Nachhaltigkeit
Good News

Studie zeigt: Seegras holt Plastikmüll wieder aus dem Meer

Sunlight streaks through a magnificent kelp forest. This underwater image was taken with a Nikonos V professional underwater camera system.
Seegraswiesen bieten zahlreichen kleinen Lebewesen Schutz.Bild: iStockphoto / jfybel
Good News

Studie zeigt: Seegras holt Plastikmüll wieder aus dem Meer

19.01.2021, 11:14
Mehr «Nachhaltigkeit»

Dass unsere Weltmeere ein riesiges Plastikmüllproblem haben, ist allgemein bekannt. Im letzten Jahr haben Forscher sogar die Vermutung geäußert, dass sich mittlerweile mehr Mikroplastik als Plankton im Meer befindet. Umso größer ist die Freude über die neueste Entdeckung eines Forschungsteams aus Barcelona: Laut den Wissenschaftlern könnte Seegras dabei helfen, Plastikmüll aus den Weltmeeren zu entfernen.

Das Forscherteam rund um die Meeres-Biogeochemikerin Anna Sanchez-Vidal hat an vier Stränden auf Mallorca Untersuchungen angestellt. Dort wachsen am Meeresgrund ganze Wiesen aus Seegras, die vielen kleinen Lebewesen Schutz bieten.

Die in der Wissenschaftszeitschrift "Scientific Reports" veröffentlichten Studie zeigt, dass das Seegras aber noch einen ganz anderen Nutzen hat: Der Plastikmüll sammelt sich in den Seegraswiesen und bildet gemeinsam mit Seegrasresten braune, faserige Kugeln. Die sogenannten Neptunbälle oder Seebälle werden dann an den Strand gespült – und transportieren den Müll so wieder aus dem Wasser.

Bildnummer: 59448393 Datum: 05.05.2012 Copyright: imago/blickwinkel
Neptunsgras, Neptungras, Poseidonsgras, Poseidongras (Posidonia oceanica), Spuelsaum mit Seebaellen, Spanien, Balearen, Mallorca, A ...
So sehen die faserigen Neptunbälle aus. bild: imago images

Laut der Studie wurden in 198 Neptunbällen 17 Prozent Plastikabfälle nachgewiesen. In jedem Kilogramm Neptunbälle befanden sich bis zu 1470 Plastik- und Mikroplastikteile. Ausgehend von diesen Daten berechneten die Forscher, dass Neptunbälle im Mittelmeer bis zu 867 Millionen Plastikteilchen pro Jahr binden und aus dem Meer befördern könnten. Auch aus diesem Grund sollten die Seegras-Wiesen geschützt werden.

Nach Angaben der Wissenschaftler seien die Seegras-Flächen im Mittelmeer seit 1960 um 13 bis 50 Prozent geschrumpft, unter anderem wegen Fischerei und durch die Folgen des Klimawandels. Darum stehen in Mallorca mittlerweile 650 Quadratkilometer Seegraswiesen unter verstärktem Schutz. Dadurch, dass sie Plastikmüll binden, erfüllen sie einen wesentlichen Zweck und helfen, gegen die Meeresverschmutzung anzukämpfen.

An Land können die Neptunbälle sogar nutzbar gemacht werden: Aus ihnen lässt sich ein ökologischer Dämmstoff für Fassaden, Dächer, Wände und Fußböden herstellen, wie eine Untersuchung des Fraunhofer-Instituts für Bauphysik in Stuttgart ergab.

(sb)

Zum Schutz der Tiere: Wildpark in Australien erlässt Koala-Kuschelverbot

Sie sind neben Kängurus und Krokodilen wohl das tierische Aushängeschild Australiens: Koalas. Nur, im Gegensatz zu den anderen beiden Geschöpfen haben Koalas ein handliches Kuschelformat, keine gefährlichen Zähne und keine kleinen Boxfäuste, vor denen man sich in Acht nehmen müsste.

Zur Story