Low angle view of a beautiful young Asian woman throwing blueberry into the blender to make a healthy smoothie with banana, spinach and vegan milk.

Obst und Gemüse steht auch künftig auf dem Speiseplan. Bild: Moment RF / Oscar Wong

Veganuary-Challenge

Tag 31: Der Veganuary ist vorbei – und geht (teilweise) weiter

Ob ich es schaffe, einen ganzen Monat lang vegan zu leben? Ich habe meine Zweifel – und probiere es im Rahmen der Veganuary-Challenge trotzdem. Wie es mir dabei ergeht, lest ihr hier.

Tag 31: Der Veganuary ist vorbei – und geht (teilweise) weiter

Es ist vollbracht: 31 vegane Tage sind vorüber. Nicht nur für mich, sondern auch für 582.538 andere Teilnehmer – der Veganuary war damit so erfolgreich wie nie zuvor. Ein weiterer ganz persönlicher Erfolg für mich: An meinem letzten veganen Tag muss ich mich nicht einmal selbst an den Herd stellen, sondern werde bekocht. Es gibt Kimchi-Suppe mit Tofu, Brokkoli und Tomaten – ein durchaus würdiges Abschlussessen. Auch wenn es sich nicht wirklich wie ein Abschluss anfühlt. Auf die Frage, welchen nicht-veganen Leckerbissen ich mir als Erstes gönne, antworte ich jedenfalls: erstmal keinen.

Habe ich im vergangenen Monat etwas vermisst? Nein. Habe ich mehr Zeit für die Nahrungsaufnahme und -zubereitung gebraucht? Ein bisschen. Habe ich mehr Geld ausgegeben? Etwas. Habe ich mich mehr mit den Folgen des Konsums tierischer Lebensmittel auseinandergesetzt? Auf jeden Fall.

Natürlich war mir auch vorher bewusst, dass die Kühe im Stall da nicht die Time of their Lives haben und habe versucht, weniger Milchprodukte zu konsumieren. Wie drastisch die Folgen sind und in wie vielen Lebensmitteln tatsächlich Milch oder Ei stecken, führt man sich aber erst vor Augen, wenn man sich intensiver mit dem Thema auseinandersetzt. Auseinandersetzen muss, weil alles Tierische tabu ist. Es ist eben nicht damit getan, sich morgens Hafermilch in den Kaffee zu kippen.

Der vergangene Monat hat gezeigt: Auch ein völliger Verzicht auf tierische Lebensmittel ist einfacher, als man vermuten könnte. Und so habe ich mir im Januar auch keine größeren Fehltritte geleistet. Den Fauxpas mit dem als Marmelade getarnten Honig und dem gedankenlosen Milchkaffee ganz zu Beginn meiner veganen Reise würde ich in die Kategorie Anfängerfehler einordnen. Ansonsten habe ich mir nur ein paar Gläser (möglicherweise) nicht veganen Weins zuschulden kommen lassen.

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Beendet den Veganuary offiziell: Kimchi-Suppe. bild: watson

Wirklich in Versuchung gekommen, wissentlich etwas Tierisches zu essen, bin ich sonst nicht. Das liegt daran, dass es inzwischen viele vegane Ersatzprodukte gibt und sich praktisch jedes kulinarische Schmankerl irgendwie veganisieren lässt.

Und darauf bin ich jetzt bestens vorbereitet. Dank des Veganuary sind meine Aufbewahrungsgläser in der Küche voll mit Linsen und Hirse, unzählige vegane Rezepte abgespeichert, die Zahl der Gewürzstreuer und pflanzlichen Öle hat sich verdoppelt. Ich weiß, welche Schokolade und welche Chips vegan sind und wo im Supermarkt der Soja-Joghurt steht. Es wird mir also in Zukunft automatisch leichter fallen, mich pflanzlich zu ernähren.

Ein Monat ist allerdings auch ein ziemlich kurzer Zeitraum. Und Käse (leider) immer noch verdammt lecker. Wenn ich irgendwann mit Freunden Raclette mache, glaube ich jedenfalls nicht, dass ich einen traurigen trockenen Brokkoli grille, während in den Pfännchen der anderen Käse brutzelt – auch wenn mir mein schlechtes Gewissen vermutlich sagen wird, dass ich genau das tun sollte. Und in einer Zeit nach dem Lockdown (ich glaube fest daran, dass es sie geben wird!), in der ich nach Feierabend wieder unterwegs bin, statt in der Küche zu stehen, wird es bestimmt nicht einfach sein, immer ein schnelles, leckeres veganes Essen aufzutreiben.

Mit tierischen Lebensmitteln versuche ich es in Zukunft also so zu machen, wie bislang schon mit Fleisch: Im Alltag weitgehend darauf verzichten, zu besonderen Anlässen aber Ausnahmen machen. Wenn wir das nächste Mal Pizza bestellen, werde ich die mit dem echten, fettigen, Fäden ziehenden Käse bestellen. Für das Essen an meinem ersten Tag, an dem ich wieder alles essen darf, was ich möchte, habe ich aber schon eingekauft: Es gibt veganes Blumenkohl-Schnitzel.

Worum es geht: Veganuary im Selbstversuch

Geschmolzener Käse ist für mich der Inbegriff von Glückseligkeit. Vegan leben? Beim Gedanken an von Pizzastücken tropfende Käsefäden, im Ofen langsam knusprig werdende Aufläufe und in Raclettepfännchen blubbernde Käseseen erscheint mir das völlig ausgeschlossen. Trotzdem versuche ich den Januar über im Rahmen der Veganuary-Challenge vegan zu leben, so wie 440.000 andere Teilnehmer weltweit. Weil Massentierhaltung und Tierleid eben nur verhindert werden können, wenn wir uns pflanzlich ernähren. Und weil tierische Lebensmittel eine miserable Ökobilanz haben: Sie erzeugen viel höhere CO2-Emissionen und ihre Produktion braucht deutlich mehr Land und Wasser. Von der Regenwaldabholzung für die Schaffung von Weideland für Rinder oder für die Massenproduktion von Soja als deren Kraftfutter einmal ganz zu schweigen. Dabei bin ich bislang nicht einmal Vegetarierin. Fleisch esse ich etwa zwei Mal im Monat: Wenn Oma gekocht hat zum Beispiel, wenn ich auf Reisen irgendeine regionale Spezialität probieren möchte oder wenn ich beim Grillen einfach Lust drauf habe. Diese Lust nimmt aber immer mehr ab. Einen Monat auf Fleisch verzichten? Easy. Das deutlich größere Problem: Ich bin verdammt faul. Nach Feierabend extra einkaufen, eine lange Liste exotischer Zutaten ausfindig machen, mich dann an den Herd stellen und schließlich alles alleine in mich hineinlöffeln – das klingt irgendwie nur so semigeil. Ob ich es trotzdem schaffe, einen ganzen Monat vegan zu leben? Ich habe meine Zweifel – und probiere es trotzdem.

Tag 30: Coffee To Go mit Hafermilch: Möglich, aber teurer

An einem Wochenende im Lockdown mit Sonnenschein und Schnee ist es praktisch Pflicht, einen Spaziergang an den nächsten zu reihen. Auch ich füge mich diesem Schicksal. Und weil die Zeit des Glühweins vorbei ist, muss jetzt Kaffee als Handwärmer herhalten – natürlich nur solcher mit Hafermilch, versteht sich. Gleich im ersten angesteuerten Café gibt es allerdings keinerlei pflanzliche Milch, das einzig vegane Heißgetränk, das ich erwerben kann, ist ein Kamillentee. Etwas unbefriedigend, allerdings auch das einzige Erlebnis dieser Art.

Alle anderen Cafés von Prenzlauer Berg über Friedrichshain bis Steglitz servieren Hafermilch, oftmals aber gegen einen Aufpreis von 50 Cent. Schon ein bisschen frech für einen Spritzer "Milch" – und nicht unbedingt förderlich, um Nicht-Veganern eine pflanzliche Ernährung schmackhaft zu machen. Dafür gibt's fast überall einen veganen Snack: Peanutbutter-Cookies oder veganen Cheesecake zum Beispiel. Sehr geil.

