Nachhaltigkeit
Mülheim a. d. Ruhr (03.06.2020) Unter der Eigenmarke Crane Pure bietet ALDI SÜD ab dem 10. Juni einen klimaneutralen Sneaker an, der zum Teil aus recycelten PET-Flaschen hergestellt wird. Die durch Produktion, Transport und Vertrieb anfallenden CO²-Emissionen werden durch ein zertifiziertes Klimaschutzprojekt ausgeglichen. Der Schuh ist in drei Designs erhältlich und kostet je 12,99 Euro.

Klimaneutral und teilweise aus recycelten PET-Flaschen hergestellt: die neuen Sneaker von Aldi Süd. Bild: (C) ALDI SÜD

Analyse

Aldi verkauft klimaneutrale Sneaker für 13 Euro – wie kann das funktionieren?

Klimaneutral, mit einem Umweltsiegel zertifiziert und teilweise aus recycelten PET-Flaschen produziert: Auf den ersten Blick hat der klimaneutrale Sneaker von Aldi Süd alles, was ein nachhaltiges Produkt ausmacht. In drei Farbdesigns gibt es die Sneaker der Eigenmarke Crane Pure ab dem 10. Juni die Sneaker in den Filialen von Aldi Süd zu kaufen – für gerade einmal 12,99 Euro pro Paar. Den Umweltschutz gibt es also zum ganz kleinen Preis. Aldi möchte damit laut Pressemitteilung "ein Zeichen für mehr Klimaschutz und zur Förderung der Kreislaufwirtschaft" setzen.

Man muss allerdings kein 15-Punkte-Mathe-Abi hingelegt haben, um daran zu zweifeln, dass ein wirklich klimaneutraler Schuh für 13 Euro produziert und verkauft werden kann. Normalerweise kratzen nachhaltig und fair produzierte Sneaker schließlich eher an der 100-Euro-Grenze. Wie kann Aldi da einen so viel billigeren Schuh in die Läden bringen?

Die Lösung: Herstellung, Transport und Vertrieb des Sneakers sind nicht per se klimaneutral. Aldi Süd gleicht stattdessen die entstandenen CO2-Emissionen aus, indem es gemeinsam mit dem Lieferanten und ClimatePartner ein Klimaschutzprojekt in Kambodscha unterstützt. Dort werden subventionierte Keramik-Wasserfilter-Systeme verkauft, durch die das Abkochen von Trinkwasser nicht mehr nötig ist. So werden Brennholz, Kohle und infolgedessen CO2-Emissionen eingespart.

Eher schwaches Siegel

Zudem soll das GRS-Siegel (Global Recycled Standard) laut Aldi Süd sicherstellen, "dass die sozialen, ökologischen und chemischen Vorschriften in der Produktion erfüllt werden". "Darunter fallen unter anderem die Einhaltung der Arbeitsbedingungen gemäß der ILO Kernarbeitsnormen und das Arbeiten mit einem Umweltmanagementsystem", teilte das Unternehmen auf Anfrage von watson mit. Dem Portal Siegelklarheit zufolge ist GRS allerdings ein eher schwaches Siegel, dessen Fokus auf der Herstellung der verwendeten Fasern liege und bei dem die Zwischenstufen der Verarbeitung und das Endprodukt nicht kontrolliert würden.

Alle Produkte, die zu mindestens 20 Prozent aus recycelten Materialien bestehen, dürfen sich mit dem Siegel schmücken. "Es lässt sich deshalb nicht mit Standards vergleichen, deren Anliegen der Schutz der Umwelt oder die Verbesserung der Arbeitsbedingungen ist", lautet das Urteil von Siegelklarheit.

Tatsächlich bleibt der Kunde bei den Aldi-Sneakern im Unklaren darüber, wie viel Prozent des Sneakers aus den recycelten PET-Flaschen besteht. Aldi Süd teilte gegenüber watson aber mit, dass pro Paar Schuhe etwa 3,5 PET-Flaschen verwendet werden.

Günstig und nachhaltig?

Aldi Süd agiert eigenen Angaben zufolge bereits seit 2017 klimaneutral und investiert in die Verbesserung der Energieeffizienz von Filialen und Logistik. Alle nicht vermeidbaren Emissionen werden demnach durch die Unterstützung von Klimaschutzprojekten ausgeglichen. Im Frühjahr hatte der Discounter sein erstes klimaneutrales Produkt im Sortiment: ein Kaffee aus Honduras. Im Laufe des Jahres sollen weitere klimaneutrale Produkte folgen.

Und nun eben die Sneaker zum Schnäppchenpreis. Klar, Umweltschutz sollte für jeden erschwinglich und kein Privileg der Oberschicht sein. Der günstige Preis könnte aber auch dazu führen, dass einfach on top das fünfte Paar Sneakers geshoppt wird – und das wäre wiederum gar nicht klimafreundlich.

Dass sich Aldi Süd Gedanken um Umweltschutz und Klima macht, recycelte Materialien verwendet und die entstandenen Emissionen ausgleicht, ist trotzdem ein guter Anfang. Wer einen durch und durch nachhaltigen und unter fairen Bedingungen produzierten Sneaker kaufen möchte, muss aber weiter suchen.

(ftk)

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