Leben
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Manche Dating-Fehler muss man einfach nicht wiederholen. (Symbolbild) Bild: Getty Images

watson-Kolumne

Aus Höflichkeit schreckliche Dates aussitzen? Fehler, die ich 2021 nicht mehr machen muss

"Bett halbvoll/halbleer" – die Dating-Kolumne von watson

Es gibt diesen einen blöden Witz: Männer sind wie öffentliche Toiletten, besetzt oder beschissen. Ich fand es schon immer daneben, ein ganzes Geschlecht mit sanitären Anlagen gleichzusetzen, bei denen sich Hinz und Kunz erleichtern.

Aber so ein klein bisschen kann ich die Frustration verstehen: Spätestens ab Ende 20 hatte ich den Eindruck, Dating wird zu einem richtigen Krampf. Und tatsächlich schien es so, als wären alle potenziell passenden Partner nicht auf dem Weg zu mir, sondern zum Traualtar, und zwar mit einer anderen Frau. Und dann nimmt man eben, was man noch so kriegen kann – und wartet auf die ersten Scheidungen.

Dieses Gefühl, sich als Single auf der Resterampe herumzutreiben, lässt einen ziemlich viele dumme Entscheidungen treffen. Und nicht, dass das schon schlimm genug wäre – dann kommt auch noch eine globale Pandemie hinzu, die Dating nicht unbedingt einfacher macht.

Was ich im Jahr 2020 daraus gelernt habe – und im Jahr 2021 deswegen nicht mehr machen muss (hoffentlich).

Auf Corona-Dates gehen

Auf Abstand bei Regen und Kälte durch einen hässlichen Berliner Park spazieren und mögliche weitere Sex-Partner des Gegenübers herausfinden, um Infektionsketten nachzuverfolgen: Selten war Dating so stimmungslos wie im vergangenen Jahr. Bei jeder Tinder-Bekanntschaft erst einmal zu überlegen, ob der Typ heiß genug ist, um sich von ihm Corona zu holen, ist wirklich eine neue Dimension meines Liebeslebens und der Erotik nicht gerade förderlich.

"Nach welchen Kriterien entscheide ich, ob jemand ein Live-Treffen auf Armeslänge Distanz wert ist?"

Mal abgesehen von dem ständigen Gewissenskonflikt, dem man ausgesetzt ist: Sollte ich jetzt nicht allein zu Hause sitzen und sämtliche Dating-Apps deinstallieren, bis das Drama vorbei ist? Soll ich mit potenziellen Partnern nur noch chatten oder videocallen? Nach welchen Kriterien entscheide ich, ob jemand ein Live-Treffen auf Armeslänge Distanz wert ist? Schließlich will ich als allein lebender Single auch nicht völlig vereinsamen.

Dennoch habe ich mir vorgenommen: Bibbernd in der Kälte fremde Menschen treffen ist jetzt halt nicht mehr. Zumindest nicht in großer Menge. Qualität vor Quantität – und zur Not müssen wir eben doch Online-Dates per Facetime abhalten.

Ein Date aus Höflichkeit aussitzen – und dann ghosten

Im Sommer hatte ich ein Date mit einem Typen, der mir erst seine Gedichte zeigen musste, die er auf Spanisch verfasst hatte, und dann einen einstündigen Vortrag über Schlaf hielt, weswegen ich mit selbigem kämpfen musste.

Das Schlimmste daran war: Ich habe es nicht übers Herz gebracht, dem Mann ins Gesicht zu sagen, dass das mit uns beiden nichts wird. Stattdessen überlegte ich mir eine Ausrede ("Muss DRINGEND meinen Hund abholen!" – "Kann ich mit?" – "NEIN!") und meldete mich danach nie wieder. Der Typ hat ja überhaupt nichts Schreckliches getan, wir passten nur einfach nicht zueinander, und ihm das auf freundliche Art und Weise mitzuteilen, wäre kurz unangenehm, aber auf lange Sicht fairer gewesen.

Richtig peinlich war es dann übrigens, als ich dem Mann noch einmal begegnete, während ich mit einem anderen Date unterwegs war. Die unterkühlten Blicke habe ich verdient.

