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Italien: Ziegen-Plage auf Insel Siziliens – Bürgermeister wird kreativ

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Auch bei knuffigen Ziegen gilt: Die Dosis macht das Gift. Bild: dpa / Frank Molter
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Italien: Ziegen-Plage lässt Bürgermeister kreativ werden

07.04.2024, 12:12
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Der kolumbianische Drogenbaron Pablo Escobar hat in Zeiten seiner Herrschaft nicht nur ein eigenes Gefängnis für sich gebaut, sondern auch einen Privatzoo.

Noch heute leidet Kolumbien unter den Auswirkungen von Escobars Privatvergnügen, denn aus den vier afrikanischen Flusspferden, die Escobar einst hat einfliegen lassen, sind mittlerweile mehr als 160 geworden. Nach seinem Tod 1993 wurden sie ihrem Schicksal überlassen und haben sich ungehindert vermehrt.

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Seitdem haben sich die Flusspferde massiv ausgebreitet. Sie schränken den Lebensraum einheimischer Seekühe und Wasserschweine ein, durch ihre aggressive Art werden die Anwohner:innen bedroht, ihre Fäkalien beeinträchtigen die Wasserqualität der Flüsse. Merke: Wenn der Mensch in die Natur eingreift, kann das ungewollte Folgen haben.

Italien leidet unter Ziegenplage: Bürgermeister ergreift Maßnahmen

Das müssen aktuell auch die Einwohner:innen der kleinen italienischen Insel Alicudi, die zu den Liparischen Inseln Siziliens gehört, erfahren. Denn dort wohnen mittlerweile 600 Ziegen – sechsmal so viele wie es Einwohner:innen auf der Insel gibt.

Wie CNN berichtet, gibt es weltweit keinen Ort, der ein so hohes Verhältnis von Tier zu Mensch hat. Nach Angaben der sizilianischen Regionalregierung wurden die Ziegen vor etwa 20 Jahren von einem Landwirt auf die Insel gebracht, der sie dort freigelassen hat. Jahrelang gingen die Tiere ihrer Wege, was aber auch bedeutete, dass sie sich rapide vermehrten.

Laut Bürgermeister Riccardo Gullo seien die Ziegen schließlich in Wohngebiete und Häuser eingedrungen und hätten alles gefressen, was sie in öffentlichen Parks, privaten Gärten und Hecken finden konnten. Eine Lösung musste her.

"Adoptionsprogramm" für Ziegen ins Leben gerufen

Unter dem selbsterklärenden Motto "adopt-a-goat" sollen sich Interessierte nun per Mail melden und sich daran beteiligen, die Ziegen von der Insel zu entfernen. Bis zu 50 Ziegen dürfte jede Person aufnehmen, sagte Gullo gegenüber CNN, dafür müsse man nur bis zum 10. April einen offiziellen Antrag bei der Gemeinde stellen und eine Gebühr von 16 Euro bezahlen. Er fügte aber hinzu, dass er die Frist verlängern werde, bis alle Ziegen aufgenommen seien. Idealerweise sollte das Verhältnis von Mensch zu Ziege auf Alicudi 1:1 sein.

ARCHIV - 28.08.2023, Schleswig-Holstein, S�derl�gum: Eine Ziege frisst von einer Pflanze mit Sp�ter Traubenkirsche. Die Beweidung mit Ziegen und Schafen soll dabei helfen, die Fl�chen vor Verbuschung  ...
Eine Ziege genehmigt sich einen Snack von einer Traubenkirsche. Bild: dpa / Frank Molter

"Idealerweise würden wir es begrüßen, wenn die Menschen versuchen würden, die Tiere zu domestizieren, anstatt sie zu essen", sagte Gullo. Die Behörden würden die Absichten der Ziegenpaten aber nicht genau prüfen. Nach der Zuteilung der Ziegen hat der Ziegenhalter 15 Tage Zeit, die Tiere einzufangen und von der Insel zu entfernen. Ihm sei es egal, sagte Gullo, ob man etwas über die Aufzucht von Ziegen wisse, solange man ein Boot habe, mit dem man die Tiere von der Insel bringen könne.

Kolumbien hat bei den Flusspferden unterdessen auf eine dreigleisige Taktik gesetzt. Jedes Jahr sollen 40 Tiere sterilisiert werden, dazu erwägt die Regierung, Abkommen mit Ländern wie Mexiko, Indien oder den Philippinen zu schließen, die die Tiere aufnehmen. Darüber hinaus arbeitet das Umweltministerium an einem ethischen Euthanasieprotokoll, um die Flusspferde einzuschläfern.

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