Der Lockdown in China hat auch positive Auswirkungen – auch wenn die negativen dadurch nicht aufgewogen werden.
Der Lockdown in China hat auch positive Auswirkungen – auch wenn die negativen dadurch nicht aufgewogen werden.
Bild: imago/ Cheng Min

Corona: China zeigt, dass die Ausgangssperre Leben retten könnte – aber anders als gedacht

21.03.2020, 10:4528.09.2020, 12:57

Die Ausgangssperre ist in der Corona-Pandemie eine drastische Maßnahme, um Menschen vor weiteren Ansteckungen zu schützen. Sie hat wahrscheinlich nicht nur positive Auswirkungen auf die Infektionskurve – selbst wenn das noch nicht endgültig bewiesen worden ist – sondern auch auf unsere Umwelt. In einem "Forbes"-Artikel geht es nun um die Frage: Kann die Ausgangssperre mehr Leben durch daraus resultierende verringerte Luftverschmutzung retten, als Menschen wegen Covid-19 sterben?

Selbst wenn die negativen Folgen nicht außer Acht gelassen werden dürfen: Die positiven Auswirkungen auf unsere Umwelt durch die Maßnahmen gegen das Coronavirus sind spürbar. Das Wasser in den venezianischen Kanälen wird wieder klar und von Wassertieren zurückerobert. In China wurden die CO2-Emissionen um ein Viertel verringert. Konnte man durch diese Verringerung Leben retten?

Jährlich 1 Million Tote in China durch Luftverschmutzung

Laut dem Wissenschaftler François Gemenne vom Hugo Observatorium in Liège, Belgien sterben jährlich allein in Frankreich 48.000 Menschen an den Folgen der Luftverschmutzung. In China sind es eine Million Tote. Die WHO veranschlagt jährlich sogar sieben Millionen Tote, die allein aufs Konto unserer Luftverschmutzung gehen.

Gemenne im Interview

Gemenne beantwortet die Frage, warum wir mehr finanzielle Mittel aufwenden, um das Coronavirus zu stoppen als den Klimawandel.

Der Wissenschaftler Marshall Burke von der Universität Stanford in den USA, der hauptsächlich zum Klimawandel forscht, hat jüngst in einem Blog-Beitrag berechnet, wie viele Menschenleben in China nun durch die Ausgangssperre vermutlich gerettet werden könnten, weil sich die Luftqualität verbessert hat: Laut seiner Prognose könnten das über 77.500 sein.

Burke sagt:

"Zwei Monate der reduzierten Luftverschmutzung konnten die Leben von 4000 Kindern unter 5 Jahren retten, sowie von 73.000 Erwachsenen über 70."

Angesichts der Krise, die die Welt wegen des Coronavirus erlebt, ist es schwierig, von positiven Auswirkungen zu sprechen – zumal die Pandemie noch nicht vorbei sind. Der verbesserte Luftverschmutzungswert ist messbar, die Anzahl geretteter Menschenleben dadurch bisher nur schätzbar.

Burke fasst noch einmal zusammen:

"Es wäre unkorrekt und vermessen zu sagen, dass Pandemien gut für unsere Gesundheit seien. Ich betone noch einmal: Die Zahlen geben nur Ausschlüsse über positive Effekte verringerter Luftverschmutzung. Sie stehen nicht im Zusammenhang mit anderen kurz- oder langfristigen negativen Auswirkungen (...). Die Berechnung deckt möglicherweise oftmals versteckte gesundheitliche Risiken auf, die uns im Normalfall umgeben. Sie führt uns den Preis vor Augen, den wir normalerweise für unsere Gesundheit zahlen, weil wir Dinge nun einmal tun, wie wir sie tun."

(joey)

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