Kurz vor der Geburt ist das Babybett noch nicht aufgebaut? Das geht für unsere Autorin ja mal gar nicht (Symbolbild).
Kurz vor der Geburt ist das Babybett noch nicht aufgebaut? Das geht für unsere Autorin ja mal gar nicht (Symbolbild).Bild: iStockphoto / monkeybusinessimages
watson-Kolumne

Geburt des zweiten Kindes steht kurz bevor: "Warum ich das Wort Nestbau hasse und was das alles mit Gleichberechtigung zu tun hat"

31.10.2021, 13:2601.11.2021, 07:18

"Schonungslos ehrlich" – die Mama-Kolumne ohne Insta-Filter

In letzter Zeit fange ich Sätze, die an meinen Mann gerichtet sind, wieder verdächtig oft mit "dein Sohn" an. "Dein Sohn hat Durst" heißt dann soviel wie: Stehst du mal bitteschön auf und holst von drüben eine neue Wasserflasche, falls dir nicht aufgefallen ist, dass diese hier am Tisch leer ist? Mit dieser Formulierung versuche ich daran zu erinnern, dass nicht ich hier die alleinige Familienmanagerin bin, die für unser gemeinsames Kind verantwortlich ist. Es ist auch dein Kind, also kümmere dich gefälligst.

Ja, es sind nur noch wenige Tage bis zur Geburt des zweiten Kindes und die Spannung wird immer spürbarer. Damit meine ich nicht die freudige Spannung auf ein Familienleben zu viert, sondern die Spannung zwischen uns Eltern, weil jeder kurz vor Schluss gewisse Erwartungen, Bedürfnisse und Emotionen entwickelt, die gemeinsam Explosionspotential haben. Mein Mann bekommt innerlich Panik, eine Mischung aus Angst vor einer weiteren, für ihn traumatischen Geburt und der Vorstellung, wie ein Baby unseren hart erkämpften Alltag durcheinanderwirbeln wird, nett ausgedrückt.

Unsere Autorin berichtet über die unschönen Seiten des Mutterdaseins – schonungslos ehrlich.
Unsere Autorin berichtet über die unschönen Seiten des Mutterdaseins – schonungslos ehrlich.bild: emmy lupin studio
Unsere Autorin...
... wurde mit Anfang 30 Mutter. Und kommt noch immer nicht damit klar, dass ihr altes, schönes Leben seitdem vorbei ist. Sie ist wütend, dass Eltern nie den Mut hatten, zu erzählen, was es wirklich bedeutet, ein Kind zu haben. Aus diesem Grund legt sie alle zwei Wochen den Finger in die Wunde – und berichtet schonungslos. Und weil sie weiß, dass Mütter sehr giftig werden können, wenn es um ihr Heiligstes geht, bleibt sie lieber anonym. Die täglichen Entrüstungsstürme ihres Sohnes reichen ihr völlig aus.

Ich sehe lediglich all die To-Do-Punkte, die noch immer offen sind. Kein Babybett aufgebaut, keine Kliniktasche gepackt, keine Kinderwagen-Adapter für die verdammt schwere Babyschale organisiert, damit ich dieses Mal möglicherweise ohne Bandscheibenvorfall über die Runden komme. Und bis vor drei Tagen nicht eine einzige Windel im Haus. Als ich aufzähle, was dieses Wochenende – das wohl letzte vor der Geburt – dringend erledigt werden muss, kommentiert er trocken: "Das lässt sich doch alles noch besorgen, wenn das Kind da ist. Und überhaupt: Hör bloß auf, irgendwelches Zeug zu kaufen."

Irgendwelches Zeug? Schon bei der Formulierung könnte ich ausrasten. Ja, natürlich können wir die Windeln dann besorgen, wenn das Kind da ist. Doch was bedeutet das im Umkehrschluss? Ich sitze mit zwei Kindern alleine zu Hause während er erst mal die zwingend nötigen Einkäufe erledigt. Oder oben das Beistellbett aufbaut. Oder durch die Gegend fährt, um irgendwelche anderen Dinge zu besorgen.

