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Globale Ernährungswende würde Gewinne in Höhe von Billionen US-Dollar erzielen

Eine Umstellung der Agrar- und Ernährungssysteme hat Vorteile für Menschen und Klima.
Eine Umstellung der Agrar- und Ernährungssysteme hat Vorteile für Menschen und Klima.Bild: Aniket Gawade / Climate Visuals Countdown
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Globale Ernährungswende würde Gewinne in Höhe von Billionen US-Dollar erzielen

31.01.2024, 15:55
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Eine Umstellung auf weltweit nachhaltigere Agrar- und Ernährungssysteme könnte laut einer umfassenden Wirtschaftsstudie bis zu zehn Billionen Dollar sparen, indem es die Gesundheit der Menschen verbessert und die Klimakrise lindert.

Der Grund: Aufgrund versteckter ökologischer Kosten, etwa durch den hohen Konsum an Fleisch und tierischen Produkten sowie einhergehenden medizinischen Kosten, würde das aktuelle System mehr Werte vernichten als schaffen.

Nahrungsmittelproduktion heizt Klimawandel an – und Kosten explodieren

Das hat unter anderem mit dem Verlust der biologischen Artenvielfalt, dem Auslaugen der Böden, der Produktion nicht-effizienter Lebensmittel zu günstigen Preisen sowie den damit einhergehenden Folgen für die Gesundheit der Menschen und ihrer Mitwelt zu tun. Zudem wird die Nahrungsmittelproduktion zusätzlich anfällig für die Folgen der Klimakrise, weil auch die Wahrscheinlichkeit für Extremwetter-Ereignisse zunimmt.

Die Kosten durch Wiederaufbau und ausbleibende Ernten schießen in die Höhe. Denn damit nimmt die Welt quasi einen Kredit bei der Zukunft auf, um jetzt Gewinne zu erzielen: Weil die Schäden und Folgekosten durch das derzeitige Agrar- und Ernährungssystem so hoch sind, würde eine globale Umstellung zum nachhaltigen Wirtschaft Billionen US-Dollar sparen.

Die derzeitigen Lebensmittelsysteme sind für rund ein Drittel der weltweiten Treibhausgasemissionen verantwortlich. Damit trägt unsere Ernährung vehement dazu bei, die Erderhitzung voranzutreiben – ein Teufelskreis.

Laut Studie: 2050 könnten 640 Millionen Menschen untergewichtig sein

Denn die höheren Temperaturen und extremen Wetterphänomene führen auch zu immer größeren Ernteschäden, was wiederum die medizinischen Systeme belastet, wie der "Guardian" berichtet.

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Machen wir weiter wie bislang, sollen 2050 der Studie zufolge 640 Millionen Menschen untergewichtig sein, während gleichzeitig die Fettleibigkeit um 70 Prozent zunehmen wird.

Der Bericht stammt von der Food System Economics Commission (FSEC), einer unabhängigen akademischen Kommission, die politische und wirtschaftliche Entscheidungsträger:innen mit Fakten ausstatten soll, um die Ernährungs- und Landnutzungssysteme zu verändern. Die Ergebnisse bauen auf jahrelangen Studien auf, einschließlich des EAT-Lancet-Berichts.

Zwar sei eine Neuausrichtung unseres Nahrungsmittelsystems eine politische Herausforderung, allerdings würde sie enorme wirtschaftliche und soziale Vorteile mit sich bringen, wie das internationale Autor:innenteam der Studie erklärte. Der Direktor des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung und Mit-Autor der Studie, Johan Rockström, betonte:

"Das globale Ernährungssystem hält die Zukunft der Menschheit auf der Erde in seiner Hand."
ACHTUNG: SPERRFRIST 16. OKTOBER 18:57 UHR. - ARCHIV - 03.09.2022, Somalia, Mogadischu: Maryan Madey, die aus der von Dürre heimgesuchten Region Lower Shabelle geflohen ist, hält ihre unterernährte Toc ...
Millionen von Menschen weltweit sind unterernährt.Bild: AP / Farah Abdi Warsameh

So wollen Forschende unser Nahrungssystem für Vorteile umstellen

Die Autor:innen der Studie schlagen vor, Subventionen und steuerliche Anreize weg von zerstörerischen und großflächigen Monokulturen zu verlagern, die auf Düngemittel, Pestizide und Waldrodungen angewiesen sind. Stattdessen sollten finanzielle Anreize für Kleinbauern geschaffen werden, die landwirtschaftliche Betriebe in Kohlenstoffsenken umwandeln und Platz für Wildtiere und Insekten schaffen.

ARCHIV - 08.09.2016, Brandenburg, Petersdorf: Ein Landwirt fährt abends mit einer Pestizid- und Düngerspritze über ein Feld. Die Ernährungssicherheit wird laut EU-Kommission durch einen geringeren Pes ...
Monokulturen und Pestizide wirken sich negativ auf die Umwelt aus.Bild: dpa-Zentralbild / Patrick Pleul

Insgesamt schätzen die Forschenden die angestrebten Umstellungen auf Kosten in Höhe von 0,2 bis 0,4 Prozent des globalen Bruttoinlandprodukts (BIP) pro Jahr ein.

Neben den Investitionen in grüne Technologien zur Steigerung der Effizienz ist die Umstellung unserer Ernährung ein weiteres Schlüsselelement im Kampf gegen die Erderhitzung.

1,5-Grad-Ziel bei Umbau des Ernährungssystems doch noch möglich

Und nicht nur das – weitere große Ziele könnten der Studie zufolge erreicht werden, wenn es gelänge, die Ernährungsunsicherheiten durch eine Umstellung der Systeme zu reduzieren:

  • Unterernährung könnte bis 2050 ausgerottet werden
  • Der frühzeitige Tod von 174 Millionen Menschen könnte verhindert werden
  • 400 Millionen Landwirt:innen und Arbeiter:innen könnten ein ausreichendes Einkommen erzielen
  • Und: Die Umstellung könnte wesentlich dazu beitragen, die globale Erderhitzung auf 1,5 Grad gegenüber dem vorindustriellen Niveau zu begrenzen und den Stickstoffausstoß aus der Landwirtschaft zu halbieren

15 Billionen Dollar versteckte Kosten durch schädliches Ernährungssystem

Die Studie schätzt die versteckten Kosten von Lebensmitteln, einschließlich der daraus resultierenden Folgen der Klimakrise, der menschlichen Gesundheit, Ernährung und der natürlichen Ressourcen auf 15 Billionen Dollar. Diese Berechnungen decken sich mit einem Bericht der Vereinten Nationen aus dem vergangenen Jahr, in dem die inoffiziellen Kosten für die Landwirtschaft bis 2020 auf weltweit mehr als zehn Billionen Dollar geschätzt wurden.

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Um Tierfutter anzupflanzen, wird Regenwald gerodet.Bild: imago images/Joerg Boethling

Wie viele gesundheitliche und klimatische Vorteile eine Umstellung auf eine pflanzliche Ernährung mit sich bringen würde, zeigen zahlreiche Studien.

Sollten die bislang nicht berücksichtigten Kosten für Umwelt und Gesundheit tatsächlich in den Preis für etwa Rindfleisch einfließen, geht Studien-Autor Johan Rockström davon aus, dass auch die Nachfrage zurückgehen würde.

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