Ein Bild, an das sich die Fans in Zukunft wieder öfter gewöhnen müssen? Die Red Bull Arena in Leipzig kurz vor einem Geisterspiel.
Ein Bild, an das sich die Fans in Zukunft wieder öfter gewöhnen müssen? Die Red Bull Arena in Leipzig kurz vor einem Geisterspiel.Bild: www.imago-images.de / Hartmut Boesener
Analyse

"Gehen nicht davon aus, dass es eine Rückkehr zu Geisterspielen gibt": So wollen die Bundesligisten trotz hoher Infektionszahlen Fans ins Stadion lassen

18.11.2021, 13:1218.11.2021, 13:15

Die Corona-Zahlen in Deutschland steigen immer weiter. Am Donnerstagmorgen betrug die bundesweite 7-Tage-Inzidenz 336,9 Neuinfektionen je 100.000 Einwohner. Aber noch dürfen die Fußball-Vereine der 1. und 2. Bundesliga die Zuschauer in die Stadien lassen. Entweder unter 2G- oder 3G-Bedingungen.

Die Nachbarn aus den Niederlanden sind da strenger. Seit Samstag, 13. November, gilt dort ein Teil-Lockdown. Der bezieht auch Fußballspiele ein. Sowohl auf Amateur- als auch auf Profi-Niveau dürfen Partien nur noch unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfinden. Diese Regelung gilt zunächst bis 4. Dezember.

Bundesligisten sind trotz hoher Infektionszahlen optimistisch

Kurios also: Während am kommenden Wochenende in Dortmund rund 67.000 Zuschauer beim Spiel gegen den VfB Stuttgart erlaubt sein werden, muss PSV Eindhoven knapp 150 Kilometer weiter westlich vor leeren Rängen gegen Vitesse Arnheim spielen. Auf watson-Anfrage nach strengeren Einlassregeln hat sich Borussia Dortmund dazu nicht geäußert.

Die angespannte Corona-Situation in Deutschland mit täglich neuen Infektions-Höchstwerten wirft aber auch die Frage auf, ob und wie lange das Bild der jubelnden Fans in den Stadien noch gegenwärtig sein wird.

Deshalb hat watson bei allen 18 Bundesligisten nachgefragt, wie sie die aktuelle Corona-Situation in Bezug auf die zahlreichen Fans, die jedes Wochenende ins Stadion strömen, bewerten.

Geht es nach den fünf Vereinen, die überhaupt antworteten, bleiben die Fans in den Stadien. So teilten beispielsweise der VfL Wolfsburg, Borussia Mönchengladbach und RB Leipzig mit, dass sie davon ausgehen oder optimistisch sind, dass die Zuschauer weiter in die Stadien dürfen. So heißt es beispielsweise: "Wir gehen bei Borussia Mönchengladbach nicht davon aus, dass es eine Rückkehr zu Geisterspielen gibt."

Gladbach-Fans im Stadion während des Spiels gegen Borussia Dortmund.
Gladbach-Fans im Stadion während des Spiels gegen Borussia Dortmund.Bild: www.imago-images.de / BEAUTIFUL SPORTS/Wunderl

Leipzig hingegen sei "optimistisch, dass wir unter Einhaltung dessen (des Hygienekonzepts, Anm. d. Red.) auch weiterhin mit Fans spielen dürfen." Wolfsburg betont, dass der VfL nicht von erneuten Geisterspielen ausgehe und verweist, wie die anderen Vereine auch, auf das Hygienekonzept.

Dieses Konzept habe bisher erfolgreich gezeigt, dass bei einem Profi-Fußballspiel eine Corona-Infektion sehr unwahrscheinlich ist. So lässt beispielsweise Mainz 05 gegenüber watson mitteilen, dass es noch keinen Corona-Fall rund um ein Heimspiel der Rheinhessen gab.

Wie schaut diese Statistik aber insgesamt in der 1. und 2. Bundesliga aus? Regelmäßig befragt die Deutsche Fußball Liga (DFL) die insgesamt 36 Vereine beider Ligen. Zuletzt gab es eine Auswertung in der Länderspielpause im Oktober. Zu diesem Zeitpunkt waren in der Bundesliga sieben Spieltage gespielt, im Unterhaus waren es neun.

Insgesamt wurden in all den Partien bis dahin zwei Millionen Tickets verkauft. Laut den Angaben der DFL, die sie von den Vereinen bezieht, gab es lediglich in neun Fällen eine Kontaktnachverfolgung im Zusammenhang mit dem Coronavirus.

