Nachhaltigkeit
High angle view at multi-ethnic group of people sitting at dinner table together and enjoying delicious food, copy space

75 Kilo Lebensmittel wirft jeder von uns durchschnittlich im Jahr in den Müll. Bild: iStockphoto / SeventyFour

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Essen oder wegwerfen? So erkennst du, ob abgelaufene Lebensmittel noch frisch sind

75 Kilo Lebensmittel wirft jeder von uns durchschnittlich im Jahr in den Müll. Die meisten davon landen in der Tonne, weil sie abgelaufen sind. Dabei wissen wir eigentlich ja, dass das außen aufgedruckte Verfallsdatum nur angibt, wie lange ein Lebensmittel mindestens haltbar ist - und dass es in der Regel auch dann noch gut ist, wenn das Mindesthaltbarkeitsdatum schon überschritten ist. Die Frage ist nur: wie lange?

Das "Greenpeace Magazin" wollte es genauer wissen und hat zusammen mit dem KIN Lebensmittelinstitut Neumünster geschaut, wie lange abgelaufene Produkte tatsächlich haltbar sind. Und so viel sei gesagt: Die Tester mussten ganz schön lange warten, bis die Lebensmittel zu gammeln anfingen.

Eier hielten sich im Kühlschrank nach Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatums beispielsweise noch ganze 112 Tage in der obersten Güteklasse. Danach wären sie zwar nicht mehr roh genießbar, hätten aber noch zum Backen verwendet werden können. Original verpackter Käse am Stück, Naturjoghurt im Becher und eingeschweißter Tofu und Tortellini waren noch monatelang nach dem offiziellen Stichtag völlig in Ordnung.

Original verpackte Salami – sowohl in veganer als auch in der Fleisch-Variante – waren 85 Tage länger genießbar als angegeben. Eingeschweißte Falafelbällchen überlebten immerhin 49 Tage und eingeschweißter Käse 22 Tage länger als angegeben, bevor sich Optik, Geschmack oder Geruch veränderten oder Schimmel auftrat. Übrigens: Auch der Labortest an bereits jahrelang abgelaufenen Lebensmitteln ergab ein "einwandfreies Ergebnis". Darunter war beispielsweise eine seit acht Jahren abgelaufene Dose Erbsen.

Sehen, riechen, schmecken

"Unser Test zeigt, wie irreführend das Mindesthaltbarkeitsdatum ist: Alle Produkte haben es mindestens drei Wochen über das aufgedruckte Datum hinaus geschafft. Die Vollmilch hat es sogar auf über siebzig zusätzliche Tage gebracht", sagte Michael Pauli, Geschäftsführer und Chefredakteur Greenpeace Magazin laut einer Pressemitteilung.

"Wir zeigen: Solange die Ware richtig gelagert wurde, ist das Risiko für den Verbraucher extrem gering, sowohl für die Gesundheit als auch für die Qualität. Der beste Dreiklang gegen Lebensmittelverschwendung lautet: Sehen, riechen, schmecken!"

Theoretisch wissen wir das ja. Aber ein bisschen ein mulmig ist uns dann doch zumute, wenn wir die seit zwei Wochen abgelaufenen Eier in die Pfanne hauen. Deutlich besser würden die schmecken, wenn wir uns vorher vergewissern könnten, dass sie noch genießbar sind. Und da gibt es zum Glück eine ganze Menge Tricks, das herauszufinden - nicht nur bei Eiern. Einen Überblick darüber, wann abgelaufene Lebensmittel tatsächlich in den Müll müssen, bietet beispielsweise die Verbraucherzentrale Hamburg:

Reis & Nudeln

Ungekocht gelagert können Reis und Nudeln noch jahrelang nach dem Ablauf des Verfallsdatums verzehrt werden. Kritisch wird es erst, wenn feine Gespinste und Schädlinge wie Mehlmotte, Reismehlkäfer, oder Mehlmilbe zu sehen sind oder die Nudeln im gekochten Zustand säuerlich riechen oder schimmelig aussehen. In diesem Fall gilt: Alles sofort entsorgen.

