Leben
Bild

Junge Eltern mit Kind: Da bleibt kaum Zeit für Zweisamkeit, geschweige denn Sex. Bild: The Image Bank RF / Vincent Besnault

watson-Kolumne

Warum man als Mutter keinen Sex mehr hat – außer, man möchte ein zweites Kind

"Schonungslos ehrlich" – die Mama-Kolumne ohne Insta-Filter

Wenn Mama-Freundinnen mir – leicht freudig, aber von ihrer eigenen Courage noch verunsichert – erzählen, sie seien wieder schwanger, denke ich nicht, wie aufmerksame Leser vermuten könnten: Die Arme, noch ein Balg, das ihr Leben endgültig zerstören wird. Das einzige, was mir dazu einfällt: Krass, die müssen Sex gehabt haben! Ich frage mich dann wirklich, wann?

An Märchen, die zweite Schwangerschaft sei totaaaal ungeplant gewesen, glaube ich schon lange nicht mehr. Als dass sich irgendein Elternpaar im fröhlichen Dauer-Sex-Zustand befinden würde mit einem vor Lust vernebelten, das Thema Verhütung ausblendendem Hirn. Ich halte ausschließlich folgendes Szenario für realistisch: "Meine App sagt Eisprung, müssen Sex haben. Auf dem Sofa oder im Bad?" Weil im Bett geht ja nicht, da liegt das Kind.

"Schon vorher körperlich am Ende und dann noch zu zweit auf der Kante gequetscht? Nein, danke. Dann doch lieber kurz zwischen Zahnseide und Schlafanzug an den Waschbeckenrand gelehnt."

Nicht, dass es davon aufwachen würde. Leidenschaftsloser, geplanter Kindermach-Sex geht sicher auch ganz gut ohne Lärm. Problem ist eher, dass das Kind meist quer mitten im Bett liegt und garantiert aufwacht, wenn es einen Zentimeter bewegt wird. Schon vorher körperlich am Ende und dann noch zu zweit auf der Kante gequetscht? Nein, danke. Dann doch lieber kurz zwischen Zahnseide und Schlafanzug an den Waschbeckenrand gelehnt.

Bild

Unsere Autorin berichtet über die unschönen Seiten des Mutterdaseins – schonungslos ehrlich. Bild: Emmy Lupin Studio

Unsere Autorin...

... wurde mit Anfang 30 Mutter. Und kommt noch immer nicht damit klar, dass ihr altes, schönes Leben seitdem vorbei ist. Sie ist wütend, dass Eltern nie den Mut hatten, zu erzählen, was es wirklich bedeutet, ein Kind zu haben. Aus diesem Grund legt sie alle zwei Wochen den Finger in die Wunde – und berichtet schonungslos. Und weil sie weiß, dass Mütter sehr giftig werden können, wenn es um ihr Heiligstes geht, bleibt sie lieber anonym. Die täglichen Entrüstungsstürme ihres Sohnes reichen ihr völlig aus.

Mein Sohn klebte rund um die Uhr an mir

Dass in meinem Leben mit Kind kaum noch Platz für Sex ist, liegt natürlich nicht nur daran, dass unser Sohn sich weigert, im eigenen Bett zu schlafen. Lasse ich die letzten drei Jahre an mir vorbeiziehen, sind die Gründe vielfältig. Angefangen hat es mit der Geburt. Die ersten sechs Monate danach hatte ich ganz andere Probleme: noch immer schmerzende Narben von den Geburtsverletzungen, blutige Brustwarzen, Low-Energy, Dauer-Stillen. Ich stillte 15 Monate lang und hatte regelmäßig schmerzende Brüste, weil mein Sohn sie in jeglicher Form bearbeitete. Er klebte rund um die Uhr an mir, ob an der Brust, auf dem Arm oder auf meinem Schoß. Noch mehr Körperlichkeit war kaum zu ertragen.

