Die Blumen natürlich wachsen lassen, ohne Zugabe von Pestiziden, das ist Anhängern der Slowflower-Bewegung besonders wichtig.
Die Blumen natürlich wachsen lassen, ohne Zugabe von Pestiziden, das ist Anhängern der Slowflower-Bewegung besonders wichtig.
Bild: Moment RF / rbkomar

Slowflower-Bewegung: Was nachhaltige Blumen bringen sollen

10.04.2021, 17:0811.04.2021, 08:56

Slow Food, den Begriff haben viele vielleicht schon mal gehört. Gemeint ist damit das Gegenteil von Fastfood: genussbetontes Essen mit regionalen Lebensmitteln. Das gleiche Prinzip gibt es auch für Pflanzen und Blumen. Die Bewegung namens Slowflower nimmt gerade Fahrt auf. Ihr Ziel: Regionalität, Saisonalität und Natürlichkeit in die Blumenbranche bringen. Doch was soll falsch sein mit den konventionellen Schnittblumen, die wir in unserer Lieblingsblumenhandlung um die Ecke oder im Supermarkt kaufen?

Watson hat mit Imke Glaser, einer der Gründerinnen der deutschen Slowflower-Bewegung gesprochen. Sie erklärt, was es mit den Slowflowers auf sich hat: "Wir wollen, dass die Blumen ohne Pestizide wachsen. Es werden keine mineralischen Dünger benutzt und vor allem sollen die Blumen im Rhythmus der Jahreszeiten wachsen. Das heißt, dass die Blumen dann zu den Kundinnen und Kunden kommen, wenn sie auch blühen." Tulpen im Oktober sind demnach tabu. Glaser und ihre Partnerinnen von Slowflowers wollen strikte Regionalität und Saisonalität umsetzen.

"Konventionelle Blumen sind oft mit Unmengen an Pestiziden bespritzt. Und bisher gibt es noch keine strengen Richtlinien, die das verhindern", sagt Glaser. Was die Blumenfarmerin so beunruhigt, lässt auch Umweltschützer und -verbände wie BUND, Greenpeace oder WWF nicht kalt. Sie alle warnen davor, dass viele der Blumen, die wir kaufen, echte "Chemiecocktails" seien.

Die Mitglieder der Slowflower-Bewegung wollen etwas verändern.
Die Mitglieder der Slowflower-Bewegung wollen etwas verändern.
bild: imke glaser

Pestizide auf dem Küchentisch

Pestizide seien nicht nur schlecht für die Pflanzen, sondern auch gefährlich für die Bauern und die Verbraucher, warnt der BUND. Was als Pflanzenschutzmittel bezeichnet wird, beinhaltet oft Stoffe wie Glyphosat, die laut manchen Studien schon in geringer Dosis Störungen der Fruchtbarkeit oder auch ein erhöhtes Brustkrebsrisiko zur Folge haben könnten. Eine neue Studie belegt zudem, dass einige Pestizide heute noch giftiger für bestimmte Insekten und Pflanzen sind als noch vor ein paar Jahren.

Besonders problematisch sei die Verwendung von Pestiziden bei der Blumenzucht, weil Blumen oft als Geschenk dienen, meint Glaser. "Wir verschenken Blumen oft an kranke Menschen, oder zum Beispiel, wenn ein Baby geboren wird. Oder wir stellen uns einen Blumenstrauß auf den Küchentisch. Das sind Situationen, in denen man keine giftigen Stoffe um sich haben möchte."

Natürlicher Anbau, hochwertige Produkte

Die Mitglieder der Slowflower-Bewegung wollen ohne solche Stoffe auskommen und so ein zu 100 Prozent natürliches Produkt an ihre Kundinnen und Kunden weitergeben. Das beginnt schon beim Boden, in dem die Blumen gedeihen. Glaser arbeitet auf ihrer Mayda Blumenfarm in Berlin nach der No-Till-Methode:

"Wir lassen den Boden so weit es geht in Ruhe – graben also nur, wenn wir es müssen und pflügen gar nicht. Wir wollen den Boden nicht auslaugen, sondern anreichern über die Jahre, denn dort gibt es ein unglaublich faszinierendes und auch komplexes Netzwerk von Kleinstlebewesen und das wollen wir nicht stören, sondern uns zunutze machen."

Sogar den Dünger für ihre Blumen stellen sie und ihr Mann aus den eigenen Pflanzenresten selbst her. So wirtschaften die beiden nachhaltig in Kreisläufen.

So sehen die Blumen aus, die in der Mayda Blumenfarm entstanden sind
So sehen die Blumen aus, die in der Mayda Blumenfarm entstanden sind
bild: imke glaser

Regionalität & Saisonalität sind gut fürs Klima

Die Slowflowers sollen nicht nur pestizidfrei angebaut werden, sondern auch regional und saisonal. Das ist auch gut fürs Klima: Es werden die langen Lieferwege gespart, die viele Blumen hinter sich haben, bis sie in Deutschland ankommen. Die meisten Blumen, die wir hier kaufen, kommen aus afrikanischen Staaten oder Ecuador – um sie frisch zu halten, müssen zudem laufend Kühlketten eingehalten werden. Darum ist ihre CO2-Bilanz am Ende ziemlich mies. Und auch die Arbeitsbedingungen in den Herkunftsländern der Blumen sind oft problematisch.

Die Slowflowers dagegen sollen aus der Region kommen. Daraus ergäben sich noch andere Vorteile, meint Glaser: "Wenn man die langen Lieferwege und Kühlketten umgeht, kann man Sorten anbauen, die sonst gar nicht möglich wären. Dabei entstehen besondere Farben und Formen und es muss nicht alles perfekt gerade gewachsen sein, die Blumen dürfen wild sein und lebendig aussehen."

Genauso wie Slow Food sollen auch die Slowflowers für mehr Wertschätzung des Produktes sorgen. Auf der Website der Bewegung heißt es: "Viele Menschen achten heute darauf, woher ihr Essen kommt und wie es hergestellt wurde, doch im Bereich Schnittblumen und Floristik gibt es da ein großes Ungleichgewicht." Das liegt auch daran, dass es bei Blumen keine Herkunftskennzeichnungspflicht wie bei Lebensmitteln gibt. Die Slowflower-Bewegung will in diesem Bereich für mehr Transparenz sorgen.

Imke und Reuben Glaser betreiben zusammen eine Blumenfarm in Berlin-Pankow.

Einen Trend dazu, mehr über die Herkunft der Blumen erfahren zu wollen, erkennt Glaser bei ihren Kundinnen und Kunden jedenfalls eindeutig:

"Die Themen Regionalität und Saisonalität rücken auch bei Blumen immer mehr ins Bewusstsein der Menschen. Ich persönlich glaube auch, dass die Pandemie viel verändert hat. Die Wertschätzung von regionalen Produkten ist, glaube ich, gestiegen. Auch das Bedürfnis, etwas aus der Region zu holen und Natur ins eigene Leben zu bringen."

Wer sich für die nachhaltige Blumenzucht interessiert, findet übrigens auf der Slowflower-Website eine Karte, die anzeigt, wo in der eigenen Region nach den grünen Standards der Bewegung angebaut wird.

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