Sex haben, nur um Sex zu haben

Es gibt meiner Meinung nach vier Optionen, wie ein Date ausgehen kann: Entweder wir mögen uns und ich finde die Person attraktiv – dann könnte da mehr draus werden. Oder ich finde die Person nett, aber nicht attraktiv, dann könnten wir zumindest Freunde werden. Oder ich finde die Person ganz schrecklich, und dann versuche ich, die Sache irgendwie auszusitzen (siehe oben).

Oder aber: Ich merke, menschlich kann ich mit meinem Date kaum etwas anfangen. Er sieht aber ganz gut aus, und naja, wo wir schon mal hier sind, können wir ja auch einfach mal Sex haben.

"Nichts gegen freundliches Vögeln mit Fremden. Aber muss man jetzt aus Prinzip jeden Typen mitnehmen, den man kriegen kann?"

Ich gebe zu, diese Herangehensweise war anfangs ganz lustig und hat sicherlich dazu beigetragen, dass ich viel selbstbewusster geworden bin beim Sex. Und nichts gegen freundliches Vögeln mit Fremden. Aber muss man jetzt aus Prinzip jeden Typen mitnehmen, den man kriegen kann? Vielleicht nicht. Beischlaf auf Vorrat muss nicht sein, ich muss nicht wie ein Eichhörnchen Nüsse für den Winter sammeln.

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Bild: emmy lupin studio

Unsere Autorin...

... ist Single, Anfang 30 und lebt in Berlin. Bei ersten Dates wird sie regelmäßig gefragt, ob sie darüber schreiben wird. Sie antwortet dann meist: "Das hängt davon ab, ob du schon etwas ganz Großartiges im Leben gemacht hast – oder gleich etwas richtig Bescheuertes tust."

"Fuck the Pain Away"

Jahrelang waren "the Teaches of Peaches" mein Motto. Wer sich nicht mehr erinnert: Gemeint ist der Song "Fuck the Pain Away" der Elekro-Sängerin Peaches. Jedes Mal also, wenn ich traurig, einsam oder wütend war, suchte ich mir ein Date, um Frust abzulassen. Oder einfach, um mich von meiner Traurigkeit abzulenken – vor allem bei Liebeskummer.

Das führt im Endeffekt dazu, dass man sich mit seinen Gefühlen – und vor allem bisherigen Beziehungen – gar nicht mehr so richtig auseinandersetzt.

Ich hatte mir eigentlich schon, nachdem meine vergangene Beziehung gescheitert ist, vorgenommen, meine Gefühle erst mal zu verdauen, bevor ich mir jemand Neuen suche. Drei Monate Dating-Pause habe ich mir gegönnt. Aber, wie es eben so ist, manchmal verfällt man in alte Muster – und beim nächsten Liebeskummer im Sommer war ich wieder bei den alten Dating-Plattformen unterwegs. Bevor man seinen Frust allerdings zwischen den Laken mit jemand anderem auslässt, sollte man vielleicht lieber erst einmal versuchen, mit sich selbst ins Reine zu kommen – und danach viel entspannteren Sex haben.

Weniger Dating, mehr Selfcare

Ich glaube, der Wunsch, einen Partner oder eine Partnerin an seiner Seite zu haben, ist etwas tief Menschliches. Trotzdem wird eine romantische oder sexuelle Beziehung das Leben nicht unbedingt besser machen, sondern eben anders. Viel zu häufig definieren wir uns darüber, ob wir Single sind oder vergeben und ignorieren dabei die zahlreichen anderen festen Beziehungen, die wir im Leben haben.

"Dating macht Spaß, Sex oft noch viel mehr – aber das ist eben auch nicht alles."

2020 hat mir gezeigt: Dating macht Spaß, Sex oft noch viel mehr – aber das ist eben auch nicht alles. Dazwischen sind noch Freunde, Familie, Arbeit, mein Hund, Sport und 10 Millionen Dinge, die ich machen will. Und ich will auf nichts davon verzichten, erst recht nicht wegen eines Typen oder, noch schlimmer, weil ich Liebeskummer wegen eines Typen habe. Deswegen: 2021 werde ich stärker schauen, was mir gut tut, und es nehmen wie die Rheinländer: Et kütt wie et kütt.

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