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Sonnenschein, Wochenende und portugiesischer Galão-Kaffee – so lässt es sich leben. bild: watson

Beim Filmabend mit meinem Lieblingspärchen sieht das anders aus: Die beiden haben zum Snacken Fladenbrot und allerlei frische Aufstriche gekauft. Sehr nett, nur leider nicht vegan. "Ach, dann iss halt die Schokolade!" – "Nicht vegan." "Oder die Gummibärchen!" – "Auch nicht vegan." Ich knuspere also an meinen mitgebrachten veganen Kesselchips und bin ganz froh, einen guten Grund zu haben, mich zur Abwechslung mal nicht besinnungslos vollfressen zu können.

Tag 29: Endspurt

Nur noch zwei Tage Veganuary! Eigentlich ein guter Zeitpunkt, um schon einmal die Supermarktregale nach (noch) verbotenen Lebensmitteln zu durchforsten, den Kühlschrank mit Käse aufzufüllen und den Pizzadienst auf der Kurzwahltaste abzuspeichern. Doch die Realität ist: Ich vermisse nichts. Zumindest nicht so sehr, dass ich die Tage bis zum Februar zählen würde. Klar, irgendwann in den nächsten Wochen werde ich bestimmt mit Genuss in ein Halloumi-Sandwich oder eine Pizza beißen. Am Morgen des 1. Februar wird das aber sicher nicht der Fall sein.

Zum Mittagessen gibt es heute Pita-Brot gefüllt mit Seitan-Gyros, gebratenen Champignons, Hummus und Salat. Und ganz ehrlich – was soll ich da vermissen?

Tag 28: Ist vegane Ernährung teurer?

Es ist absurd: Im Supermarkt ist das in Plastik verpackte Fleisch aus Massentierhaltung oft einen Euro billiger als die pflanzlichen Fleischersatzprodukte im Kühlschrank nebenan. Es ist also billiger, ein Tier mit tonnenweise Soja zu mästen, zu töten und zu verarbeiten, als das Soja direkt in ein Lebensmittel zu verwandeln. Das sagt viel über unsere Fleischindustrie aus. Gleichzeitig hängt der Preis natürlich auch von Angebot und Nachfrage ab. Experten gehen deshalb davon aus, dass Fleischersatzprodukte in Zukunft günstiger werden, schließlich entwickeln sich Ersatzprodukte vom Nischenprodukt zu einem Lebensmittel, das auch immer häufiger bei Menschen auf dem Teller landet, die keine strikten Veganer oder Vegetarier sind.

Ein Blick in mein Haushaltsbuch zeigt es ebenfalls: Obwohl ich deutlich weniger auswärts gegessen habe, habe ich im Veganuary etwas mehr fürs Essen ausgegeben als sonst. Das könnte allerdings auch daran liegen, dass ich Penny den Rücken gekehrt habe und zu Rewe übergelaufen bin. Klar, ein paar vegane Ersatzprodukte gibt es bei Penny auch, aber ein leckeres veganes Essen besteht natürlich aus mehr als nur aus Sojabratling und Gemüse, und den ganzen fancy Shit, den man dafür braucht, findet man eben nur in den größeren Supermärkten. Auch dort waren vegane Produkte übrigens immer mal wieder ausverkauft. Und so ärgerlich es im ersten Moment auch ist, vor dem leeren Regal zu stehen, so viel Hoffnung macht das für die Zukunft. In der eine pflanzlichere Ernährung vielleicht zur Normalität wird – und damit nicht mehr teurer ist, als eine tierische.

Tag 27: Schlapp durch pflanzliche Ernährung? Warum das ein Mythos ist

"Verträgt dein Körper das vegane Essen", fragt mich eine Freundin, "oder fühlst du dich schlapp?" Ich bin erst verwundert – wieso sollte ich mich schlapp fühlen? Dann erinnere ich mich an unsere gemeinsame Saftkur vor 15 Jahren, bei der wir uns kaum mehr auf den Beinen halten konnten und ununterbrochen von Essen in jeglicher Form und Farbe fantasierten. Doch ich kann meine Freundin beruhigen: Vegane Ernährung ist ganz anders (ich meine, man isst etwas!) und auf den Beinen halten kann ich mich auch ganz großartig. Die Treppen zu meiner Wohnung im vierten Stock – sofern ich das Haus mal verlassen habe – meistere ich jedenfalls wie eh und je und Sport mache ich eher mehr als weniger.

Trotzdem hält sich hartnäckig der Mythos, dass dem Körper bei einer rein pflanzlichen Ernährung wichtige Nährstoffe fehlen. Tatsächlich gibt es aber nur ein Vitamin – das Vitamin B12, das wir für Zellteilung, Blutbildung und Nervenfunktion benötigen – das nicht über die pflanzliche Ernährung aufgenommen werden kann und das Veganer folglich als Nahrungsergänzungsmittel zu sich nehmen müssen. Übrigens gibt es auch eine ganze Reihe veganer Leistungssportler: die Tennis-Stars Venus Williams und Novak Djokovic zum Beispiel oder der Formel-1-Profi Lewis Hamilton. Und die sind bekanntermaßen ziemlich fit.

Nach nur einem Monat veganer Ernährung wie bei mir können ohnehin noch keine Mangelerscheinungen auftreten. Und, let's face it: So super gesund und ausgewogen war meine Ernährung auch vor dem Veganuary nicht. Das wird heute aber nachgeholt. Es gibt wieder Stir-fry-Broccoli.

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Tag 26: Auch Nicht-Veganer essen pflanzlich

Dass ich momentan vegan lebe, bleibt natürlich auch meinen Freunden und meiner Familie nicht verborgen – und so trudeln auf Whatsapp regelmäßig Essens-Fotos bei mir ein. Oh, du hattest eine vegane Pizza ohne Käse? Hier, ein Foto von mir, wie ich in ein vor Fett und Käse triefendes Pizzastück beiße. Oh, du hast Reis mit Soße gegessen? Hier ein Foto des Grilltellers, den ich gerade in mich hinein spachtele. Fand ich ehrlich gesagt ziemlich lustig – und hat mich zum Glück null in Versuchung geführt, ebenfalls etwas nicht-veganes in mich hineinzustopfen.

Interessant ist aber, dass inzwischen immer mehr andere Fotos geschickt werden. Solche von (fast) veganen Mahlzeiten nämlich, mit dem Hinweis: Schau mal, heute habe ich auch mit Seitan gekocht. Oder: Abgesehen von einem Klecks Sahne ist das alles vegan!

Das sind keine Ausnahmen, zeigt eine aktuelle Forsa-Umfrage. Demnach essen immer mehr Menschen immer weniger Fleisch. Jeder Zweite verzichtet "zumindest manchmal bewusst auf Fleischprodukte" – deutlich mehr als noch vor ein paar Jahren. 44 Prozent der Befragten bezeichnen sich dabei als Flexitarier, acht Prozent als Vegetarier und ein Prozent als Veganer. Die veganen Essens-Fotos könnten in Zukunft also zunehmen.

Tag 25: Kühlschrankcheck: Was in keiner veganen Küche fehlen darf

Je weiter der Veganuary fortschreitet, desto besser sind mein Kühl- und Vorratsschrank mit veganen Produkten gefüllt. Das Umherirren im Supermarkt auf der Suche nach (mehr oder weniger) exotischen Zutaten hat also ein Ende. Nur: Was braucht es eigentlich für eine abwechslungsreiche vegane Ernährung und was sollten wir dafür auf jeden Fall in der Küche haben? Das habe ich auch Ernährungswissenschaftler Niko Rittenau gefragt. Er empfiehlt einen Vorrat an Vollkorngetreide wie Pasta, Reis und Mehl und an Hülsenfrüchten wie Linsen, Erbsen und Bohnen anzulegen. Auch ein paar Packungen Kerne (Walnüsse, Mandeln, Kürbiskerne, Sonnenblumenkerne) und Tiefkühlgemüse sollten wir im Haus haben. Dazu kommen pflanzliche Milch und Proteinlieferanten wie Soja, Seitan und Tempeh – und natürlich frisches Gemüse, Pilze, Kräuter und Obst. Kompliziert ist anders, oder?

