BERLIN, GERMANY - SEPTEMBER 16: In this screengrab, European Commission President Ursula von der Leyen speaks as part of SWITCH GREEN during day 1 of the Greentech Festival at Kraftwerk Mitte aired on ...
Die COP26 in Glasgow galt als die letzte Klimakonferenz, bei der das 1,5 Grad-Ziel noch zu erreichen gewesen wäre. Haben die Vertragsstaaten ihre Versprechen seitdem gehalten?Bild: Getty Images Europe / Getty Images
Analyse

watson-Zeugnis für die COP26: Welche Beschlüsse umgesetzt wurden – und welche nicht

06.11.2022, 08:5406.11.2022, 08:58

Den Weltklimagipfel COP26 in Schottland im vergangenen Jahr hielten viele Menschen für die letzte Chance, die Erderwärmung auf 1,5 Grad zu begrenzen. Als dementsprechend wichtig wurde die Konferenz auch gehandelt.

Köln: Enteignen statt Krise eine klimagerechte Zukunft aufbauen Demo Schild: Was kaufst du, wenn es keine Nahrungsmittel mehr gibt -Demonstration: Enteignen statt Krise eine klimagerechte Zukunft aufb ...
Demonstrierende machen auf die katastrophalen Auswirkungen der Klimakrise aufmerksam.Bild: imago images

Ein Jahr später, kurz vor Beginn der 27. Weltklimakonferenz in Ägypten, wollen wir einen Blick zurückwerfen und ein Fazit ziehen: Was wurde auf der letzten COP beschlossen – und was davon wurde tatsächlich eingehalten oder umgesetzt? Das watson-Zeugnis für die Zeit zwischen COP26 und 27:

Schrittweiser Ausstieg aus den Fossilen

  • Zum ersten Mal ging ein COP-Beschluss ausdrücklich auf fossile Brennstoffe und deren Subventionen ein: Die Länder einigten sich darauf, die Kohleverstromung schrittweise einzustellen und die ineffizienten Subventionen zu beenden.

watson-Fazit: mangelhaft

Dieser Beschluss wurde von der Welt als historisch gefeiert. Allerdings muss man im Kopf behalten, dass die Formulierung in letzter Minute auf Druck Chinas und Indiens abgeschwächt wurde.

Windkraftanlagen stehen auf einem Feld bei Paderborn. Die Ampelkoalition hat den Ausbau erneuerbarer Energien beschlossen. Danach sollen bis 2030 mindestens 11,5 Gigawatt aus Windenergie produziert we ...
Auf der COP26 in Glasgow haben die Länder einen schrittweisen Ausstieg aus den fossilen Energien beschlossen.Bild: imago images

Dazu kommt noch, dass der russische Angriffskrieg auf die Ukraine und die damit einhergehende Energiekrise eine Renaissance der fossilen Energieträger Öl, Kohle und Gas eingeläutet hat. Statt also "ineffiziente" Subventionen zu drosseln, wie in dem COP-Beschluss festgehalten, ist die staatliche Förderung der fossilen Energien einer Studie der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) und der Internationalen Energieagentur (IEA) zufolge drastisch gestiegen. Mit den steigenden Energiepreisen haben sich die staatlichen Subventionen 2021 von 362,4 Milliarden Euro auf 697,2 Milliarden Euro fast verdoppelt.

Selbst wenn sich die Energiewende beschleunigen sollte: Die steigenden staatlichen Subventionen für die fossilen Energieträger setzen ein trügerisches Zeichen und machen das 1,5 Grad-Ziel unerreichbar.

Das 100-Milliarden-Dollar-Versprechen

  • Hart von den Folgen der Klimakrise betroffenen Ländern wurde die Finanzierung von 100 Milliarden Dollar jährlich zugesagt sowie die Verdoppelung der Finanzierung von Anpassungsmaßnahmen bekräftigt.

watson-Fazit: mangelhaft

Schon 2009 in Kopenhagen haben die Industriestaaten zugesagt, ab 2020 und bis 2025 jährlich 100 Milliarden US-Dollar an Klimafinanzierung für Länder des globalen Südens zu mobilisieren. Dabei geht es zum Beispiel um Investitionen in den Klimaschutz, wie etwa in erneuerbare Energien. Die Finanzierung hat zum Ziel, die Kosten für den globalen Klimaschutz gerecht zu verteilen: Wirtschaftlich leistungsfähige Länder wie Deutschland, die die Erderwärmung primär verursacht haben, sind damit in der Pflicht, zu zahlen.

