Ab 2035 soll es in der Europäischen Union keine Autos mit Verbrennungsmotor mehr geben. Deutsche Autobauer geben sich gelassen, ihre E-Auto-Pläne erklärten sie watson.
Ab 2035 soll es in der Europäischen Union keine Autos mit Verbrennungsmotor mehr geben. Deutsche Autobauer geben sich gelassen, ihre E-Auto-Pläne erklärten sie watson. Bild: iStockphoto / Nicholas77
Nachhaltig

EU-Parlament stimmt für Verbrenner-Aus bis 2035: Das sagen die deutschen Autobauer

09.06.2022, 19:47

Ab 2035 sollen in Europa keine Autos mit Verbrennungsmotor mehr verkauft werden. Dafür stimmte das EU-Parlament am Mittwoch. Grund dafür sind die klimaschädlichen Treibhausgase, die beim Fahren von benzin- oder dieselbetriebenen Fahrzeugen ausgestoßen werden. Stattdessen soll die private Nutzung von PKWs im kommenden Jahrzehnt auf Elektromobilität umgestellt werden.

Bevor das Ende des Verbrennungsmotors jedoch beschlossene Sache ist, müssen noch die einzelnen EU-Mitgliedsstaaten dafür stimmen. Ende Juni wollen die jeweiligen Regierungen den Zeitpunkt für ein Verkaufsverbot von Autos mit Benzin- und Dieselantrieb festlegen. Die deutsche Bundesregierung unterstützt dabei den Vorschlag des Europaparlaments.

Doch wie sieht das Stimmungsbild bei Autobauern aus? Watson hat bei den größten deutschen Autobauern Audi, BMW, Mercedes-Benz, Opel und Volkswagen nachgefragt, was sie vom Vorstoß des EU-Parlaments halten und ob eine komplette Umstellung auf Elektro-Fahrzeuge bis 2035 realistisch ist.

Mercedes-Benz

"Im Prinzip begrüßen wir die Entscheidung. Bis 2030 sind wir bereit, überall dort vollelektrisch zu werden, wo es die Marktbedingungen zulassen", sagt Eckart von Klaeden, Leiter der External Affairs bei Mercedes-Benz gegenüber watson. Der Automobilkonzern aus Stuttgart biete bereits heute sieben vollelektrische Modelle, im Laufe des Jahres 2022 sollen noch zwei weitere, ein SUV und eine Variante der T-Klasse hinzukommen.

Es brauche jedoch noch mehr Einsatz vonseiten der Politik, um die E-Mobilität zu ermöglichen, findet Mercedes-Benz:

"Der Beschluss nimmt die Politik in die Pflicht, für die erforderliche Infrastruktur zu sorgen. Entscheidend für den Erfolg des Klimaschutzes im Verkehr sind die Akzeptanz der neuen und nicht das Verbot traditioneller Technologien."
Eckart von Klaeden zu watson
Ein Ladestecker der Marke Mercedes-Benz lädt dieses Auto.
Ein Ladestecker der Marke Mercedes-Benz lädt dieses Auto.Bild: SVEN SIMON / Frank Hoermann/SVEN SIMON

Zudem betont der Mercedes-Benz-Sprecher, dass der Autobauer "in allen Segmenten, in denen die Marke vertreten ist", batterieelektrische Fahrzeuge anbiete. Das Unternehmen kündigt an, dass ab 2025 alle neuen Fahrzeugarchitekturen rein elektrisch sein werden.

Volkswagen

Auf die watson-Anfrage sagt Ralf Brandstätter, der CEO der Marke Volkswagen: "Die aktuelle Abstimmung, aber vor allem die Wahl der Kundinnen und Kunden in Europa zeigt: Die Wende zur Elektromobilität ist unumkehrbar." Und weiter:

"Bis 2030 sollen mindestens 70 Prozent unseres Absatzes in Europa Elektrofahrzeuge sein."
Ralf Brandstätter zu watson

Die gesamte Flotte des Konzerns solle elektrifiziert werden. "Damit wird die Marke Volkswagen für die europäischen Märkte im Zeitraum 2033 bis 2035 die letzten Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor produzieren. Jedes Jahr bringen wir dafür mindestens ein neues E-Modell heraus", heißt es vom Sprecher des Unternehmens. Bis 2050 habe sich VW außerdem vorgenommen, klimaneutral zu werden.

Roboter montieren im VW-Werk Emden Teile des elektrischen Kompakt-SUVs ID.4.
Roboter montieren im VW-Werk Emden Teile des elektrischen Kompakt-SUVs ID.4.Bild: dpa / Sina Schuldt

Das Unternehmen betont jedoch, dass es auch noch weiterer Unterstützung aus der Politik bedürfe, um den Weg für die Elektroautos zu bereiten:

"Wichtig ist jetzt, dass die politischen Ziele auch durch entsprechende politische Maßnahmen in allen Mitgliedstaaten unterlegt werden. Dazu gehören eine ausreichende Versorgung mit Batteriezellen, ein viel schnellerer Ausbau der Ladeinfrastruktur und eine beschleunigte Energiewende. Aber eins ist klar: Die nachhaltige Mobilität von morgen ist elektrisch."
Ralf Brandstätter zu watson

Audi

Der Autobauer Audi mit Sitz im bayerischen Ingolstadt antwortet auf watson-Nachfrage: "Wir begrüßen die weltweiten und somit auch die Anstrengungen der EU zum Klimaschutz. Schon letztes Jahr haben wir im Rahmen unserer Strategie 'Vorsprung 2030' entschieden, dass wir den letzten weltweit angebotenen Verbrenner 2033 ausliefern."