Tag 24: Kimchi rettet jedes Essen

Den nasskalten Sonntag nutze ich zum Kochen, wozu auch sonst? Diesmal habe ich mir ein Rezept für ein veganes Pad Thai ausgesucht, eines meiner Lieblingsgerichte. Nur lebt das eigentlich von Fischsoße und verquirltem Ei und ist damit alles andere als vegan. Funktioniert es auch in der pflanzlichen Variante mit Tamarindenpaste und Sojasoße? Die Antwort: Joah. Das Pad Thai fällt wieder in die Kategorie "Schmeckt ganz passabel, aber eben nicht wie das Original". Highlight ist aber sowieso der Kimchi-Salat, den ein Freund selbst eingelegt hat. Dagegen kommt kein Pad Thai der Welt an.

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bild: watson

Tag 23: Käse mit bitterem Beigeschmack

Ich treffe einen Kollegen auf ein paar Margaritas. Erfahrungsgemäß ist eine gute Grundlage dafür unabdingbar, die Wahl fällt also auf Pizza, diesmal aber vom Lieferservice, der drei vegane Pizzen im Angebot hat. Unser Kommentar nach dem ersten Bissen: Joah, schmeckt halt nicht nach Pizza. Unser Kommentar, nach dem letzten Bissen: Ziemlich lecker, das Ding!

Noch besser schmeckt die vegane Pizza, wenn man sich Gedanken darüber macht, wie der Käse für die nicht-vegane Variante zustande kommt. Spoiler: Von unbeschwerten Kühen auf der grünen Weide stammt die Milch dafür in der Regel nicht. Um überhaupt kontinuierlich Milch geben zu können, werden Milchkühe nämlich immer wieder geschwängert, und meist wird ihnen das Kalb direkt nach der Geburt wieder weggenommen. Männliche Kälber enden dann nach wenigen Wochen oder Monaten schon wieder auf der Schlachtbank. Klar, die Haltungsbedingungen unterscheiden sich natürlich von Hof zu Hof. Trotzdem bin ich ganz froh, dass Käse momentan verboten ist – und ich so gar nicht erst in Versuchung kommen kann.

Tag 22: Soja- statt Rindfleisch-Burger? 2000 Liter Wasser gespart

Endlich habe ich es gefunden: Das unkomplizierte vegane Fast Food, das sich in der Mittagspause innerhalb weniger Minuten zubereiten lässt und trotzdem prima schmeckt. Entdeckt habe ich es in der Gourmet-Abteilung von Rewe. Dort stand sie, die Tom-Kha-Suppenpaste, schüchtern versteckt zwischen Sojasauce und Reisnudeln. Sie löst meine Probleme auf einen Schlag: Mit ein bisschen Kokosmilch und Wasser verrühren, Champignons, Tofu und Zwiebeln rein schnippeln, alles ein paar Minuten köcheln lassen… fertig ist das Süppchen. Gut, für die Optik gewinnt meine vegane Tom Kha keinen Preis, aber die viel zitierten inneren Werte stimmen. Und das ist es, was zählt.

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Schmeckt besser, als sie aussieht: Vegane Tom-Kha-Suppe.

Das weiß ich jetzt

Wer nochmal ein paar Zahlen und Fakten braucht, um durchzuhalten: Das Team von Veganuary hat berechnet, wie viel Wasser durch die vegane Ernährung gespart wird. Weil kein Futter für die Tiere angebaut werden muss, weil keine Ställe sauber gehalten werden müssen, weil kein Wasser im Schlachtungsprozess benötigt wird. Wer einen Liter Sojamilch anstelle von Kuhmilch kauft, spart so schon 752 Liter Wasser, bei einem Soja-Burger statt Rindfleisch-Burger sind es sogar 2192 Liter. Angesichts solcher Zahlen dürfte die Entscheidung im nächsten Burgerladen eigentlich nicht schwerfallen.

Tag 21: "Der Mensch hat schon immer Fleisch gegessen"

"Schwachsinn", meinte letztens ein Kumpel, als ich ihm erzählte, dass ich die vegane Ernährung vielleicht auch in Zukunft zumindest teilweise beibehalten möchte. "Der Mensch hat schon immer Fleisch gegessen, das ist natürlich, dein Körper braucht das Fleisch." Auf solche Sätze habe ich gewartet – und nun exakt die serviert bekommen, die "richtige" Veganer wohl schon hunderte Male gehört haben. Auch wenn es bei mir glücklicherweise recht lange gedauert hat. Vegane Ernährung ist bei Endzwanzigern in Berlin halt echt kein großes Ding.

Ab und zu verlässt man sie dann aber doch, die gemütliche grüne Großstadtbubble. Und dann kann’s ungemütlich werden. "Unsere Nahrungsaufnahme ist ein sehr persönliches und damit auch emotionales Thema, deshalb reagieren viele Menschen nicht rational", sagt Ernährungswissenschaftler Niko Rittenau im Interview. "Ich halte es für wichtig, dass vegan lebende Menschen diese Thematik aktiv auf eine höfliche und sachliche Art ansprechen; dieselbe höfliche und sachliche Art des Umgangs kann man auch von mischköstlich essenden Menschen in Gesprächen erwarten."

Und wenn sie dann doch kommen, die Klischees vom ungesunden veganen Leben? "Der Trick ist, erstmal nur für sich selbst zu sprechen", rät mir Ria Rehberg von Veganuary. "Es geht nicht darum, jemandem anderen die eigene Vorstellung aufzubürden, sondern die eigenen Gründe für die vegane Ernährung darzulegen. Wenn man dann noch ein paar Infos und Fakten bereithält, beispielsweise, wo man seine Nährstoffe herbekommt, versteht das der andere oft."

Genau das erkläre ich meinem Kumpel auch. Dass mein Körper bei einer abwechslungsreichen veganen Ernährung praktisch alle Nährstoffe bekommt, die auch in tierischen Lebensmitteln stecken und beispielsweise Hülsenfrüchte oft mehr Eisen enthalten als Fleisch. Und dass Menschen in anderen Regionen der Erde auch ohne den Sonntagsbraten, das Grillsteak und das Schnitzel in der Kantine ganz gut (und oft sogar gesünder) leben. Meinen Kumpel überzeugt das nicht. Irgendwann habe ich keine Lust mehr auf Diskussionen und sage, dass er ja auch in Zukunft gerne weiter seinen Schawarma essen kann. Dass ich dann aber eben Falafel esse.

Tag 20: Mehr als gepresste Trauben – warum Wein oft nicht vegan ist

Sich vegan zu ernähren ist die eine Sache – aber auch Kosmetik, Kleidung oder Getränke sind oft nicht frei von tierischen Inhaltsstoffen. Nehmen wir zum Beispiel Wein. Hatte ich letztens bei einem Gläschen den Gedanken im Hinterkopf, dass dieses möglicherweise nicht vegan sein könnte? Ja. Habe ich lieber nicht nachgeschaut, um es trotzdem trinken zu können? Auch ja.

Jetzt ist aber Schluss mit den Ausreden. Ich recherchiere nach und erfahre, dass Wein häufig tatsächlich nicht vegan ist. Denn für dessen Klärung werden oftmals tierische Proteine eingesetzt, Eiklar beispielsweise, Gelatine oder Proteine aus der Fischblase. Steht nicht auf dem Etikett, wurde möglicherweise aber trotzdem verwendet. Es geht aber auch anders. Im Supermarkt mache ich mich also auf die Suche nach veganem Wein – der zum Glück mit einem hellgrünen Fähnchen versehen und so im Flaschendschungel leicht zu finden ist. Von den Hunderten Flaschen Rotwein sind allerdings nur zwei vegan, im Weißweinregal finde ich nur einen einzigen offiziell als vegan gekennzeichneten Wein.

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Auswahl am Weinregal haben nur Nicht-Veganer. bild: watson

Also trinke ich nun Chardonnay, obwohl ich eigentlich lieber Grauburgunder mag. Besonders gut schmeckt mir der erste vegane Wein nicht, auch nicht mit dem Wissen, dass er nie mit etwas Tierischem in Berührung gekommen ist. Klar, in anderen Läden warten noch mehr vegane Weine darauf, getestet zu werden. Im Zweifelsfall werde ich in Zukunft aber wohl lieber wieder einen Wein kaufen, der mir schmeckt und die Sorte, auf die ich gerade Lust habe, Proteine hin oder her. Alles andere verbietet mir meine Herkunft aus einer Weingegend.