Der einzige Schwachpunkt dieser Statistik: Sie basiert auf den freiwilligen Angaben der Vereine und sind daher keine offiziellen Angaben der Gesundheitsämter.

Stadionbesuch scheint für Zuschauer sicher zu sein

Der Stadionbesuch scheint demnach für Zuschauer selbst in einer Pandemie sicher. Auch deshalb hoffen viele Vereine, dass bei der Ministerpräsidenten-Konferenz (MPK) am Donnerstag maximal die 2G-Plus-Regel für den Stadionbesuch kommt, wie sie Gesundheitsminister Jens Spahn für Veranstaltungen bereits gefordert hat.

"Alle Befürchtungen, die bei der Wiederzulassung von Zuschauern von Karl Lauterbach & Co. mit drastischen Worten unter das Volk gebracht wurden, haben sich nicht bestätigt."
CDU-Politiker Wolfgang Bosbach gegenüber "Sport1"

Auch CDU-Politiker Wolfgang Bosbach kennt die geringen Ansteckungszahlen bei den Zuschauern während eines Bundesliga-Spiels. Deshalb ordnet er bei "Sport1" ein: "Alle Befürchtungen, die bei der Wiederzulassung von Zuschauern von Karl Lauterbach & Co. mit drastischen Worten unter das Volk gebracht wurden, haben sich nicht bestätigt." Daher würde ein Zuschauerausschluss die aktuell ernste Lage auch nicht verbessern.

DFL würde rechtlichen Rahmen für Impf-Pflicht benötigen

Ein weiteres Thema, das mit den ansteigenden Corona-Zahlen in Deutschland auch unter den Profis der ersten beiden Ligen immer mehr Fahrt aufnimmt, ist die Impfquote unter den Fußballern und eine damit auch verbundene Impfpflicht.

Bei "Bild"-TV zog Bayerns Ministerpräsident Markus Söder am Dienstag eine Impfpflicht für Profis in Erwägung: "Ich denke, es wäre ein gutes Signal, dass wir so etwas auch für den Fußballbereich diskutieren – als Signal auch der Einheit von Fans und Spielern."

Nur kurz später konterte Liga-Geschäftsführer Christian Seifert ebenfalls bei "Bild"-TV: "Wenn die Politik die rechtlichen Möglichkeiten für eine Impfpflicht in bestimmten Berufsgruppen schafft, wird die DFL selbstverständlich eine solche Option umgehend intensiv diskutieren."

Heißt im Klartext: Die Liga braucht rechtliche Leitplanken, die durch die Politik gegeben werden müssen. Die freiwillige Einführung einer Impfpflicht würde die Bundesliga vor rechtliche Probleme stellen, so wurde es gegenüber watson von verschiedenen Funktionären aus dem Profi-Geschäft kommuniziert.

"Die Spieler, die dann nicht spielen dürfen, dürften keinen Lohnausfall haben, weil es eine selbst auferlegte Pflicht wäre."
Arbeitsrechtler Pascal Croset über Konsequenzen einer freiwillig verhängten Impfpflicht der Liga oder der Vereine

Das Problem: Bei einer freiwilligen Einführung einer 2G-Regel für Profis würden aber aktuell arbeitsrechtliche Konsequenzen drohen. Arbeitsrechtler Pascal Croset hatte bereits gegenüber watson gesagt, dass eine Impfpflicht, die von Verbänden oder Vereinen eingeführt würde, erhebliche Konsequenzen habe: "Die Spieler, die dann nicht spielen dürfen, dürften keinen Lohnausfall haben, weil es eine selbst auferlegte Pflicht wäre. Das hätte zur Folge, dass die Vereine den 'ausgeschlossenen' Spielern auch die verlorenen Prämien auszahlen müssten."

Borussia Mönchengladbach teilte auf watson-Anfrage zu einer möglichen Impfpflicht mit: "Auch wir sehen es so, dass wir die Pandemie vermutlich am schnellsten überwinden können, wenn alle oder fast alle Menschen geimpft wären. Die Einführung einer Impfpflicht dürfte jedoch von schwierigen ethischen und juristischen Gesichtspunkten abhängen. Sie nur für Fußballprofis einzuführen, halten wir für schwierig."

Genau diese Gesichtspunkte halten offensichtlich sowohl die Liga als auch die Vereine davon ab. Nichtsdestotrotz muss auch erwähnt werden, dass in der Bundesliga mit über 90 Prozent bereits eine höhere Impfquote vorhanden ist als in der Gesamtbevölkerung Deutschlands.

Transfer-Hammer: Dieser Bayern-Spieler soll Abschied bereits eingeleitet haben

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