Audi Elektro-Auto und Ladestation, gezeigt auf der International Motor Expo in Hong Kong im vergangenen Dezember.
Audi Elektro-Auto und Ladestation, gezeigt auf der International Motor Expo in Hong Kong im vergangenen Dezember.Bild: SOPA Images via ZUMA Press Wire / Chukrut Budrul

Ein Sprecher von Audi betont, dass das Unternehmen also bereits zwei Jahre vor dem vom EU-Parlament befürworteten Verkaufsverbot keine Verbrenner mehr produzieren wird. Weiter heißt es von Audi:

"Ab 2026 werden bei Audi nur noch E-Fahrzeuge neu anlaufen und die Verbrennermodelle schrittweise bis 2033 auslaufen."
Audi-Sprecher zu watson

Der Fokus liege auf der Elektromobilität. Auch global soll innerhalb der nächsten elf Jahre das Portfolio des Autobauers komplett aus E-Fahrzeugen bestehen. Bis dahin gebe es jedoch noch viel vorzubereiten: "Wichtig für die kommenden Jahre ist jetzt, ein schnellerer Ausbau der Ladeinfrastruktur und eine beschleunigte Energiewende."

BMW

BMW verwies auf ein Statement der Automobilhersteller-Vereinigung "Acea" vom Donnerstag. Darin heißt es vom BMW-CEO Oliver Zipse unter anderem: "Die Automobilindustrie wird zu einem CO2-neutralen Europa im Jahr 2050 beitragen. Unsere Industrie befindet sich in einer Situation, in der auf E-Fahrzeuge gedrängt wird und stetig werden neue Modelle auf den Markt gebracht."

Die Nachfrage der Kunden gehe in Richtung der nachhaltigen Mobilität, so Zipse weiter. Er gibt in seinem Statement jedoch auch zu bedenken:

"Angesichts der Unbeständigkeit und Unsicherheit, die wir weltweit Tag für Tag erleben, ist jede langfristige Regelung, die über dieses Jahrzehnt hinausgeht, im jetzigen Stadium verfrüht. Stattdessen ist eine transparente Überprüfung auf halbem Wege erforderlich, um Ziele für die Zeit nach 2030 zu definieren."
Oliver Zipse, CEO BMW
Auf der Messe eCarExpo zeigte BMW im April in Stockholm dieses Modell.
Auf der Messe eCarExpo zeigte BMW im April in Stockholm dieses Modell.Bild: imago images / imago images

Es müsse zunächst geprüft werden, ob die Ladesäulen-Infrastruktur und die Verfügbarkeit der Rohstoffe für die Batterieproduktion mit der hohen Nachfrage nach E-Autos mithalten kann.

Opel

Opel gehört zum Multi-Markenkonzern Stellantis, der auch die Marken Fiat, Lancia, Citroën und Peugeot unter einem Dach vereint. Stellantis und somit auch die Marke Opel seien auf die E-Mobilität vorbereitet, wie ein Sprecher des Unternehmens gegenüber watson erklärt: "Wir haben unseren Strategieplan 'Dare Forward 2030' vor einigen Monaten vorgestellt. Im Rahmen dieses Plans wird festgelegt, dass wir als Gesamtkonzern bis 2038 die Netto-CO2-Emissionen auf Null bringen wollen."

Ein elektrischer Opel Ampera steht zum Aufladen auf einem E-Parkplatz der Stadtwerke in Schleswig.
Ein elektrischer Opel Ampera steht zum Aufladen auf einem E-Parkplatz der Stadtwerke in Schleswig.Bild: SULUPRESS.DE / Torsten Sukrow/SULUPRESS.DE

Bis 2030 wolle Stellantis die CO2-Emissionen halbieren, wie der Unternehmenssprecher erklärt: "In diesem Zusammenhang ist unsere Elektro-Offensive wichtig. Wir bringen 75 rein elektrische Fahrzeugmodelle auf den Markt. In Europa werden wir bereits 2030 komplett elektrisch unterwegs sein." Die Marke Opel sei noch früher dran: Bereits bis 2028 soll es nur noch E-Fahrzeuge geben. Der Konzern kündigt außerdem an, bis 2025 30 Milliarden Euro in Elektrifizierung und Software-Entwicklung zu investieren.

Doch auch bei Stellantis wird von der Politik mehr Unterstützung für die E-Mobilität erwartet:

"Die Infrastruktur ist ein wichtiges Thema, da muss auch die Politik für die entsprechenden Rahmenbedingungen sorgen. Wir machen nun erst einmal unsere Hausaufgaben als Automobilhersteller und stellen das Angebot."
Stellantis-Sprecher zu watson
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