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Adidas-Skandal auf der Fashion Week Berlin: Aktivisten legen Besucher rein

Saarbr
Auf der Berlin Fashion Week kam es am Montag zu einem Skandal für Adidas.Bild: www.imago-images.de / Becker&Bredel
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"Stell dich der Realität!": Protestaktion erschüttert Berlin Fashion Week

17.01.2023, 15:09
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Mit einem Knall ist die Berlin Fashion Week 2023 am Montag gestartet: Angekündigt war für den ersten Abend unter anderem die "Adidas Reality Wear Show", mit einem Rebranding der Marke – und der Ernennung einer neuer Co-CEO.

Die Berliner Modeszene versammelte sich also gespannt um den Catwalk. Doch statt sportlicher Mode und trendigen Sneakern wurde das Mode-Publikum mit den Horrorfolgen ihrer eigenen Branche konfrontiert:

Die Schattenseiten von Adidas

Denn plötzlich liefen, stolperten und krochen Models wie Zombies mit zerrissenen, heruntergekommenen Adidas-Outfits, Schürfwunden und Adidas-Brandzeichen auf der Wange über den Laufsteg. Eine von ihnen hielt ein Kleinkind in schmutzigem Adidas-Hoodie in den Armen.

Parallel dazu wurde die Arbeiterin Vay Ya Nak Phoan aus Kambodscha auf den Catwalk gebeten: Sie sei einst in einer Textilfabrik in Kambodscha angestellt gewesen, bis sie als Whistleblowerin und Journalistin die unterirdischen Arbeitsbedingungen des Konzerns öffentlich anprangerte.

"Endlich lassen wir die Menschen von ganz unten bei uns an die Spitze."
Aktivist Mike Bonanno

Daraufhin habe Adidas sie zur Co-Geschäftsführerin ernannt, gleich solle sie ihre Unterschrift neben die von Bjorn Guldens (CEO von Adidas) unter das verbindliche "Pay Your Workers Agreements" setzen. Adidas wolle jetzt unter dem Motto "Own your Reality" Verantwortung übernehmen und der Ausbeutung von Arbeiter:innen in Textilfabriken endgültig ein Ende setzen, erklärt der Kommentator, Mike Bonanno: "Endlich lassen wir die Menschen von ganz unten bei uns an die Spitze."

Doch damit nicht genug: Es wird eine neue Adidas-Modelinie von ihr in Kooperation mit den Promis Pharrell Williams, Bad Bunny und Philllllthy angekündigt, "die daran erinnert, wo die Klamotten herkommen". Die "Reality Wear" sei dazu extra sechs Monate von den Arbeiter:innen in den Fabriken getragen worden. Heute auf dem Laufsteg würden Fabrikarbeiter:innen aus Kambodscha sie vorführen.

Die Modeshow ist ein Fake – eine Guerilla-Aktion.

Wie der "Guardian" zuerst berichtete, steht offenbar die Aktivistengruppe "The Yes Men" hinter der Kampagne.

Seit Jahren demaskiert sie unter Leitung eines Mannes, der sich Mike Bonanno nennt, das Marketing von großen Marken und Konzernen mit Fake-PR-Aktionen, um so auf Missstände aufmerksam zu machen. Dieses Mal war der Konzern Adidas mit seinen Missständen in den Textilfabriken an der Reihe. "Adidas versucht nach außen hin grün und progressiv zu sein. Aber hinter den Kulissen sind sie nicht besser als andere Firmen", erklärt Bonanno nach Angaben der "Berliner Zeitung" das Motiv der Skandal-Show.

Mit der "Kampagne für saubere Kleidung" wollen die Aktivist:innen die ungerechten Zustände in den Lieferketten von Adidas anprangern. Für die "Reality Wear" arbeiteten sie im Voraus mit dem Desinger-Duo "Threads and Tits" aus Berlin zusammen.

"Adidas inszeniert sich gern als progressiver Vorreiter der Branche", sagte Bonanno zur Hintergrundinformation zu seiner Aktion dem Magazin "Der Spiegel". Er erklärte:

"Aber wenn man hinter diese Inszenierung blickt, dann ist viel Ungerechtigkeit in ihrer Lieferkette, gerade in Kambodscha, einem ihrer größten Textillieferanten. Die Clean Clothes Campaign, mit denen wir zusammenarbeiten, hat ermittelt, dass über elf Millionen Euro an Löhnen von Adidas-Lieferanten aus der Coronazeit noch immer nicht bezahlt sind. Das wären für Adidas doch Peanuts."

Adidas schweigt zur Protestaktion

Den Aktivist:innen sei es wichtig gewesen, die ganze Klaviatur der sozialen Medien zu bespielen: Sie bewarben die FashionShow im Voraus mit gefälschten Pressemitteilungen, Plakaten in Berlin und Anzeigen auf Social Media, wofür sie extra das Fake-Profil "adidasrealitywear" auf Twitter einrichteten.

Adidas will die Aktion bislang nicht kommentieren, wie Claudia Lange, Vizepräsidentin für externe Kommunikation des Einzelhändlers, in einer Mail an die Newsgruppe CNBC schrieb.

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