Tag 19: Hilft vegane Ernährung beim Abnehmen?

Die vergangenen Tage habe ich mich bei den Snacks nicht zurückgehalten: vegane Kekse, Schokolade, Nüsse – kaum gekauft, sind sie schon wieder weg. Dementsprechend soll heute mal etwas leichteres auf den Tisch kommen. Und weil ich außerdem wenig Zeit (und Lust) zum Kochen habe, gibt es Sommerrollen, die gehen immer. Bisschen Tofu, bisschen Karotte, bisschen Sprossen, dazu eine Erdnuss-Soja-Soße. Hab ich irgendwie schonmal besser hingekriegt, erfüllen aber ihren Zweck.

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Wenn's schnell gehen muss: Sommerrollen. bild: watson

Von ungesunden Snacks einmal abgesehen: Die vegane Ernährung beinhaltet ganz schön viel Gemüse, Obst und Vollkorn. Da könnte man schon auf die Idee kommen, dass sie auch beim Abnehmen hilft. Und das kann sie tatsächlich, erklärt mir Ernährungswissenschaftler Niko Rittenau im Interview. "Unter der Voraussetzung, dass sie gut geplant und vollwertig ist, kann eine vegane Ernährung tatsächlich aufgrund des höheren Ballaststoffgehalts und des damit einhergehenden besseren Sättigungsgefühls dabei helfen, ohne Hungern abzunehmen." Das trifft aber nicht nur auf vegane Ernährung zu, sagt er, sondern auf alle Ernährungsformen mit höherem Ballaststoffgehalt.

Ob die drei veganen Wochen bei mir einen Unterschied gemacht haben? Keine Ahnung, ich besitze keine Waage. Gefühlt ist das Weihnachtsessen noch auf den Rippen, von der "gut geplanten" veganen Ernährung bin ich offensichtlich aber auch ein ganzes Stück entfernt. Und hey, wen interessiert die Taille, wenn man mit seiner Ernährung Tiere und Klima schützt?

Tag 18: Versuchungen überall

Gut, ich wollte es so. Mehr als einmal habe ich mich beschwert, dass der Veganuary keine echten Herausforderungen für mich bereithält. Doch nun ist er gekommen, der Tag, an dem mein Veganismus auf die Probe gestellt wird. Prüfung Nummer 1: Ich muss frühmorgens für einen Arzttermin ans andere Ende der Stadt fahren. An jeder S- und U-Bahn-Station weht mir der Duft von Zimt, Schokolade und frisch (auf)gebackenen Backwaren entgegen. Wie schön wäre es jetzt, die Wartezeit und die Kälte mit einem Biss in einen Nussplunder oder Streuseltaler zu vertreiben, und mich so nebenbei für meinen ungemütlichen Ausflug zu belohnen. Aber: ich bleibe standhaft.

Als ich zurück nach Hause komme, wartet dort Herausforderung Nummer 2: Ein Päckchen voller Weihnachtsgebäck, das mir meine Großeltern zu Nikolaus geschickt haben, und das nun tatsächlich noch den Weg nach Berlin gefunden hat (danke Oma, danke für Nichts DHL). Die Plätzchen sind inzwischen zwar größtenteils pulverisiert, schmecken aber mir Sicherheit noch hervorragend. Aber hey, wenn sie sechs Wochen im Paket überlebt haben, schaffen sie die zwei Wochen bis zum Ende des Veganuary auch noch. Zum Glück habe ich noch vegane Cookies, die mir meinen Hunger auf Gebäck nehmen.

Zum Mittagessen gibt es dann Falafel, das geht immer. Normalerweise wäre zwar Halloumi im Sandwich meiner Wahl (und vermutlich wird genau das eines der ersten nicht-veganen Dinge sein, in die ich im Februar beiße), aber für heute sind alle Versuchungen umschifft.

Tag 17: Süß und klebrig geht auch ohne Ei

Was macht man an einem tristen und kalten Januarwochenende mitten im Lockdown? Also, außer Netflixen, meine ich? Richtig, man zieht das Frühstück über den ganzen Tag und ersetzt mit dem Brunch gleich das Mittagessen. Nach meinem traumatischen ersten veganen Frühstück an Neujahr will ich diesmal aber besser vorbereitet sein und für ein bisschen Auswahl auf dem Frühstückstisch sorgen. Das klappt auch ganz gut – mit jeder Menge Gemüse, Hummus, veganem Brotaufstrich und Käse, Seitan-Bällchen, Obst, Marmelade und Schokomus. Das befreundete Pärchen, mit dem ich brunche, haut sich zwar zusätzlich noch etwas Süßgebäck rein, das für mich tabu ist, ansonsten ist das Frühstück auch für die beiden Flexitarier keine große Umstellung.

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Auch ein veganer Frühstückstisch kann voll sein. bild: watson

Ein bisschen neidisch bin ich beim Anblick von Schokocroissant und Rosinenschnecke aber schon. Klebrige Backwaren, das ist echte Liebe. Immerhin verrät der Veganuary-Newsletter, wie man zumindest beim Selberbacken leicht auf Eier verzichten kann. Beim Kuchenbacken kann man beispielsweise gemahlene Leinsamen in Wasser aufquellen lassen, bis sie eine eiartige Konsistenz haben, auch eine halbe reife Banane ersetzt ein Ei. Für veganen Eischnee kann Aquafaba, das dickflüssige Kochwasser von Kichererbsen, Bohnen und Erbsen verwendet werden. Und als Frischkäse-Ersatz, etwa für Käsekuchen, gibt es im Bio-Markt Seidentofu zu kaufen. Auch wenn ich mich selbst noch nicht an das vegane Backen herangewagt habe, zeigt ein Blick in die veganen Food-Blogs deutlich: Süß und klebrig funktioniert auch vegan.

Tag 16: Halbzeit – und kaum Versuchungen

Wieder einmal führt der Veganuary dazu, dass ich etwas koche, was nie zuvor auf meinem Speiseplan stand: Grünkohl. Das norddeutsche Wintergemüse ist bisher irgendwie völlig an mir und meinem Kochtopf vorbeigegangen. Als ich auf ein Rezept für eine vegane Grünkohlpfanne mit getrockneten Tomaten, weißen Bohnen, Hirse und Tahin-Sause stoße, ist aber klar, dass mein grünkohlloses Leben Geschichte ist. Und ich habe bisher ziemlich was verpasst, stelle ich fest, als alles fertig gekocht auf dem Teller und dann in meinem Mund landet. Es mag mein erstes Mal Grünkohl gewesen sein, aber sicher nicht mein letztes Mal.

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Neu auf dem Speiseplan eingezogen: Grünkohl mit Hirse. bild: watson

By the way: Inzwischen ist schon Halbzeit – und gleichzeitig Quitters Day, der Tag also, an dem statistisch gesehen die meisten Menschen ihre an Silvester gefassten Vorsätze wieder über Bord werfen. Mal ganz davon abgesehen, dass ich Neujahrsvorsätze ziemlich bescheuert finde und den Veganuary nicht als solchen betrachte, bin ich bisher auch nie wirklich in Versuchung gekommen, irgendetwas nicht-veganes zu mir zu nehmen. Keine Schweißperlen auf der Stirn beim Blick in die Käsetheke, kein Herzrasen angesichts der Duftschwaden, die aus dem Schnellimbiss auf die Straße wabern.

Gut, als ich letztens im Supermarkt auf fair gehandelte Bio-Schokolade mit Fleur de Sel gestoßen bin, war da schon zwei Sekunden lang der Gedanke, dass ich mir dieses Geschmackserlebnis nicht von ein paar Gramm Vollmilchpulver nehmen lassen sollte. Am Tag darauf habe ich dann entdeckt, dass Rossmann ein ganzes Regal voller veganer Schokolade hat – und war froh, standhaft geblieben zu sein.

Tag 15: Veganes Pesto, wo bist du?

Wenn es bei mir richtig schnell gehen muss mit dem Essen, bedeutet das normalerweise: Pasta kochen, Pestoglas aufmachen, Pamesan drüberschütten. Dauert sieben Minuten, schmeckt super, macht satt, maximales Kosten-Nutzen-Verhältnis also. Im Veganuary geht das natürlich nicht mehr, denn der Basilikum und Knoblauch im Pestoglas vermischen sich mit einer Menge Parmesan und Molkepulver, vom Parmesantopping mal ganz abgesehen. Also muss eine Alternative her.