Die Klimafinanzierung soll ärmere Länder bei der Bewältigung der Folgen der Erderwärmung unterstützen.
Die Klimafinanzierung soll ärmere Länder bei der Bewältigung der Folgen der Erderwärmung unterstützen. bild: ute grabowsky / photothek.net

Um die Finanzflüsse im Blick zu behalten, wurde dafür 2010 ein Gremium eingerichtet: der ständige Finanzausschuss SCF (Standing Committee of Finance). Alle zwei Jahre legt er den Vertragspartnern eine Bewertung der Klimafinanzströme vor – um die Wirksamkeit der Finanzierung sicherzustellen. Kontrolliert und überwacht wird die Finanzierung von der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD).

Klimageld: Tropfen auf heißem Stein

Im Oktober 2021 rechnete die OECD damit, dass das 100-Milliarden-Dollar-Ziel 2023 erreicht wird – also drei Jahre später als ursprünglich angedacht. Doch selbst diese Prognose könnte sich als zu optimistisch herausstellen. Der Grund: Durch die Corona-Pandemie und den Krieg in der Ukraine wurden zusätzliche Mittel benötigt, die wiederum werden dann am Klimaschutz gespart. Dazu kommt noch, dass das Finanzwesen der Staaten legislatur- und konjunkturbedingten Schwankungen unterliegt.

Obwohl die 100 Milliarden Dollar nur ein Tropfen auf dem heißen Stein sind, haben die Industrienationen es bislang nicht geschafft, die Finanzmittel in der Summe bereitzustellen.

Angesichts der Vehemenz der Klimakrise ist die Nicht-Bereitstellung der vereinbarten Klimafinanzierung nicht nur ein Zeichen von falscher Prioritätensetzung. Sie stellt auch infrage, ob die Industriestaaten überhaupt verstanden haben, was auf dem Spiel steht.

Reduktion der CO2-Emissionen bis 2030

  • Die politische Abschlusserklärung der COP26 greift den IPCC-Bericht direkt auf und geht auf ihn ein: Demnach sollen die globalen CO2-Emissionen bis 2030 um 45 Prozent im Vergleich zu 2010 sinken.

watson-Fazit: Versetzung gefährdet

Bei der Verabschiedung des Pariser Klimaabkommens 2015 hatte sich die Weltgemeinschaft darauf geeinigt, die Erderwärmung auf möglichst 1,5 Grad und höchstens zwei Grad zu beschränken. Doch statt weniger bläst die Menschheit immer mehr CO2 in die Atmosphäre – allen Warnungen zum Trotz. Selbst 2020, als die Welt aufgrund der Corona-Pandemie fast stillstand, hat sich die Konzentration der Treibhausgase in der Atmosphäre erhöht, wie die Weltorganisation für Meteorologie (WMO) berichtete.

Klar aber ist: Die Ziele des Pariser Klimaabkommens werden verfehlt, wenn die Länder nicht radikal (!) nachsteuern. Schon jetzt ist absehbar, dass das 1,5 Grad-Ziel selbst bei einer 180-Grad-Kehrtwende zeitweise überschritten und nur dann erreicht werden kann, wenn es uns gelingt, CO2 aus der Atmosphäre zu ziehen – durch Wiederaufforstungsprojekte, die Wiedervernässung von Mooren oder Carbon Capture Storage. Dabei gilt das 1,5 Grad-Limit als Sicherheitslinie, um wichtige Kipppunkte des Weltklimasystems zu vermeiden.

