Next step: Katie Sowers möchte Cheftrainerin werden.
Next step: Katie Sowers möchte Cheftrainerin werden.Bild: reuters

Weiblich, homosexuell, NFL-Coach – Katie Sowers schreibt Super-Bowl-Geschichte

Als erste Trainerin im Super Bowl schreibt Katie Sowers Sportgeschichte – doch der 33-Jährigen aus dem 49ers-Stab ist das längst noch nicht genug.
03.02.2020, 09:21

Den Ansturm bei der Super Bowl Opening Night meisterte Katie Sowers mit bemerkenswerter Lässigkeit. Massenhaft scharten sich Reporter um die Attraktion, die beim NFL-Spektakel in der Nacht zum Montag (0.30 Uhr MEZ/ProSieben und DAZN) Historisches vollbringt.

In einer Machowelt, in der Frauen ewig nur leicht bekleidet als Cheerleader oder Halbzeit-Showact ihr Geld verdienten, zieht die 33-Jährige als erste Trainerin im Super Bowl mit die Fäden. Noch dazu ist die Assistenztrainerin der Offensive der San Francisco 49ers offen homosexuell – ebenfalls ein Novum in der NFL-Historie.

Sie weiß das, und sie kann hervorragend damit umgehen.

Sowers diktierte den Football-Reportern vor dem großen Finale gegen die Kansas City Chiefs in Miami in die Blöcke:

"Ich wollte schon immer etwas schaffen, was zuvor noch niemandem gelungen ist, und wirklich eine Wegbereiterin sein."
Trainerin Katie Sowers

Das hat sie geschafft – und avancierte in den USA sogar zum Testimonial für Microsoft. "Es braucht nur eine, und es öffnet sich die Tür für so viele", sagt die Frau mit dem markanten Undercut in dem Clip. Und "die eine" bringt ihre Kollegen geradezu ins Schwärmen.

Cheftrainer Kyle Shanahan ist voll des Lobes für seine Kollegin.
Cheftrainer Kyle Shanahan ist voll des Lobes für seine Kollegin.Bild: imago images / Icon SMI

"Sie hat einen verdammt guten Job gemacht", lobte 49ers-Headcoach Kyle Shanahan, der Sowers 2017 mit von den Atlanta Falcons nach San Francisco brachte.

"Sie macht den Jungs ordentlich Dampf", befindet Niners-Quarterback Jimmy Garoppolo.
"Sie macht den Jungs ordentlich Dampf", befindet Niners-Quarterback Jimmy Garoppolo.Bild: imago images / Icon SMI
Receiver Emmanuel Sanders; "Sie ist lässig, das brauchen wir. Gerade in diesem chaotischen, stressigen Business."
Receiver Emmanuel Sanders; "Sie ist lässig, das brauchen wir. Gerade in diesem chaotischen, stressigen Business."Bild: imago images / Icon SMI

Der Weg in dieses Business allerdings war steinig. In der Kleinstadt Hesston im Bundesstaat Kansas spielte der Fan der Dallas Cowboys in jungen Jahren mit Zwillingsschwester Liz selbst Football, mit den Jungs natürlich. In der schulischen Laufbahn entwickelte sie sich mangels Football-Chancen für Mädchen zum sportlichen Multitalent, machte Leichtathletik, spielte Fußball, Softball, Volleyball, Basketball.

Bei der Arbeit! Katie Sowers mit ihren 49ers zu Gast bei den Tampa Bay Buccaneers in Florida.
Bei der Arbeit! Katie Sowers mit ihren 49ers zu Gast bei den Tampa Bay Buccaneers in Florida.Bild: imago images / ZUMA Press

Doch als sie nach ihrem Abschluss am mennonitischen Goshen College unbezahlt im Basketball-Trainerstab anfangen wollte, um ihre Coaching-Karriere zu starten, brach ihr ihr Ex-Coach das Herz. Denn eine Lesbe, so die Absage, könne nicht im Staff anheuern, das ginge den Eltern schlichtweg zu weit.

Im Rückblick mutet es beinahe ironisch an, dass dieser schlimme Moment vielleicht das Beste war, das Sowers passieren konnte. Sie fand zurück zum Football, spielte selbst in der Women's Football Alliance und dem US-Nationalteam, coachte nebenher ein Mädchen-Basketball-Team.

Einer der Väter: Scott Pioli, damals in der NFL Manager der Chiefs auf dem Sprung zu den Atlanta Falcons.

Scott Pioli.
Scott Pioli.Bild: imago images / Zuma press

Er öffnete 2016 mithilfe eines Diversity-Stipendiums die Tür und Sowers marschierte durch.

Inspiriert war Sowers von Becky Hammon, die 2014 als erste hauptamtliche Co-Trainerin in der NBA für Schlagzeilen gesorgt hatte.

Becky Hammon.
Becky Hammon.Bild: imago images / zuma press

Auch Sowers nimmt die Rolle als Vorbild für junge Mädchen und Frauen an – und strebt nach mehr: Sie möchte Cheftrainerin werden, dann eine Position im Management übernehmen.

Und nebenbei die Welt verändern. Sowers sagt:

"Die Publicity als erste Frau ist wichtig für die Sichtbarkeit. Aber am wichtigsten ist, dass ich nicht die Letzte bin."

(lj/afp)

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