Veganes Pesto finde ich im Supermarkt leider nicht, dafür gibt es eine Tomatensoße im Glas, die mit gegrilltem Gemüse und Zucchini verfeinert ist. Klingt ganz gut, schmeckt aber leider nicht so. Die Suche nach einer passenden Pesto-Alternative geht also weiter. Eine schnelle Google-Recherche zeigt zumindest, dass es existiert, das vegane Pesto – bei Rewe, bei Amazon, im Bio-Markt. Gar nicht mal so selten. Einem baldigen Test sollte also nichts im Wege stehen.

Tag 14: Wie vegane Ernährung Klima und Tiere schützt

Zum ersten Mal seit Beginn meines veganen Monats bin ich zum Essen eingeladen. Ich sage natürlich erst einmal freudig zu – merke dann aber vorsichtig an, dass ich mich momentan vegan ernähre. Und dass es im Zweifelsfall auch einfach ein Bier tut. Ich habe aber Glück, es gibt mehr als Bier. Stattdessen bekomme ich Bulgur, Champignons und Maronen aus dem Ofen mit Sesamsoße serviert. Super lecker, und offenbar auch keine besondere Herausforderung für den Koch. Gar kein so großes Ding also, nach einem veganen Abendessen zu fragen.

Wem kurz vor der Halbzeit des Veganuary trotzdem das Durchhaltevermögen ausgehen sollte, hier ein paar Zahlen, die motivieren: Alle Menschen, die in den vergangenen Jahren beim Veganuary mitgemacht und ihn auch durchgezogen haben – das waren etwa eine Million Menschen –, haben dadurch so viele CO2-Äquivalente eingespart, wie wenn man 15.000 Mal mit dem Auto um den Globus fährt. Das hat das Harvard University's Animal and Policy Program im Auftrag von Veganuary berechnet.

Außerdem wurden 6,2 Millionen Liter Wasser eingespart und 4,3 Millionen Tiere weniger in der Tierproduktion benötigt, sagt Veganuary-CEO Rita Rehnberg: "Selbst wenn man nur einen Monat vegan lebt – im Kollektiv macht das einen riesigen Unterschied. Zudem sind viele nach dem Experiment vegan geblieben." Deshalb an alle Mitstreiterinnen und Mitstreiter: Haltet durch und rettet die Welt. Zumindest ein bisschen.

Tag 13: Lieferessen geht auch vegan

So schön – und im Idealfall lecker – es auch ist, selbst zu kochen: Manchmal ist es schöner, wenn das Essen einfach fertig zu einem gebracht wird. Weil wir aber noch keinen genauen Plan haben, was da gleich auf dem Tisch stehen soll, holen wir diesmal nichts bei einem bestimmten Restaurant ab, sondern durchforsten zum ersten Mal Lieferando nach veganen Leckerbissen.

Nun wohnen wir in Berlin und auch noch in der Vegan-Hochburg Prenzlauer Berg: Hier ist das Angebot tatsächlich recht groß und wir müssen nicht lange suchen, bis wir bei einem vietnamesischen Restaurant landen, das von veganen Currys über Bowls bis zu Burgern alles anbietet. Die Wahl fällt auf einen Burger mit Seitan-Bratling, Mango und Kimchi, dazu gibt es Süßkartoffel-Pommes und Edamame. Wieder ein neues veganes Geschmackserlebnis also, das nur durch die Unmengen an Verpackungsmüll etwas vermiest wird – die Lieferung in Mehrwegboxen ist bislang leider nur bei sehr wenigen Restaurants möglich. Immerhin wieder ein Restaurant in der Krise unterstützt, beruhige ich mein schlechtes Gewissen.

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Burger ohne Fleisch, dafür mit Seitan, Kimchi und Mango. bild: watson

Das weiß ich jetzt

Lieferando hat anlässlich des Veganuarys übrigens die veganen Bestellungen genauer unter die Lupe genommen. Demnach nahmen vegane Bestellungen auf der Plattform im vergangenen Jahr stark zu: Im November 2020 bestellten die Deutschen zweieinhalb Mal so viele vegane Speisen wie noch im Vorjahr. Mit einem Plus von 166 Prozent lag dabei Hamburg ganz vorn, gefolgt von Frankfurt, München und Berlin.

Tag 12: Corona macht es Neu-Veganern leicht

Es gibt wohl nichts, das die Umstellung auf eine vegane Ernährung so sehr erleichtert wie die Corona-Pandemie. Statt Freunde zu treffen, auf Konzerte zu gehen und unterwegs nur schnell einen Happen zum Essen zu holen, verbringe ich die Abende zu Hause. Ich habe also Zeit zum Kochen, viel Zeit. Aus dem Feierabendbier wird das Feierabendshopping im Supermarkt – und das ist plötzlich nicht mehr lästig, sondern der aufregendste Punkt des Tages. Und schon in der Mittagspause kann ich mir dank Homeoffice oft eine schnelle frische Mahlzeit zusammenrühren, nicht-vegane Versuchungen laufen mir praktisch nicht über den Weg. Ähnliches berichtet meine Freundin, die mit ihrem Mann ebenfalls am Veganuary teilnimmt: Sie hat nicht das Gefühl, auf irgendetwas verzichten zu müssen.

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Veganes Palak Paneer – schmeckt so gut wie im Restaurant. bild: watson

Wenn die einzige Alternative ein Spaziergang durch das kalte, windige, und dunkle Berlin ist, macht Kochen also wieder richtig Spaß. Insbesondere dann, wenn man neue Gerichte ausprobieren kann – oder muss. Mit vielen Basics der veganen Küche – Agavendicksaft, Kreuzkümmel, Garam Masala – die in Rezepten immer wieder auftauchen, habe ich mich inzwischen eingedeckt. Heute gibt es veganes Palak Paneer, das Rezept kommt von einem der vielen veganen Kochblogs. Eigentlich relativ simpel, ich wäre nur nicht auf die Idee gekommen, den indischen Klassiker nach zu kochen, schon gar nicht vegan. Das Ergebnis schmeckt aber himmlisch – und macht direkt Lust auf das nächste neue Rezept.

Tag 11: Vegane Pizza – früher war mehr Käse

Wenn ich den Rest meines Lebens nur noch ein einziges Gericht essen dürfte, dann würde ich keine Sekunde zögern und mich für Pizza entscheiden. Egal zu welcher Tages- oder Nachtzeit: Stell mir eine Pizza hin, ich verputze sie. Und hätte mein Leben einen Soundtrack, wäre es definitiv "Pizza" von der Antilopen Gang. Dementsprechend gespannt bin ich natürlich auf meine erste vegane Pizza. Im Sommer habe ich bei der Pizzeria um die Ecke damit eine eher enttäuschende Erfahrung gemacht. Die hat zwar einen durchaus leckeren, mit Gemüse belegten Teigfladen serviert, so ganz ohne Käse hatte der aber wenig bis nichts mit einer Pizza zu tun.

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Gesund ist die vegane Pizza mit Sicherheit – aber das ist ja auch nicht ihre Bestimmung. bild: watson

Dementsprechend gewappnet bin ich, als ein Kumpel vorschlägt, dass wir uns auf Bier und (Fertig)pizza treffen. Im Kühlschrank liegt noch veganer Streukäse, allzeit bereit, eine Mahlzeit aufzumotzen. Und den braucht es auch: Im Supermarkt finde ich eine vegane Tiefkühlpizza, was mein Herz schonmal vor Freude springen lässt. Allerdings wirbt sie damit, zu 44 Prozent aus Gemüse zu bestehen – was leider zu Lasten des Käses geht. Also wird sie vor dem Gang in den Ofen noch einmal mit einer Schicht aus veganem Käse bedeckt.

Das Ergebnis ist durchaus essbar – ich meine, es handelt sich immer noch um eine Fertigpizza, und die kommt natürlich nie an ihre Schwester aus dem Steinofen heran. Langfristig ist das Pizza-Problem aber nicht gelöst, da muss noch mehr gehen. Würde man mich nachts um drei wecken und mir die vegane Pizza unter die Nase halten, würde ich mich jedenfalls umdrehen und weiterschlafen.

