Die Stadt an der Ostsee ist eine eigenwillige Mischung aus uraltem Stadtkern, luxuriösen Neubaubezirken, düsterer Sowjet-Geschichte (unter anderem kann man hier alte KGB-Gefängniszellen besichtigen) und einer vibrierenden Kulturszene, die sich in Streetfood, Streetart, Technoclubs und Straßenfesten niederschlägt.
Was sollte man neben den typischen Touristenecken (aka Stadtmauer und Domberg) gesehen haben? Watson hat fünf Tipps gesammelt, damit du an deinem Wochenende in Tallinn nichts verpasst.
Da Tallinn keine besonders große Stadt ist, kannst du getrost ein paar Euro sparen und dir eine Unterkunft außerhalb der Altstadt suchen. Schöne, preiswerte Appartements und Hotels findest du in Kadriorg oder Kalamaja.
Kadriorg gilt als der grünste Bezirk der Stadt und beeindruckt mit Parks und einem barocken Palast. Kalamaja ist ein Viertel, das neben uralten Holzhäusern inzwischen auch jede Menge Neubauten beherbergt.
Beide Bezirke sind fußläufig von der Altstadt erreichbar. Wer in Kadriorg nächtigt, kommt mehr oder weniger regelmäßig am Rotermann-Viertel vorbei – eine Ecke in Tallinn, die bekannt ist für guten Kaffee, Industriecharme und Wein-Bars.
Aber auch in Kalamaja gibt es nahe der Straßenbahnstation Telliskivi zahlreiche Restaurants, Streetfood-Stände, Bars und auch ein paar Clubs, wie den Techno-Club Hall.
Tallinn ist eine kunstvolle Stadt, in der sich so ziemlich jede Epoche der europäischen Geschichte widerspiegelt. Der Altstadtkern ist mittelalterlich, es gibt aber auch barocke Paläste, byzantinische Kirchen und grobe Sowjetbauten, alles begleitet von Streetart in den Gassen.
Wer kuratierte Kunst erleben will, sollte mal einen Nachmittag im Kreativzentrum Telliskivi verbringen. Diese Ecke von Tallinn ist wie eine kleine Stadt in der Stadt, randvoll mit Fotogalerien, Design-Läden, Cafés, Destillerien, Kunsthallen und immersiven Ausstellungen.
Hier sind Design- und Architekturbüros ansässig, außerdem eine Eiscremefabrik und eine Tanzbühne. Das verzweigte Industriegelände, auf dem früher Lokomotiven repariert wurden, ist Schauplatz zahlreicher Festivals und Open-Air-Ausstellungen.
Direkt neben dem Hauptbahnhof von Tallinn (Balti Jaam) befindet sich eine riesengroße, frisch sanierte Markthalle, die Balti Jaama Turg. Hier findest du Stände mit leckeren Snacks, frisches Obst und Gemüse. Genug, um sich den ganzen Tag (auch an Regentagen, alles ist überdacht) von Shop zu Shop zu schlemmen.
Im Innengebäude, direkt unterm Dach, befinden sich Second-Hand- und Vintage-Designerläden, in denen Yves-Saint-Laurent-Blazer aus den 80ern und weitere Mode-Glücksmomente verkauft werden. Aber auch wenn du nicht für dich selbst, sondern andere shoppen wolltest, wirst du hier fündig.
Denn originelle Souvenirs gibt es hier zuhauf, zum Beispiel neonfarbene Matroschkas, estnischen Gin oder handbemalte Marzipanfiguren der Traditionsfirma Kalev. Wer sich mal live anschauen will, wie die süßen Wesen mit filigranen Pinselstrichen zum Leben erweckt werden, kann dem Café Maiasmokk in der Altstadt einen Besuch abstatten. Hier sitzen die Marzipan-Zeichner:innen und lassen sich bei der Arbeit zusehen.
Bei so viel Shopping und Kunst will man sich auch mal auf einer Wiese langmachen. Das ist in Tallinn glücklicherweise gar kein Problem. Direkt hinter der alten Stadtmauer erstreckt sich Grünfläche hinter Grünfläche. Die Altstadt ist umringt von mehreren Parks.
Der Hirschpark besticht durch eine Auswahl prächtiger Bäume, der Toompark durch einen kleinen Teich in der Mitte, zahlreichen Statuen und Installationen.
Am weitläufigsten ist allerdings der Kadrioru Park, östlich der Altstadt. Ein etwa halbstündiger Spaziergang führt vom Stadtkern hierhin – ein Weg, der sich lohnt! Denn dort befindet sich ein Schloss, ein Museum, ein Ringkanal, ein japanischer Garten und sogar ein kleiner, kunterbunter Freizeitpark für Kinder.
Die Restaurants in der Innenstadt locken sehr offensiv mit traditionell-estnischem Essen. Viele von ihnen umwerben Tourist:innen sogar mit verkleideten "Marktschreier:innen", altertümlichen Gerichten wie Schweineschwanz oder urigen Bierstuben.
Wer Mittelalter-Show mag, ist dort sicher gut aufgehoben. Wer aber gute estnische Küche möchte, ohne dabei auf der Laute begleitet zu werden, findet in der Altstadt ein paar dezentere, dafür köstliche Alternativen.
Perfekt für einen Mittagsstop ist zum Beispiel "Pelmen kohvik", ein Restaurant mit hervorragenden Pelmeni (gefüllten Teigtaschen, ähnlich Pierogi) in salzig und süß, oder deftiger Borschtsch-Suppe. Zehn Pelmeni machen pappsatt und kosten etwa neun Euro. Maitsev! (Köstlich!)
Für ein feines, kleines Dinner am Abend ist das Restaurant Rataskaevu 16 ideal. Hier gibt es Spinat-Orzotto, Flusskrebsschwanz-Tartar oder Elchbraten – alles köstlich und von den nettesten Kellner:innen der Stadt serviert. Kostenpunkt für eine Hauptspeise: 16 bis 28 Euro.
Übrigens: Wem Tallinn zu klein wird, kann einen Tagestrip nach Helsinki einplanen. Fähren setzen den ganzen Tag lang über, die Fahrtzeit beträgt nur zwei Stunden und da sich Estland sowie Finnland in der EU befinden ist der Übergang unkompliziert.