Schokolade

Eigentlich unvorstellbar, dass Schokolade monatelang im Küchenschrank überlebt, ohne gegessen zu werden. Für den hypothetischen Fall, dass das doch einmal passiert, besteht aber auch kein Grund zur Panik. Denn Pralinen und Schokoladentafeln sind auch noch mehrere Monate nach Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatums genießbar. Sollte sich ein weißer oder hellgrauer Belag gebildet haben, dann ist das übrigens kein Schimmel, sondern gänzlich unbedenklich. Erst wenn sich Schädlinge wie Motten oder Käfer über die Schokolade hergemacht haben, führt kein Weg am Mülleimer vorbei.

Joghurt & Quark

Solange ihr die Becher noch nicht geöffnet habt, könnt ihr sie mehrere Tage oder sogar Monate länger als auf dem Becherrand angegeben essen. Wenn sich an der Oberfläche bereits Schimmel oder Bläschen gebildet haben oder der Joghurt muffig oder vergoren riecht, sollte er allerdings in die Tonne wandern. Wenn sich dagegen nur etwas Flüssigkeit abgesetzt hat, kann der Joghurt bedenkenlos verspeist werden – es handelt sich dabei um natürliche Moleküle.

Marmelade

Konfitüren, Marmeladen und Gelees können noch Monate bis Jahre nach dem Verfallsdatum gegessen werden. Möglicherweise ist ihre Farbe dann etwas blasser oder leicht bräunlich geworden, schädlich ist das aber nicht. Selbst Schimmel muss noch nicht unbedingt das Ende für den Brotaufstrich bedeuten: Besteht die Konfitüre zu mehr als 50 Prozent aus Zucker, kann der Schimmel einfach entfernt und der Rest gegessen werden.

Eier

Bei kaum einem abgelaufenen Lebensmittel lässt sich so leicht prüfen, ob es noch frisch ist, wie bei Eiern. Hier hilft der Wasserglastest: Das Ei wird in ein hohes Gefäß aus Wasser gegeben. Bleibt es am Boden, ist es noch frisch, richtet es sich auf ist es schon älter, kann aber auch noch problemlos gegessen werden. Nur wenn es an die Oberfläche aufsteigt, sollte es weggeworfen werden. Strenger sollte allerdings mit den Eiern sein, die roh verwendet werden, zum Beispiel in Tiramisu. Dann muss das Mindesthaltbarkeitsdatum eingehalten werden. Kochen oder backen wir dagegen mit den Eiern, werden etwaige Keime abgetötet.

Milch

Wer versehentlich mal einen großen Schluck aus einer verdorbenen Milchtüte genommen hat weiß, dass man es Milch sehr deutlich anmerkt, wenn sie nicht mehr frisch ist. Wer sich den Geschmackstest ersparen möchte, kann die Milch gleich entsorgen, wenn sie flockig oder geronnen ist, sauer riecht oder sich die Milchtüte ausbeult. Aber Achtung: Verdorbene H-Milch riecht nicht sauer!

Fleisch & Fisch

Egal, ob Geflügel, Kalb, Rind, Lachs oder Schwein – bei Fleisch und Fisch müssen wir kritisch sein und das Ablaufdatum einhalten. Liegt es bereits in der Vergangenheit, müssen die Lebensmittel entsorgt werden.

Konserven

Konservendosen wurden – wie der Name es schon sagt – konzipiert, um Lebensmittel möglichst lange zu konservieren. Und tatsächlich halten die Lebensmittel darin meist mehrere Jahre länger, als auf dem Dosenrand angegeben. Entsorgen solltet ihr die Dosen, wenn sie stark ausgebeult sind, rosten oder eingeknickte Seitenwände haben – dann am besten gleich ungeöffnet wegwerfen. Denn hier ist die Bildung von giftigem Toxin möglich.

(ftk)

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