Tag 10: Kalzium gibt's auch ohne Kuhmilch

Was in meinem veganen Experiment keinerlei Veränderung mit sich bringt: Milch. Angesichts der miserablen Klimabilanz und dem Leid, das auf Hochleistung gezüchtete Kühe auf sich nehmen müssen, um möglichst viel Milch produzieren zu können, kommt in meinen Kaffee und mein Müsli schon seit längerem Hafermilch. Zumal es keinerlei Mehraufwand bedeutet, im Supermarkt einfach die pflanzliche statt der tierischen Milch zu kaufen.

Natürlich versteckt sich Milch aber auch in wahnsinnig vielen anderen Lebensmitteln – und die brauche es auch, um den Kalziumbedarf zu decken, lautet ein beliebtes Argument von Nicht-Veganern. Etwa ein Kilo unseres Körpers besteht aus Kalzium, es ist damit der am stärksten vertretene Mineralstoff in unserem Körper – der wichtig für den Aufbau von Knochen, Haaren und Zähnen ist.

Dabei ist Kuhmilch nur eine von vielen Kalziumquellen. Das Mineral befindet sich auch in Hafermilch, Paranüssen, Mandeln und Haselnüssen, getrockneten Feigen, Tofu und grünem Blattgemüse wie Grünkohl. Aus manchen Pflanzen kann der Körper sogar mehr Kalzium aufnehmen als aus der Kuhmilch: Während diese beispielsweise eine Bioverfügbarkeit von 39 Prozent hat, sind es bei Brokkoli oder Grünkohl über 50 Prozent. Der Mythos, dass unsere Milch unbedingt aus dem Euter einer Kuh kommen muss, sollte damit widerlegt sein.

Tag 9: Mit Kater macht veganes Essen keinen Spaß

Vergesst alles, was ich gestern geschrieben habe: sich vegan zu ernähren IST eine Herausforderung – zumindest mit Kater. Nach drei Bier am gestrigen Abend schreit mein Körper förmlich nach Fett. Normalerweise würde ich mir jetzt ein Rührei braten, einen Halloumi holen oder eine Pizza bestellen. Stattdessen warten die Bohnen vom Vortag auf mich. Nicht unbedingt das, wonach sich mein Magen jetzt sehnt.

Klar, inzwischen kann man sich selbst vegane Burger von Fast-Food-Ketten liefern lassen – aber SO schlimm ist es dann auch wieder nicht. Ich bleibe standhaft und bei den Bohnen. Und bei der Erkenntnis, nächstes mal weniger zu trinken. Ist beides gesünder.

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Ein eher klägliches Kateressen. bild: watson

Wenn wir schon bei der Gesundheit sind: Wer sich beim Veganuary anmeldet, kann ankreuzen, was das Hauptmotiv für die Teilnahme ist – Tierwohl, Gesundheit oder Umweltschutz. Und während viele Jahre der Tierschutz der Hauptgrund war, warum sich Menschen vegan ernährten, ist die Gesundheit inzwischen gleichgezogen. Wer sich vegan ernährt, setzt sich schließlich intensiver mit seiner Ernährung auseinander und isst viel Obst, Gemüse und Vollkornprodukte – sofern er sich nicht nach einem Kater mit Junkfood vollstopft, versteht sich.

Bei mir dagegen ist hauptsächlich die miese Klimabilanz von tierischen Lebensmitteln dafür verantwortlich, dass ich tierische Produkte schon in der Vergangenheit reduziert habe und weiter reduzieren möchte. Und ich könnte mir vorstellen, dass das immer mehr Menschen ähnlich sehen. Im kürzlich vorgestellten Fleischatlas jedenfalls wurde auf einen Fridays-for-Future-Effekt hingewiesen: Ein Drittel der Vegetarier und Veganer unter 30 hat die Ernährung erst im Laufe des vergangenen Jahres umgestellt.

Tag 8: Wo bleibt die Herausforderung?

Ich bin enttäuscht. Ich hatte mich auf harte, entbehrungsreiche Wochen eingestellt. Auf eine richtige Challenge, die mich an meine Grenzen bringt in einer Zeit, in die größte Herausforderung darin besteht, die zwei Meter vom Bett an den Schreibtisch zu überwinden. So wie damals, als ich mich sieben Tage lang nur von Säften ernährt habe, um meinen Körper zu entgiften und zu schauen, ob ich das schaffe, so ganz ohne Essen (ja, schaffe ich, fühlt sich aber richtig mies an, don’t try this at home!).

Und jetzt? Sitze ich in meiner Wohnung, ernähre mich vegan, und habe keinerlei Stress damit. Noch mehr: mir fehlt nichts. Ich esse abwechslungsreich dank der vielen Online-Rezepte, praktisch alles lässt sich irgendwie vegan nachkochen. Und wenn die Lust auf etwas Süßes, Fettiges und Ungesundes kommt, dann gibt es zum Glück auch genügend süße, fettige, ungesunde UND vegane Alternativen.

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Mit den richtigen Rezepten ist vegan kochen keine große Herausforderung. Bild: Digital Vision / Kathrin Ziegler

Der Veganuary-Newsletter hilft da wirklich – ich wäre beispielsweise nie auf die Idee gekommen, dass Oreos vegan sind, und auch die vegane Schokolade findet sich im Supermarkt deutlich einfacher, wenn ich von vorneherein weiß, nach welchen Sorten ich Ausschau halten muss. Hinzu kommt, dass sich super viele Unternehmen am Veganuary beteiligen und neue vegane Produkte auf den Markt bringen. Kurz: Der Start ins vegane Leben wird mir echt leicht gemacht.

Auf den Teller kommt heute (neben dem morgendlichen Brot mit Schokocreme und dem abendlichen Brot mit veganem Aufstrich) ein Wrap mit Bohnen und Guacamole. Ich kaue und bin durchaus zufrieden mit mir und dem Experiment. Aber ich weiß auch: Das ist erst der Anfang. Die Zeit, in der ich sündige und in der ich an nichts anderes denken kann als an geschmolzenen Käse, sie wird kommen.

Das weiß ich jetzt

Auch Ria Rehberg von Veganuary sagt übrigens: Eine Teilnehmerzahl von 500.000 Menschen wie in diesem Jahr wäre nicht möglich, wenn inzwischen nicht an jeder Ecke Veganismus beworben würde. "Vegane Ernährung trifft den Nerv der Zeit – vegane Produkte sind inzwischen viel gegenwärtiger und die Qualität besser als noch vor fünf Jahren", sagt Rehberg.

Tag 7: Vegan shoppen ist nichts für Anfänger

Der Nachteil daran, alleine zu wohnen: Hat man einmal gekocht, isst man tagelang das gleiche. Der Vorteil: Hat man einmal gekocht, hat man tagelang Ruhe. Es gibt also heute den Rest der überbackenen Auberginen und ich muss mich um nichts weiter kümmern. Zeit, mich schonmal gedanklich auf den nächsten Einkauf vorzubereiten. Bei meinem letzten Shoppingtrip ist mir nämlich aufgefallen, dass meine bisherigen Einkaufsmaxime etwas untergraben wurden.

Was um die halbe Welt gereist, in drei Lagen Plastik eingewickelt ist und momentan keine Saison hat, findet normalerweise nämlich eher selten den Weg in meinen Einkaufswagen. Wenn ich aber nur vegane Produkte kaufen kann und davon eine ganze Reihe brauche, um etwas Schmackhaftes zusammenzurühren, wird es nicht gerade einfacher, sämtliche Punkte zu erfüllen – zumindest am Anfang. Aber ich nehme die Herausforderung an.

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Augen auf bei Ersatzprodukten: nicht alle sind vegan. bild: watson

Kollegin Saskia ist bei ihrem letzten Einkauf übrigens minimal mehr eskaliert und hat sich mit Ersatzprodukten eingedeckt, mit denen sie sich sicher coronakonform von der Außenwelt abschotten und dennoch den Winter überstehen könnte – und wie wir alle wissen, kann der in Berlin verdammt lang sein. Dabei hat sie aber festgestellt, dass Fleischersatzprodukte, die logischerweise vegetarisch sind, noch lange nicht vegan sein müssen. In vegetarischer Wurst steckt beispielsweise manchmal Eiklar, im Schnitzel ist Schmelzkäse untergemischt. Und so heißt es selbst bei den Ersatzprodukten: Imaginäre Lesebrille aufsetzen und Inhaltsstoffe genau studieren. Ganz schön anstrengend.

