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Alkohol ab 14 Jahren: Was sich beim begleiteten Trinken ändern soll

Trinken Jugendliche
Feuchtfröhliche Partys sind für viele Jugendliche normal.Bild: Unsplash / kelsey chance
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Alkohol ab 14 Jahren: Was sich beim begleiteten Trinken nun ändern könnte

11.07.2024, 16:12
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Alkohol gehört in vielen sozialen Situationen zum Alltag dazu: ein Feierabendbierchen nach getaner Arbeit, ein Sekt zum Geburtstag, ein Wein zum Abendessen. Kein Wunder also, dass viele Jugendliche sich darauf freuen, wenn sie auch endlich trinken dürfen.

Das erste Bier bedeutet für viele ein Stück Erwachsenwerden: sich ausprobieren und zum Rest der Gesellschaft dazu gehören, wenn angestoßen wird.

In Begleitung von Eltern dürfen Jugendliche tatsächlich bereits ab 14 Jahren legal Alkohol trinken. Das ist vielleicht doch ein wenig jung, überlegen aktuell mehrere Bundesländer und auch Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach. Sie möchten das begleitete Trinken nun abschaffen. Hauptargument dafür ist der Jugendschutz.

Wie schädlich ist Alkohol für Jugendliche?

Der Norddeutsche Rundfunk hat diesbezüglich mit Diana Ganguin gesprochen, eine Suchtberaterin, die sich auch mit suchtkranken Jugendlichen auskennt. Sie unterstützt die Idee ausdrücklich und betont, dass Alkohol ein Zellgift ist, das vor allem die Hirnzellen von jungen Menschen angreift. Für die Gesundheitsschädigung von Jugendlichen sei nicht wichtig, wie viel man trinke, sondern dass man überhaupt trinke.

Die Suchtberaterin stellt auch klar, egal wie viel oder wenig man trinke: "Es gibt keinen gesunden Alkoholkonsum." Weiter führt sie aus, dass es auch keinen risikofreien Konsum, sondern nur risikoarmen Konsum gebe. Der liegt bei Frauen bei einem Glas 0,1 bis 0,2 Liter Wein oder Sekt, bei Männern bei zwei Gläsern.

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Wie viel Alkohol trinken Menschen in Deutschland?

All diesem Wissen zum Trotz bleibt unsere Gesellschaft eine Konsumhochburg. Laut dem Aufklärungsportal "Kenn dein Limit" liegt Deutschland im Vergleich zum Pro-Kopf-Verbrauch aller 27-EU-Länder auf Platz Neun.

Die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen gibt zum Jahr 2022 konkrete Zahlen für den Pro-Kopf-Verbrauch an Alkohol in Liter an: 91,8 Liter Bier, 19,9 Liter Wein, 3,2 Liter Schaumwein und 5,2 Liter Spirituosen wurden konsumiert.

ARCHIV - 30.12.2012, Brandenburg, Frankfurt (Oder): Verschiedene Flaschen mit Alkohol stehen am 31.12.2012 auf einem Tisch auf einer privaten Silvesterparty in Frankfurt (Oder) (Brandenburg). Foto\ Pa ...
Vor allem für junge Menschen ist Alkoholkonsum ungesund.Bild: dpa / Patrick Pleul

Im Vergleich zu den vergangenen Jahren zeigt sich jedoch ein positiver Trend: Insgesamt werden die verbrauchten Mengen an Alkohol stetig weniger.

Legal Trinken: Ab wann ist es aktuell erlaubt?

Aber wie ist denn nun die aktuelle offizielle Gesetzeslage für Jugendliche in Deutschland? Was gilt ab welchem Alter? Wir haben euch eine Übersicht zusammengestellt:

  • Unter 14 Jahren: Bitte Finger weg von allem. Sowohl der Konsum als auch der Kauf von alkoholischen Getränken ist verboten.
  • Ab 14 Jahren: Zusammen mit euren Eltern dürft ihr Alkohol trinken, insofern sie dabei sind und den Alkohol auch selbst für euch kaufen.
  • Ab 16 Jahren: Jetzt dürft ihr selbstständig Bier, Sekt und Wein kaufen und diesen auch trinken.
  • Ab 18 Jahren: Mit 18 Jahren ist man volljährig und darf jeglichen Alkohol kaufen und konsumieren.

Warum steht begleitetes Trinken ab 14 Jahren in der Kritik?

Ob das begleitete Trinken ab 14 Jahren abgeschafft werden sollte, wird jetzt aber in mehreren Bundesländern diskutiert. Vor allem in Niedersachsen, Mecklenburg-Vorpommern und Bremen wird schon seit ein paar Tagen über die Einschränkung zum Schutz von Jugendlichen diskutiert: "Es ist ein völlig falsches gesellschaftliches Signal, wenn Eltern oder ältere Geschwister oder Freunde mit 14-Jährigen Bier oder Wein trinken", sagte der Gesundheitsminister Niedersachsens, Andreas Philippi (SPD), der lokalen Zeitung "Hannoversche Allgemeine Zeitung".

Nun schaltet sich auch Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach ein. Dem "Redaktionsnetzwerk Deutschland" (RND) gegenüber sagte der SPD-Politiker, dass es zu dem Thema keine zwei Meinungen geben könne: „Die Anwesenheit von Erwachsenen ändert nichts an der Schädlichkeit von Alkohol für Kinder. Deswegen sollte das sogenannte begleitete Trinken untersagt werden.“

Auch Suchtberaterin Ganguin pflichtet bei, dass das gemeinsame Trinken mit den Eltern Alkohol normalisiere, und Jugendliche dadurch nicht lernen würden, ihren Konsum zu hinterfragen. Das könne der erste Schritt in eine Sucht sein, führt Ganguin weiter aus. Jugendliche erst später und mit mehr Aufklärung Alkohol trinken zu lassen, sei ein wichtiger Schritt in der Suchtprävention.

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