeit-Besucher:innen ohne gültiges Visa aufhalten.
Andere fürchten hingegen, dass die strengen Kontrollen Urlauber:innen abschrecken und dem Tourismus am Ende schaden könnten.
Unter Tourist:innen lösen die neuen Maßnahmen auch eher Skepsis aus. "Also wenn du am Strand schwimmen gehst, sollst du auch deinen Reisepass mitbringen? Das ist verrückt!", schreibt eine Person unter den Instagram-Beitrag der Einwanderungsbehörde. Seinen Reisepass die ganze Zeit mit sich zu tragen, sei "eine der unsichersten Dinge, die man machen kann", schreibt ein anderer. Für ihn käme höchstens eine Online-Foto-Kopie des Reisepasses infrage.
Die indonesischen Behörden wollen aber an den neuen Maßnahmen festhalten, heißt es im "Independent"-Bericht. Um Ärger zu vermeiden, sollte man seinen Reisepass oder die Aufenthaltsgenehmigung also stets mitführen.