Nachhaltigkeit
Close-up and macro shot of a bee foraging on a blue thistle (eryngium planum) in a garden. Honey can been seen on the bee's legs and pollen all around.

Wissenschaftler haben berechnet, welche wirtschaftlichen Folgen es hätte, wenn Insekten von einem Tag auf den anderen plötzlich verschwunden wären. Bild: Moment RF / © Frédéric Collin

Gute Nachricht

Bienen & Käfer leisten Enormes: So viel Geld erwirtschaften Insekten im Jahr

Keine vollen Obstbäume, kein Summen über der Wiese, keine blühenden Sträucher und keine vollen Supermarktregale: Wissenschaftler von der Universität Hohenheim haben simuliert, wie eine Welt ganz ohne Insekten aussehen würde. Schließlich tragen diese tagein tagaus Pollen von Blüte zu Blüte und sichern damit nicht nur unsere Ernährung, sondern auch die Entwicklung der Natur.

Das Ergebnis: Das Insektensterben verursacht neben einem enormen ökologischen Schaden auch dramatische finanzielle Konsequenzen. In der im Fachmagazin "Ecological Economics" veröffentlichten Studie berechnen die Forscher, dass die Gesellschaft allein in Deutschland bei einem plötzlichen Wegfall aller bestäubenden Insekten rund 3,8 Milliarden Euro im Jahr verlieren würde. Weltweit geht eine Billion US-Dollar – das entspricht etwa einem Prozent des weltweiten Bruttoinlandsprodukts – auf die Bestäubungsarbeit von Tieren zurück.

In Deutschland und Europa sind es vor allem die sprichwörtlich fleißigen Bienen, die diese Arbeit leisten, aber auch Käfer, Schmetterlinge und andere Insekten tragen dazu bei. In den Tropen verteilen auch Fledermäuse und Kolibris Pollen.

Ihr Einfluss ist enorm: Bei Äpfeln und Kirschen, schreiben die Wissenschaftler, seien 65 Prozent des Ertrags der Bestäubung durch Tiere zu verdanken, beim Kürbis sind es sogar 95 Prozent. Reis und Weizen dagegen sind Wind- oder Selbstbestäuber und brauchen keine Hilfe von Insekten. Dennoch: bei deren Wegfall würde es zu Ernteausfällen und in der Folge zu höheren Preisen kommen.

Verbraucher würden Kosten tragen

Bislang wurden solche Schätzungen unter der Annahme getroffen, dass sich die Agrarsysteme langfristig an das Insektensterben anpassen. "Das ist aus unserer Sicht jedoch nicht korrekt, weil die langfristigen Anpassungsreaktionen sowohl der Agrarökosysteme als auch von Angebot und Nachfrage nicht absehbar sind", schreibt Christian Lippert vom Fachgebiet Produktionstheorie und Ressourcenökonomik im Agrarbereich in einer Mitteilung der Universität. Deshalb habe man den wirtschaftlichen Verlust für das Jahr unmittelbar nach dem hypothetischen Ausfall aller Bestäuber simuliert.

Danach könnten Anpassungsmaßnahmen – etwa der Anbau windbestäubender Sorten oder mechanische Fremdbestäubung – den Schaden verringern. Diesen Mehraufwand müssten jedoch auch die Verbraucher bezahlen. "Die Landwirte können geringere Erträge bis zu einem gewissen Grad durch höhere Preise kompensieren" so Lippert. "Aber der Verbraucher verliert auf jeden Fall, da er die gestiegenen Preise bezahlen muss." Hinzu kämen die noch weit größeren ökologischen Schäden.

Wenngleich ein plötzlicher Wegfall sämtlicher Insekten eine reine Simulation bleibt, ist das schrittweise Insektensterben bereits in vollem Gange. Eine Studie aus dem Jahr 2017 berechnete, dass die Menge der Insekten im Rheinland innerhalb von 27 Jahren um drei Viertel zurückging.

Dabei kann durchaus etwas gegen das Insektensterben unternommen werden. Die errechneten 3,8 Milliarden Euro, die die Insekten in Deutschland erwirtschaften, würden den Hohenheimer Wissenschaftlern zufolge ausreichen, um auf der Hälfte der landwirtschaftlichen Flächen in Deutschland biodiversitätsfördernde Agrarumweltprogramme zu finanzieren.

(ftk)

Gute Nachricht

Umweltmaßnahmen zahlen sich aus: Berliner Luft wird deutlich sauberer

Der Smog der Großstädte ist eine echte Katastrophe fürs Klima und für die Gesundheit der Bewohner. Doch es lässt sich ein positiver Trend beobachten: Immer mehr deutsche Städte bleiben unter den Stickoxid-Grenzwerten. Auch in Berlin ist die Belastung durch Stickstoffdioxid und Feinstaubpartikel 2019 stark zurückgegangen, wie der Jahresbericht der Senatsumweltverwaltung zeigt. Für diese beiden Schadstoffe wurden die niedrigsten Immissionsbelastungen seit Beginn der Messungen im Berliner …

Artikel lesen
Link zum Artikel