Ein Blick auf die Schuhe ist nicht mehr nötig, denn auch Adventskalender verraten so einiges.
Ein Blick auf die Schuhe ist nicht mehr nötig, denn auch Adventskalender verraten so einiges. Bild: pexels / Julia Larson
Weihnachten

Rubbellose, Schokolade oder Kosmetik? Was der Adventskalender über den Charakter verrät

01.12.2022, 07:49

Es soll ja Menschen geben, die dem Gegenüber immer als erstes auf die Schuhe schauen, um zu erkennen, mit wem sie es zu tun haben. Sneakers gleich entspannt, Boots gleich tough, sind sie zu sauber, bist du pedantisch, und so weiter.

Aber warum der mühsame Blick nach unten? Es ist schließlich Advent und in dieser Zeit gibt es kein untrüglicheres Indiz für den wahren Charakter eines Menschen als:

Seinen Adventskalender!

Ob Rubbellose, Billigschokolade oder Meditationssprüche – der Adventskalender zeigt unverhohlen auf, was dem Besitzer wichtig ist und kann dem gerissenen Küchenpsychologen damit Aufschluss darüber geben, mit wem er es hier zu tun hat.

Wir fassen zusammen, welche sieben Haupttypen wir – völlig subjektiv und absolut voreingenommen – in den vergangenen Jahrzehnten unserer Weihnachtserfahrung ausgemacht haben.

Beauty-Kram

Wenn irgendeiner keine weiteren Kosmetik-Artikel bräuchte, dann diese Person, denn Schubladen und Make-up-Organizer quellen bereits über vor Proben aus der Drogerie, geklauten Hotel-Artikeln und herausgerissenen Parfum-Blättchen aus Zeitschriften.

"Da geht aber noch was", denkt sich der Beauty-Fan ehrgeizig und freut sich schon auf den Kosmetik-Adventskalender, in dem sagenhafte 24 weitere Proben enthalten sein werden, von denen rund 20 ihm eigentlich gar nicht gefallen.

ILLUSTRATION - 22.11.2022, Nordrhein-Westfalen, K
Dieses Bild kann man fast schon riechen. Bild: dpa / Oliver Berg

Wie ein Junkie öffnet der Beauty-Fan Türchen um Türchen, wird high vom Duft der Schaumbäder, cremt sich den Handrücken glücklich und sammelt Massagehandschuhe, Duftkerzen und Augencremes, wie der verrückte Hutmacher Teetassen am Nicht-Geburtstag.

WTF ist nur mit diesem Menschen los, fragt sich da manch ein Mitbewohner – wer braucht all den Luxusschrott? Bis ihm am frühen Morgen sein Duschgel ausgeht. Kein Problem, springt der Beauty-Fan zu Hilfe und steigt zum Dealer auf: "Willst du die Limited Edition mit Wasserlilien-Extrakt oder Schwarzer Pfeffer mit Sandelholz? Ich hätte da was."

Traditionelles Papier

Am schönsten wäre es doch, wenn wir zu Weihnachten alle mit bimmelnden Schlitten zur Arbeit fahren würden, oder? Wenn Schnee läge wie früher und sich kleine Kinder jauchzend auf einem Holzschaukelpferd unterm Christbaum vergnügten, statt sich Paw-Patrol-Merchprodukte zu wünschen.

Den Nostalgiker plagt die Wehmut nach Entschleunigung und "wahren" Werten eigentlich das ganze Jahr über, aber zur Weihnacht wird sein malträtiertes Herz durch Plastik und Geblinke überstrapaziert. Er mag es altmodisch, geruhsam und traditionell. Die Kerzen an seinem Baum? Natürlich aus Bienenwachs! Der Schmuck dazu? Aus Holz und Stroh.

Und der Adventskalender? Eine illustrierte Postkarte mit einer verschneiten deutschen Landschaft bei Nacht, hinter deren Türen sich Symbole wie Glocken und Trompeten verbergen. Das reicht aus, um sein nostalgisches Gemüt auf Hochtouren zu bringen. Solange ihm nur keiner verrät, dass hinten ganz klein "Made in China" draufsteht...

Schokolade

Adventskalender braucht kein Mensch, denn Weihnachten kommt auch ganz ohne Vorfreude, denkt sich der Pragmatiker. Wichtige Termine hat er sowieso im Handy und Schokolade ist billiger, wenn man sie als Tafel kauft. Also wozu dieser Aufriss?

Trotzdem – und erst um Nikolaus herum – greift der Pragmatiker beim Warten im Supermarkt doch noch zu und legt einen reduzierten Kalender auf das Kassenband. Zu Hause öffnet er alle bereits vergangenen Tage und steht nachts noch einmal auf, um sich alle anderen Schokolädchen hinterherzuschütten. Die Verpackung landet im Müll, wo sie ihn wie ein Mahnmal anstarrt.

Wer noch nie den folgenden Tag gefuttert hat, werfe den ersten Stein.
Wer noch nie den folgenden Tag gefuttert hat, werfe den ersten Stein.Bild: dpa / Oliver Berg

Ein Impulskauf. "Wie konnte das passieren?", grübelt der Pragmatiker am Tag darauf und beschließt, diese peinliche Adventsepisode niemals und niemandem zu erzählen. Wäre er nur einen Tick abergläubischer, wäre er spätestens jetzt davon überzeugt, dass ihn der Weihnachtswichtel geritten hat.