Polar bear on ice floe. Melting iceberg and global warming. Climate change
Durch die steigende Erderwärmung schmelzen Eis und Gletscher – das ist nicht nur für Eisbären eine Gefahr. Bild: iStockphoto / NiseriN

Zwar würde die Weltgemeinschaft mit der auf der COP26 festgelegten CO2-Minderung von 45 Prozent bis 2030 im Vergleich zu 2010 zurück auf den 1,5 Grad-Pfad gelangen. Fakt aber ist: Das UN-Klimasekretariat erwartet, dass die Emissionen bis 2030 noch um 10,6 Prozent steigen werden. Diese Bewertung ist zwar etwas moderater als noch 2021 (damals ging das UN-Klimasekretariat von 13,7 Prozent aus), aber immer noch meilenweit entfernt von dem so dringend benötigten Minderungspfad. Das ist ein wahres Armutszeugnis.

Verringerung der Methanemissionen

  • Bis 2030 sollen die Methanemissionen um mindestens 30 Prozent im Vergleich zu 2020 verringert und verbindlich gemessen werden. Über 100 Länder schlossen sich der von der EU und den USA ausgearbeiteten Zusage an – darunter die Hälfte der 30 größten Verursacher von Methanemissionen.

watson-Fazit: mangelhaft

Methan ist ein hochaktives Treibhausgas, das zwar nicht so lange wie CO2 in der Atmosphäre verbleibt, kurzfristig aber 80-mal klimaschädlicher ist. Laut IPCC-Report ist Methan für etwa die Hälfte des Temperaturanstiegs von 1,2 Grad verantwortlich.

Für den Klimaschutz gilt die Methanreduktion daher als Schlüsselmaßnahme und verhältnismäßig leicht. Aber auch hier ist der Weltgemeinschaft ein Rückgang nicht gelungen – im Gegenteil: Die Konzentration von Methan in der Atmosphäre ist nach Angaben der WMO so hoch wie nie zuvor. Die heutige Methankonzentration entspricht demnach 262 Prozent des Niveaus vor Beginn der Industrialisierung.

Ziele der Methan-Reduktion werden wohl verfehlt

Auch die Gaslecks der beiden Nord-Stream-Pipelines, aus denen nach mutmaßlichen Sabotageaktionen Ende September schätzungsweise 300.000 Tonnen Methan austraten, tragen nicht dazu bei, die Emissionen zu senken. Einsparungen wären vor allem in der Landwirtschaft und der fossilen Industrie von Nöten.

Die Erhebung zeigt: Trotz politischer Bekenntnisse fehlt es an effektiven Maßnahmen. Auch die EU ist einem internen Dokument der Europäischen Kommission zufolge, das dem US-Medienunternehmen "Bloomberg" zugespielt wurde, dabei, die eigenen Ziele deutlich zu unterschreiten. Ohne strengere Regulierungen im Agrarsektor sei bis 2030 damit derzeit nur von einer Reduktion um 23 Prozent auszugehen. Schwache Leistung!

Sozialverhalten:

Entspricht den Erwartungen mit Einschränkungen.

Arbeitsverhalten:

Entspricht den Erwartungen.

Würde die Weltgemeinschaft zur Schule gehen, wäre ihre Versetzung wohl gefährdet: Zwar klingen die Pläne der Vertragsstaaten nach Jahren der Untätigkeit ehrgeizig, ihre Umsetzung aber erfolgt nur mit großen Einschränkungen. Zudem reichen sie ihre Arbeitsaufträge (noch immer ungenügend) mit großer Verspätung ein – wenn überhaupt.

Wie zeitgemäß ist das Dschungelcamp in Zeiten der Klimakrise noch?

Seit 18 Jahren heißt es für zehn bis zwölf Prominente in fast jedem Jahr seit 2004: Ab ins Dschungelcamp! Unter ständiger Beobachtung durch Fernsehkameras und ein Millionenpublikum leben die Stars bis zu zwei Wochen am Rande des australischen Dschungels. Ihr Ziel: Möglichst lange im Camp zu bleiben, um zur Dschungelkönigin oder zum Dschungelkönig gewählt zu werden.

Zur Story