Tag 6: Keep it simple – veganisiere deine Lieblingsgerichte

Langsam aber sicher läuft das Projekt Veganuary ganz nebenbei. Klar, sind Kühlschrank und Vorratsregal erstmal ausschließlich voller veganer Lebensmittel, wird ein Ausrutscher, ob versehentlich oder nicht, immer unwahrscheinlicher. Ganz egal wie oft der Weg zum Kühlschrank führt – die Strecke vom Schreibtisch dorthin dürfte dank Homeoffice schon Spuren im Parkett hinterlassen haben – es gibt nichts, was mich in Versuchung führen könnte. Dafür jede Menge Nüsse, Obst und vegane Schokolade.

Auch das Kochen der Hauptmahlzeiten ist einfacher als gedacht. In der Vergangenheit ist mir beim Anblick der Fotos veganer Foodblogs auf Instagram zwar oft das Wasser im Mund zusammengelaufen, mit Blick auf die lange und teils recht exotische Zutatenliste habe ich manches Rezept aber direkt wieder vom Speiseplan gestrichen. Kreuzkümmel, Garam Masala, Agavendicksaft, Erdnussöl: Das alles für ein neues Gericht zu kaufen, ist ganz schön anstrengend und teuer.

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Simpel und lecker: Überbackene Auberginen. bild: watson

Also tue ich das, was auch die Organisatoren des Veganuary Neu-Veganern empfehlen: Ich konzentriere mich erstmal auf die Basics und veganisiere meine Standardgerichte: "Am Anfang hilft es, den Tag gedanklich durchzugehen und sich zu überlegen, was man normalerweise isst, und was vegane Alternativen dazu sind", empfiehlt mir Ria Rehberg, CEO von Veganuary. "Wenn ich gerne Nudeln esse, dann kriege ich bestimmt eine vegane Soße hin, wenn ich Curry liebe, ersetze ich das Huhn durch Tofu." Gesagt getan. Ich nehme mir eines meiner 0815-Alltagsgerichte vor: Gebratene Auberginenscheiben, im Ofen überbacken mit Tomate, Oliven und Schafskäse. Letzteren ersetze ich einfach durch veganen Streukäse aus Mandelerzeugnissen. Einfacher geht's kaum.

Tag 5: Veganer Kochabend? Dann doch lieber Sushi

Die entscheidendste Frage des Experiments ist geklärt: Vegane Nuss-Nougat-Creme schmeckt. Halleluja! Dabei wurde mir von diversen Freunden Gegenteiliges berichtet – ein weiterer Beweis dafür, dass man nichts verwerfen sollte, was man nicht selbst auf der Zunge hatte. Und weil sie Fairtrade ist, schmeckt sie gleich noch ein bisschen besser. Kann jetzt noch etwas schiefgehen? Ich glaube nicht.

Mittags gibt es Brot mit Auberginenaufstrich und Tomate, abends kommt ein Freund zum Kochen vorbei. Als ich ihm die Kunde überbringe, dass ich mich momentan vegan ernähre, freut er sich zunächst, ein gesundes pflanzliches Mahl kann nach der weihnachtlichen Völlerei schließlich niemandem schaden. Ich zähle auf, was ich alles eingekauft habe und welche veganen Leckereien wir daraus zaubern könnten – und er schlägt vor, doch lieber Sushi zu bestellen. Gut, at least I tried. Die vegane Auswahl beim Sushi-Dealer meines Vertrauens ist dann zwar überschaubar, aber ausreichend. Eine Reis-Bowl mit Gemüse und Sushi mit Avocado und Tofu, da kann man nicht viel falsch machen.

Übrigens: Während ich und eine halbe Million anderer Menschen sich den Januar über erstmals vegan ernähren, heißt es vorab aus dem sogenannten Fleischatlas, dass der weltweite Fleischkonsum weiter steigt. Kleiner Lichtblick: In Deutschland ernähren sich immer mehr Menschen vegan oder vegetarisch, besonders die jüngeren unter 30. Darauf einen Karottenstick!

Das weiß ich jetzt

Lachs – ökologisch maximal bedenklich und gleichzeitig unverschämt lecker – kann auch unabhängig vom Veganuary auf meinen Speiseplan zurückkehren. Denn dank der Sushi-Eskalation habe ich zum ersten Mal veganen Lachs gegessen. Und der ist ziemlich lecker.

Tag 4: Vegan-Fail am frühen Morgen

Mit gefühlt fünf Kilo Walnüssen im Gepäck warte ich auf meinen Zug zurück nach Berlin. Es ist 5.40 Uhr, es ist dunkel, es ist kalt. Verschlafen kaufe ich mir am Bahnhof einen Milchkaffee. Der braucht drei Stunden und 400 Kilometer, bis er mich aufweckt. Erst dann wird mir bewusst, welchen Fehler ich begangen habe. Ich Anfängerin – dabei hätte es den Kaffee auf Nachfrage mit Sicherheit auch mit Hafermilch gegeben! Damit mir essenstechnisch kein ähnlicher Fauxpas unterläuft (und weil ich in Berlin direkt arbeiten gehe und wenig Zeit für die Essensbeschaffung habe) ernähre ich mich ausschließlich von mitgebrachten Brötchen.

Den Rest des Monats nur Brot zu essen ist aber natürlich keine Lösung. Nach Feierabend steht deshalb der erste größere rein vegane Einkauf an. Platz dafür ist genug, der Kühlschrank ist nach den Feiertagen sowieso leer. Nur ein einsames Schokosoufflee (es bricht mir das Herz!) und die krümeligen Reste eines Schokoweihnachtsmanns kommen weg. Denn so hoch meine Motivation auch ist – bei der Anziehung von Schokolade wirken höhere Kräfte. Um nicht in Versuchung zu geraten, hat auch Werkstudentin Saskia, die ebenfalls bei der Challenge mitmacht, alle nicht-veganen Lebensmittel aussortiert und in Kartons gepackt. Bis Februar heißt es: Finger weg!

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Selbst Nudeln und Chips sind teilweise nicht vegan und müssen weg. bild: watson

Im Supermarkt geht es dann natürlich erst einmal darum, sich mit den wirklich überlebenswichtigen Dingen einzudecken – richtig, einem veganen Nutella-Ersatz! Der ist zum Glück schnell gefunden, auch sonst ist der Einkauf nicht sonderlich exotisch. Veganer Streukäse statt Streukäse aus Milch, ansonsten recht gemüselastig. Mit zwei simplen Rezepten im Kopf ist der vegane Einkauf fast enttäuschend einfach. Vegane Ersatzprodukte gehören inzwischen schließlich in vielen Supermärkten und Discountern dazu, zum Veganuary haben viele Unternehmen ihr Sortiment noch einmal aufgestockt.

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Das Ergebnis des ersten veganen Einkaufs. bild: watson

Das weiß ich jetzt

Für den verschmähten Schokonikolaus ist zum Glück schnell Ersatz gefunden, es gibt eine ganze Menge vegane Schokolade. Zuckrig und ungesund geht also auch in vegan, yeah!

Tag 3: Reis ist mein Gemüse

Vorteil von sonntäglichem Ausschlafen Nummer eins: ein erholter Start in den Tag, logisch. Vorteil Nummer zwei: kein Kopfzerbrechen über ein veganes Frühstück. Ich starte also gleich mit dem Mittagessen, es gibt Griessuppe und Brot, simpel, vegan, lecker. Dumm nur, dass der Hunger schon nachmittags wieder einsetzt und es in der Wohnung meines Bruders keinerlei vegane Snacks gibt. Gummibärchen? Natürlich mit Gelatine. Schokomüsli? Vergiss es. Kekse? Nope. Also wird das Abendessen, diesmal vom Lieferdienst, früher bestellt.