Rubbellose

Für den Materialisten bedeutet der perfekte Adventskalender vor allem eines: 24 Gelegenheiten, um endlich stinkreich zu werden. Er freut sich wie ein Schneekönig jeden Tag, wenn er die Rubbellose aufkratzt, während er von einem Penthouse in der Innenstadt und einer Jacht vor St. Barth träumt.

Der Maximalgewinn bei gängigen 1-Euro-Losen beträgt zwar 10.000 Euro. Aber gut, ein VW-Bus wäre ja auch schon was. So sinniert er vor sich hin, zögert die Spannung hinaus und schrubbt ergriffen ein Plättchen nach dem anderen frei, als wäre genau dies der Moment, den er rezitieren wird, wenn er auf Cocktailpartys die Geschichte seines plötzlichen Reichtums zum Besten geben wird.

Folter: Das Rubbellos ist die Streckbank der Hoffnung.
Folter: Das Rubbellos ist die Streckbank der Hoffnung. Bild: watson.de / Julia Dombrowsky

Doch weil Lotto für Masochisten erfunden wurde, beginnt nun der bittere, letzte Akt des täglichen Kammerspiels: Keine drei gleichen Symbole, keine Jacht, kein Penthouse. Die Münze sinkt zurück auf den Tisch. 24 geplatzte Träume, kapitalistische Enttäuschung in a nutshell – vielleicht reicht es zu Weihnachten wenigstens für eine Packung Kaugummi.

Meditationssprüche

Sinnsprüche oder 24 Aufgaben für einen gesunden Geist führen den Spirituellen gelassen durch das Adventschaos der Außenwelt. Ob es sich um kleine Meditations-Übungen für jeden Tag handelt oder eine "indische Weisheit", die ihn ins Grübeln bringt – für den Spirituellen ist die Hinwendung zu sich selbst die purste Form der christlichen Nächstenliebe (denn: Hey, wer ist sich selbst denn nicht am nächsten?) und das Säubern seiner Aura ein feierlicher Akt vor Weihnachten.

Sein Adventskalender steht neben der Klangschale auf dem Sideboard und ist ein Spiralblock, dessen Seiten sich jeden Tag umklappen lassen, um eine Weisheit zu offenbaren, die sich zwar auf den ersten Blick erschließt, beim zweiten Darüber-Denken aber doch keinen Sinn mehr macht.

Es handelt sich hier um einen sehr angenehmen, weil friedfertigen Mitmenschen, den jeder gerne um sich hat. Dass seine Geistesübungen eher aus dem Fernen Osten kommen und wenig mit dem Christentum zu tun haben, geschenkt. Ein bisschen Ignoranz sei erlaubt, sofern der mind danach richtig open ist.

Delikatessen

Der Gourmet hat mehr Küchenequipment als Tim Mälzer und findet auf Partys immer sehr schnell heraus, wer gleichgesinnt ist, weil er einfach nicht aufhören kann, über die Kunst der Fermentierung und den unnötigen Hype um BBQ Rubs zu faseln und so schnell in ein Expertengespräch hineinrutscht.

Weihnachten Drikns
Einem Menschen, der so etwas serviert, schenkt man keine Schoki vom Discounter.Bild: pexels / Anastasia Belousova

In der Weihnachtszeit ist er überaus beliebt, weil er leckere Adventsabende organisiert und sich so schön freut, wenn jemand sein selbstgebackenes Brot lobt. Als Adventskalender kommt für den Gourmet natürlich nur einer in Frage, der seine Gustatorik auf höherem Niveau stimuliert.

Gott sei Dank hat der Markt die Bedürfnisse dieses Menschen inzwischen erkannt und bietet Kalender mit Edel-Lakritzen, Gewürzmischungen, Nüssen oder sogar Wein an. So testet sich der Gourmet glückseelig durch den Advent und hat am Heiligen Abend eigentlich nur noch ein Problem: Das Gefühl, nie wieder einen Happen essen zu wollen.

Sextoys

"Hihi, du hast Pimmel gesagt", kichern Grundschüler weltweit. Doch es gibt Menschen, die aus dieser Phase nie vollständig hinauswachsen und auch heute noch alles, was mit Genitalien und Sex zu tun hat, schreiend komisch finden.

Diese Menschen freuen sich besonders, wenn sie zur Weihnachtszeit neben Putten auch pinke Penisringe und Handschellen in ihrem Wohnzimmer ausstellen können. Im Prinzip ist es ja ein naheliegender Gedanke, die kalte Adventszeit zu nutzen, um das sexuelle Repertoire zu erweitern.

Dildo
Nix, was man auf eine Weihnachtskarte drucken will.Bild: imago stock

Aber Vorsicht: Gute Produkte kosten richtig was. Wer auf den billigen Lacher setzt, könnte das bereuen. Denn dann rächt sich der Sparfimmel ("Hihi, du hast Fimmel gesagt") auf ganz besonders demütigende Weise, wenn die Produkte im entscheidenden Augenblick auseinanderfallen, den Geist aufgeben oder steckenbleiben.

"Nächstes Weihnachten setze ich auch auf unbefleckte Empfängnis", schwört sich der Anzügliche noch, bevor er kleine Weihnachtssternchen sieht. Und spätestens wenn er in der Notaufnahme den Unfallhergang erklären muss, ist ihm das Kichern ein für alle Mal vergangen.

Sex in offener Beziehung: Bereicherung oder Ausrede, um untreu zu sein?

Als monogames Paar fühlt man sich zuweilen wie ein Relikt aus der Steinzeit. Denn in Filmen, auf Blogs und im Freundeskreis gewinnt ein Beziehungsmodell auf den ersten Blick an begeistertem Zulauf: das Offene.

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