Ich gebe zu, dass ich viele Dinge hormongesteuert gekauft habe

Wenn ich an die erste Schwangerschaft zurückdenke, gebe ich gerne zu, dass ich einige Käufe hormongesteuert getätigt habe. Stundenlange Recherchen, weil alles farblich aufeinander abgestimmt sein musste. Und eine Vollausstattung im Haus, von der wir später die Hälfte nicht nutzen konnten, weil sich unser High-Need-Baby weder in Federwiegen noch in Nestchen, Moseskörbchen oder Kinderwägen ablegen ließ. Es weigerte sich, einen der zahlreichen Schnuller-Modelle zu nehmen, abgepumpte Milch aus einem Fläschchen zu trinken sowie im Beistellbett zu schlafen.

"Fällt das Wort Nestbau, suggeriert das jedoch: Die durchgeknallte, mit Hormonen vollgepumpte Schwangere kauft wieder alles zusammen, was sie in die Finger bekommt und am Ende sowieso niemand braucht."

Nun lagern die meisten Dinge ja sowieso noch im Keller, doch manches war ausgeliehen, weshalb ich eben ein oder zwei Basics besorgen muss. Als ich ansprach, dass wir im Erdgeschoss eine Wickelmöglichkeit schaffen müssten, fiel schließlich dieses verhasste Wort: "Kriegst du jetzt wieder deinen Nestbau?" Einatmen, ausatmen, einatmen. Nüchtern betrachtet ist Nestbau nichts Schlimmes. Ich bereite die Ankunft für mein Baby vor. Ich kümmere mich, möchte sie ihm und uns so angenehm wie möglich bereiten und denke voraus, was uns das Wochenbett erleichtern könnte. Fällt das Wort Nestbau, suggeriert das jedoch: Die durchgeknallte, mit Hormonen vollgepumpte Schwangere kauft wieder alles zusammen, was sie in die Finger bekommt und am Ende sowieso niemand braucht.

Wir benötigen Windeln, weil ein Neugeborenes bis zu zehn Mal pro Tag gewickelt wird. Wir benötigen eine erweiterte Schlafmöglichkeit auf meiner Bettseite, weil unser Sohn immer noch jede Nacht zu uns kommt und zwischen uns liegt. Wir benötigen eine Form von Wickeltisch, weil mein geschädigter Rücken am Boden Wickeln auf Dauer nicht mitmacht. Ich sorge vor, indem ich einen kiefergerechten Schnuller im Haus habe, in dem ich unsere alten Babyklamotten wasche, sowie einsortiere und in dem ich eine gebrauchte Babyschale fürs Auto organisiere, weil unsere damals geliehen war. Mein Mann verschwendet nicht einen Gedanken daran, was wir brauchen und wo wir es herbekommen könnten, wann wir etwas besorgen oder in welcher Qualität wir uns etwas zulegen. Weil er ganz genau weiß, dass am Ende alles geregelt sein wird.

"Mein Mann verschwendet nicht einen Gedanken daran, was wir benötigen, wo wir es herbekommen könnten, wann wir etwas besorgen oder in welcher Qualität wir uns etwas zulegen."

Und genau hier fängt das Thema Gleichberechtigung wieder an. Gerade hatten wir uns halbwegs eingegroovt, weil unser Sohn inzwischen stundenweise betreut wird – und ich somit gewisse Freiheiten zurückbekommen habe. Doch ich spüre, wie ich jetzt schon wieder in Richtung klassisch-traditionelle Mutterrolle schlittere. Harte Zeiten warten auf mich, in denen wir ein weiteres Mal heftig diskutieren werden, um wie viel er seine Arbeitszeit reduzieren wird, wer welche Aufgabenbereiche für den Vierjährigen übernimmt und in denen garantiert der unverschämte Satz "Ich kann halt mal nicht stillen" fallen wird.

Da fällt mir gerade ein Instagram-Post ein, den ich gesehen habe: "Ein Jahr Stillen sind ungefähr 1800 Stunden. Ein Vollzeitjob mit 20 Tagen Urlaub im Jahr sind 1920 Stunden." Die gute Nachricht: Dieses Mal bin ich gewappnet. Und ich werde das letzte Fünkchen Energie aufwenden, um für ein gleichberechtigteres Elternmodell ein letztes Mal zu kämpfen.

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