Von den mehr als 300 angebotenen Gerichten auf der Speisekarte habe ich – Menschen mit Entscheidungsschwierigkeiten lieben das – nur die Auswahl aus sechs veganen Gerichten. Ich wähle ein indisches Essen aus Auberginen, Zwiebeln und Tomaten, alles vermengt zu einer einheitlich braunen Masse, dazu gibt es Reis. Essbar, aber keine Geschmacksexplosion. Das mag aber nicht unbedingt daran liegen, dass das Gericht vegan ist, sondern vielleicht eher daran, dass der arme Koch dieses Restaurants gleichzeitig die indische, thailändische, italienische, schwäbische UND chinesische Küche beherrschen muss. Vorsatz für morgen: Den ersten veganen Tag ohne Reis hinter mich bringen.

Das weiß ich jetzt

Apropos fehlende Abwechslung: Über den Veganuary-Newsletter bekomme ich eine Liste mit Lebensmitteln zugeschickt, die ich täglich zu mir nehmen sollte, um mich ausgewogen zu ernähren. Die Empfehlung stammt übrigens aus einem Buch mit dem Titel "How not to Die" – wenn das kein guter Vorsatz für 2021 ist! Überleben ist aber offenbar gar nicht so einfach. Drei Portionen Bohnen soll ich etwa täglich essen, eine Portion Kreuzblütler-Gemüse wie Brokkoli oder Blumenkohl, grünes Blattgemüse, Gewürze und Getreideprodukte stehen ebenfalls auf der Liste der täglichen zwölf. Als Orientierung super, momentan aber noch deutlich zu ambitioniert für mich. Der empfohlene Löffel Leinsamen am Tag lässt sich für den Anfang am einfachsten umsetzen, die Körner sollen wahre Eisenbomben sein, außerdem den Cholesterinspiegel senken, die Verdauung verbessern und die Wahrscheinlichkeit für Herzattacken und Schlaganfälle senken. Mit dem Mund voller Leinsamen fühle ich mich wie James Bond. Gestorben wird definitiv an einem anderen Tag.

Tag 2: Nein Oma, so etwas esse ich jetzt nicht mehr

Der zweite Tag des Vegan-Experiments startet mit einer exzellenten Nachricht: Laugenbrötchen sind laut der Bäckerin des Vertrauens vegan! Ich werfe vor Freude innerlich eine Handvoll Konfetti in die Luft, belege das Brötchen mit Margarine und veganem Kräuterkäse aus Mandelmilch, beiße hinein – und kehre das Konfetti dann direkt wieder zusammen. Der Käse ist seltsam und enorm fettig, schmeckt so meine Zukunft? Zum Glück gibt es noch jede Menge Marmelade, und weil die dieses Mal nicht mit kryptischem bosnischem Etikett versehen, sondern selbstgemacht ist, kann nichts schief gehen. Meinen Kaffee trinke ich sowieso schon lange mit Hafermilch, das ist also keine Umstellung.

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Den Kartoffelkuchen lasse ich stehen, stattdessen gibt's wieder Brokkoli und Seitan – schmeckt auch noch an Tag 2. bild: watson

Fürs Mittagessen bringt Oma ihren berühmten Kartoffel- und Zwiebelkuchen vorbei. Der ist dank Sahne und Quark natürlich alles andere als vegan, also muss ich ablehnen. Welche seelischen Qualen das bei meiner Oma verursacht – die normalerweise schon enttäuscht feststellt, dass es mir offensichtlich überhaupt nicht schmeckt, wenn ich "nur" drei Stücke esse – kann ich nur erahnen. Zum Glück ist noch etwas von der Brokkoli-Seitan-Pfanne von gestern übrig. Die schmeckt auch heute noch. Genauso wie die Banane zum Nachtisch und die Walnüsse, die ich snacke, während ich arbeite.

"Geil, frischer Mozzarella", denke ich, als ich mich an den Abendbrottisch setze, und dann "Ah äh, nee". Stattdessen gibt es vegane Salami und Auberginenpaste aufs Brot, beides schmeckt wunderbar und der Schreck vom Frühstück ist vergessen.

Das weiß ich jetzt

Nüsse stopfen den Magen hervorragend, das Abendessen hätte ich gar nicht gebraucht. Von Hunger ist jedenfalls keine Spur mehr – läuft doch, dieses vegane Leben! Zumindest so lange, bis ich wieder kochen muss. Oder keinen Bock mehr auf Brokkoli habe. Also...morgen.

Tag 1: Ein holpriger (und hungriger) Start

Meine Challenge beginnt unter denkbar schweren Bedingungen. Nicht im Berliner Veganerhimmel, wo der nächste Falafel nie weiter als einen Block entfernt ist, sondern in der Heimat auf dem schwäbischen Land, wo vegan irgendwie wie ein Schimpfwort klingt. Nicht Zuhause, wo vegane Ersatzprodukte warten, sondern am Frühstückstisch im Elternhaus meiner besten Freundin, bei der ich wegen der nächtlichen Ausgangssperre an Silvester übernachten musste. Und nicht fresh und ausgeschlafen, sondern verkatert und müde.

Der Tisch biegt sich geradezu unter sämtlichen Bestandteilen eines reichhaltige Katerfrühstücks, doch ich stelle fest, dass ich kaum etwas davon anrühren kann. Lediglich die Äpfel, Tomaten, das Baguette und die Marmelade sind vegan. Denke ich zumindest. Doch die vermeintliche Marmelade, die ich wegen ihres bosnischen Etiketts nicht richtig zuordnen kann, entpuppt sich nach einem beherzten Biss ins Brot als Honig – und der ist nicht vegan. Versagt schon bei der ersten Mahlzeit. Unser Schulfreund, der ebenfalls mit am Tisch sitzt, wegen seines alkoholgeplagten Magens aber noch keinen Bissen runtergekriegt hat, bemerkt süffisant, dass er 2021 länger vegan gelebt hat als ich. Wir erklären ihn zum Veganer des Jahres. Ich knabbere Apfelschnitze.

Den Rest meines ersten Tages als Veganerin bin ich dann vor allem eines: hungrig. Denn ich habe zwar daran gedacht, mir Zutaten fürs Kochen am Abend zu kaufen, nicht aber daran, dass auch die meisten Snacks nicht vegan sind. Die Schokonikoläuse und Plätzchen, die noch unterm Weihnachtsbaum liegen, sind jedenfalls tabu. Immerhin haben wir noch eine Handvoll Walnüsse im Haus.

Dementsprechend fiebere ich dem Kochen am Abend entgegen. Über den Veganuary-Newsletter bekomme ich Rezepte für die erste Woche zugeschickt, habe mir wegen des Feiertags vorab aber schon in einem veganen Kochblog ein Rezept für Stir-fry Brokkoli mit Seitan ausgesucht und entsprechend eingekauft. Bei meiner Mutter und meinem Bruder hat die Ankündigung der veganen Mahlzeit wenig Begeisterung hervorgerufen, was in mir den Ehrgeiz weckt, zu beweisen, dass veganes Essen sehr wohl sehr lecker sein kann. Mein Vater dagegen knetet begeistert Seitan und findet dieses Lebensmittel, von dem er nie zuvor gehört hat, äußerst interessant. Das Essen wird am Ende selbst von meinem Bruder für "gar nicht mal so schlecht" befunden – im Schwäbischen, wo das Motto "Nicht gemotzt ist genug gelobt" gilt, ist das ein geradezu euphorisches Urteil. Und ich bin endlich satt.

Das weiß ich jetzt

Vorbereitung ist alles – und ich war offenbar nicht vorbereitet, zumindest nicht gut genug. In den kommenden Tagen werden also noch einige Ausflüge in den Supermarkt und Biomarkt anstehen. Den Tag hungrig beginnen, ist keine Option.

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Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
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    Alle Leser-Kommentare
  • Hansi Daurippel 20.01.2021 11:41
    Highlight Highlight Dieser Veganismus ist doch mittlerweile ein elitärer first world Oberschichtentrend der jetzt auch noch Body-shaming betreibt. Wer Hüftgold hat ist ein Fleischfresser und somit verachtenswert. Also vegan essen damit man eben kein Fettwanst wird. Im übrigen glaube ich das es piepegal ist ob nun Soja als Tierfutter angebaut wird oder als Basis für vegetarische Nahrung wie vegane Leberwurst. Man kann 8 Milliarden Erdenbürger nicht vegan ernähren.

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