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Bärenangriff: Was muss ich tun, wenn ein Bär vor mir steht?

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Der europäische Braunbär wagt sich mitunter auch nach Deutschland. Bild: www.imago-images.de / IMAGO/imageBROKER/alimdi
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Bärenangriff: Was muss ich tun, wenn ein Bär vor mir steht?

16.07.2024, 14:0616.07.2024, 14:18
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So süß Bären aussehen, so gefährlich können sie auch sein. Klar ist: Die Raubtiere lösen bei den meisten Menschen eine natürliche Faszination aus. Eine Begegnung gilt es dennoch zu vermeiden. Bis vor wenigen Jahren war ein Zusammentreffen mit einem wild lebenden Bären in Deutschland ohnehin nahezu ausgeschlossen.

In anderen Ländern sieht das allerdings mittlerweile anders aus. In Rumänien wurde eine junge Frau Anfang Juni von einem Bären getötet und in Norditalien kam ein Wanderer nur knapp mit dem Leben davon. Der 43-Jährige wurde bei einem Waldspaziergang von dem Raubtier überrascht und schwer verletzt.

ARCHIV - 22.02.2024, Italien, Trient: Ein Mitarbeiter des Forstkorps im Trentino untersucht ein Waldst�ck. Im Trentino leben durch ein erfolgreiches Wiederansiedlungsprojekt wieder Braunb�ren. (zu dpa ...
In der norditalienischen Provinz Trentino leben Braunbären.Bild: dpa / Robert Messer

Vor allem, wer in diesen Gebieten Urlaub macht, sollte sich zumindest der Gefahr bewusst sein, dass ihnen ein Braunbär begegnen kann. Auch wenn die Wahrscheinlichkeit, tatsächlich auf einen zu treffen, gering ist, so schadet es nicht zu wissen, was man im Falle einer Begegnung mit einem Bären tun sollte.

Wie verbreitet ist der Bär in Deutschland?

Bayern war lange Zeit ein natürlicher Lebensraum für Bären, ebenso wie für andere Beutegreifer wie Luchse und Wölfe. Nachdem im oberbayerischen Ruhpolding im Jahr 1835 der – vorerst – letzte Bär Deutschlands erlegt worden war, gab es hierzulande keine wildlebenden Braunbären mehr.

171 Jahre lang.

In Deutschland gilt der Bär noch immer als ausgestorben

Im Jahr 2006 setzte laut "BUND" erstmals wieder ein Bär seine Tatze auf bayerischen Boden. Das als "Problembär" eingestufte Tier wurde kurze Zeit später zum Abschuss freigegeben. Offiziell gilt der Bär in Deutschland noch immer als ausgestorben. Größere Bärenpopulationen gibt es in Europa nur noch in den Karpaten, in Skandinavien und dem Balkanraum. Kleinere Populationen gibt es laut "BUND" auch in Spanien und Italien. Einzeltiere gibt es im Dreiländereck zwischen Slowenien, Italien und Österreich des Öfteren.

Breitet sich der Bär wieder aus?

Immer öfter betreten ein oder mehrere Bären auch deutsches Staatsgebiet. In Bayern wurden im Wald auch Tatzenabdrücke gefunden, auch Schafe wurden im Sommer 2023 gerissen. Der Täter: ein Braunbär.

"Verirrter" Bär kommt wohl aus Italien

Vermutlich handelt es sich dabei um ein Tier aus der Bärenpopulation im italienischen Trentino, etwa 120 Kilometer von Bayern entfernt. Es ist nicht ungewöhnlich, dass vor allem männliche Bären durch die Alpen streifen.

Laut dem Bayerischen Landesamt für Umwelt sind die jungen männlichen Tiere dabei unter anderem auf Territoriums- und Partnerinnensuche. Werden sie nicht fündig, kehren sie demnach nach einigen Jahren wieder in die Heimatregion zurück. "Deshalb ist es nicht zu erwarten, dass Bären sich in Bayern dauerhaft ansiedeln", heißt es vonseiten des Landesamtes. Dennoch: Ausgeschlossen ist die Begegnung mit einem Bären in Deutschland offenbar nicht.