"Mein Sohn ist inzwischen drei Jahre alt und bis heute schläft er eng an mir. Er wacht mehrmals auf und kann erst wieder einschlafen, wenn seine Finger an meinen Brustwarzen zwirbeln."

In den wenigen Momenten, in denen ich mit mir allein war, hatte ich kein Bedürfnis, den nächsten ranzulassen. Dazu kam ein sich immer weiter ausbreitender Erschöpfungszustand – erschöpft von wenigen Stunden Schlaf, von Schreiattacken des Kindes, von Erziehungsarbeit während kräftezehrender Trotzphasen. Erschöpft vom Alltag, der nebenbei laufen musste, vom Job, den ich am Leben erhalten wollte, vom Muttersein.

Mein Sohn ist inzwischen drei Jahre alt und bis heute schläft er eng an mir. Er wacht mehrmals auf und kann erst wieder einschlafen, wenn seine Finger an meinen Brustwarzen zwirbeln. So verbringen wir jede fucking Nacht.

Unser erstes freies Wochenende hatten wir nach zwei Jahren

Für Sex mit einem langjährigen Partner muss ich zudem erst mal in die passende Stimmung kommen. Dazu brauche ich Leichtigkeit, ein positives Mindset und körperliche Nähe. Eher kontraproduktiv: eine Tirade ablassen, der andere könne ruhig mal früher nach Hause kommen, man sei hier nicht die Babysitterin, darüber diskutieren, wer heute mit ins Bett bringen dran sei, alleine ausgehen, weil der andere das Babyphone überwachen muss. Kurz: unser normaler Alltag mit Kind, sieben Tage die Woche.

Ein bisschen erleichtert war ich über unser erstes gemeinsames freies Wochenende nach zwei Jahren. Alles kam wie immer, es ergab sich einfach so. Weil wir zwei Tage zu zweit verbrachten, weil wir eine neue Stadt eroberten, weil wir fantastisch essen waren und uns seit Ewigkeiten mal wieder am Stück unterhalten konnten. Weil wir sofort wieder drin waren in dem, was wir gut können: uns gemeinsam mit Dingen beschäftigen, die uns beide interessieren. Uns füreinander interessieren.

"Wo liegt der Fehler? Am Kind, das nicht gerne ein Wochenende ohne uns bleibt? An uns, die wir auf die Bedürfnisse unseres Kindes zu sehr eingehen?"

Das Wochenende war am Geburtstag meines Mannes, vor einem Jahr. Unser nächstes freies Wochenende steht bevor, am Geburtstag meines Mannes. Wo liegt der Fehler? Am Kind, das nicht gerne ein Wochenende ohne uns bleibt? An uns, die wir auf die Bedürfnisse unseres Kindes zu sehr eingehen? An der nicht vorhandenen Vollzeit-Nanny, die uns möglicherweise häufiger eine Auszeit ermöglichen würde?

Ich weiß nicht, wie andere Eltern es schaffen, mehrere Kinder zu zeugen. Ich weiß nur eines: Meine größte Befriedigung ist gerade die Kombination aus Sofa, einer gemeinsamen Lieblingsserie, einer Tüte Rosmarin-Chips und einem Babyphone, das schweigt.

watson-Kolumne

Seit ich Mutter bin, habe ich nur noch einen einzigen Wunsch zum Geburtstag

"Schonungslos ehrlich" – die Mama-Kolumne ohne Insta-Filter

Es gibt Tage, an denen bin ich völlig erschöpft, ausgelaugt, am Ende. Die komplette Energie, die mein Körper für diesen Tag zur Verfügung stellt, ist aufgebraucht – um 8.30 Uhr.

Ich habe meinen Sohn im Kindergarten abgegeben und möchte am liebsten zurück ins Bett, durchschlafen bis zum nächsten Tag, bitteschön. Hinter mir liegt nämlich ein Morgen mit nicht-aufstehen-wollen, nicht-anziehen-wollen, nicht-frühstücken-wollen, schon-gar-nicht-Zähne-putzen-wollen, …

Artikel lesen
Link zum Artikel