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Besonders männliche Bären streifen gerne durch große Gebiete. Bild: IMAGO/Nature Picture Library

Wie gefährlich sind Bären?

Grundsätzlich ist das Wesen von Bären menschenscheu. Wann immer möglich, versuchen sie daher, Begegnungen mit Menschen zu vermeiden. Und: Bären riechen etwa 100.000 Mal feiner als Menschen. Sie nehmen deshalb und wegen ihres ausgeprägten Hörsinns unsere Anwesenheit normalerweise schon mit mehreren Kilometern Entfernung wahr.

Steht der Wind schlecht, kann es dennoch zu ungewollten Begegnungen kommen. Besonders gefährlich können diese dann sein, wenn Jungtiere dabei sind oder das Tier überrascht wird. Das richtige Verhalten im "Ernstfall" minimiert das Risiko, verletzt oder gar getötet zu werden.

Europäischer Braunbär Ursus arctos Mutter mit Jungtieren, Finnland *** European brown bear Ursus arctos mother with cubs, Finland Copyright: xWillixRolfesx BIA156213
Bärenfamilien sind süß, aber gefährlich. Bild: imago images/BIA

Wie verhalten, wenn da plötzlich ein Bär steht?

Für einen jungen Jogger endete eine Begegnung mit einem Bären endete im italienischen Trentino tödlich. Für den unwahrscheinlichen Fall, dass man einem Bären begegnet, gilt also oberste Vorsicht. Es gibt einfache Verhaltensregeln, an die man sich laut Landesamt für Umwelt dringend halten sollte.

Bei Begegnung mit Bär unbedingt ruhig bleiben und nicht wegrennen

Auch wenn die Instinkte den Fluchtreflex auslösen und man am liebsten schreiend wegrennen möchte: Die oberste Priorität bei einer Begegnung mit einem Bären ist, Ruhe zu bewahren und hektische Bewegungen zu vermeiden. Zwar sind die Tiere scheu, aber auch sehr neugierig. Möglicherweise auch gegenüber Menschen, heißt es vonseiten des LfU. Richten sich die Tiere auf die zwei Beine auf, ist das meist nicht als Drohgebärde, sondern als Neugierde zu werten. Die Bären verschaffen sich so einen besseren Überblick.

Klar ist laut Expert:innen: Auf keinen Fall sollte man wegrennen, wenn man plötzlich einem Tier gegenüber steht.

Mit Ästen oder Steinen auf den Bären zu werfen, ist ebenfalls eine sehr schlechte Idee. Stattdessen sollte man das Tier weiterhin im Auge behalten und langsam, aber kontrolliert, den Rückzug antreten. Und: "Lassen Sie dem Bären in jedem Fall eine Ausweichmöglichkeit", heißt es in einer Mitteilung des LfU. Denn: Gefährlich werden die Tiere besonders dann, wenn sie das Gefühl haben, nicht ausweichen zu können.

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Bären meiden in der Regel Begegnungen mit Menschen. Bild: IMAGO/Nature Picture Library

Ruhig auf sich aufmerksam machen

Wegen ihrer Abneigung gegenüber Überraschungen sei es sinnvoll, das Tier durch ruhiges Sprechen und langsame Armbewegungen auf sich aufmerksam zu machen. Und auch vorbeugend können Wanderer und Outdoor-Liebhaber in Bärengebieten etwas tun: Sie sollten sich beim Wandern möglichst laut unterhalten oder singen. Nachts ist es besser, Bärengebiete zu meiden und keine Essensreste zurückzulassen.

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Für den Fall, dass ein Bär trotz allem auf einen Menschen losgeht, empfiehlt das LfU: Auf den Bauch legen oder auf dem Boden kauern und die Hände in den Nacken legen. Dann lässt der Bär normalerweise von dem Menschen ab oder beschnuppert ihn lediglich. Erst wenn der Bär weg ist, solle man dann aufstehen.

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