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Hansi Flick kämpfte gegen Gladbach wie schon gegen Leverkusen mit dem Chancenwucher des FC Bayern. Bild: imago images / Moritz Müller

Analyse

Die Pleite gegen Gladbach offenbart erneut das größte Problem des FC Bayern

Der FC Bayern hat unter Neu-Trainer Hansi Flick das zweite Spiel in Folge verloren: In der Nachspielzeit schlug Borussia Mönchengladbach den amtierenden Meister nach einem Elfmeter mit 2:1. Der FC Bayern hat damit schon sieben Punkte Rückstand auf den Tabellenführer aus Gladbach und Hansi Flick muss sich unangenehme Fragen gefallen lassen.

Vor 54.022 Zuschauern im ausverkauften Borussia-Park lief es eigentlich lange sehr gut für den FC Bayern: Die Roten übernahmen die Kontrolle der Begegnung und spielten sich etliche Torchancen heraus. Die Borussia lief meistens hinterher und konnte gegen die Kombinationen der Bayern wenig ausrichten.

Bayern spielt etliche Torchancen heraus

Das Team von Hansi Flick kam zu zahlreichen guten Chancen: Thomas Müller grätschte in der achten Spielminute an einem verunglückten Schuss von Corentin Tolisso knapp vorbei. Anschließend verfehlte Robert Lewandowski das Gladbacher Tor zweimal knapp. Bei einem Schuss von Joshua Kimmich fehlte dann das Glück: Der zuvor starke Yann Sommer konnte den Ball nicht richtig parieren und diesen anschließend so gerade noch mit den Fingerspitzen aus dem Tor kratzen. Laut Torlinientechnologie fehlten nur wenige Zentimeter zur bayerischen Führung. So ging es weiter: Der für den verletzten Tolisso eingewechselte Ivan Perisic und Leon Goretzka verpassten ebenfalls das längst überfällige 1:0.

In der zweiten Hälfte erlöste dann Perisic seinen Coach Hansi Flick, die bayerische Vorstandetage auf der Tribüne und alle Bayern-Fans: Mit einem Drehschuss und einer unglücklichen Aktion von Torwart Sommer ging der FC Bayern völlig verdient in Führung.

Das Problem: Nach dem Treffer wurde Gladbach stärker, die Einwechslung von Breel Embolo beflügelte die Elf vom Niederrhein. Die Bayern ließen etwas nach. Es folgten das Tor von Ramy Bensebaini per Kopf. Nach weiteren Gelegenheiten kam es zum unglücklichen Einsatz von Javi Martinez im Strafraum: Das Foul in der Nachspielzeit wurde mit einem Elfmeter und einer Gelb-Roten Karte für Martinez bestraft. Bensebaini traf mit seinem zweiten Treffer ins bayerische Herz und zum 2:1-Endstand.

Flick-Elf hat Chancen-Problem

Nach dem Spiel erklärte Hansi Flick im Interview mit Sky, dass man 60 Minuten die bessere Mannschaft gewesen sei und sprach das derzeit größte Bayern-Problem gleich mit an: "Mich ärgert, dass wir die letzen zwei Spiele verloren haben, obwohl wir die besseren Chancen hatte. Aber am Ende entscheiden im Fußball die Tore", erklärte Flick.

Schon bei der 1:2-Heimniederlage gegen Bayer Leverkusen war der FC Bayern über weite Strecken das dominantere und viel bessere Team. Doch der amtierende Meister nutzte die zahlreichen Torchancen nicht. Hinten wurden die Bayern wiederum in beiden Spielen eiskalt bestraft.

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Der Führende der Torschützenliste, Robert Lewandowski, konnte gegen Stefan Lainers Borussia kein Tor schießen. Bild: imago images / Jan Huebner

Nach dem Spiel gegen Gladbach offenbart die Torschuss-Statistik, wie ineffektiv die Bayern derzeit vor dem Tor sind: Ganze 16 Torschüsse brauchte der FC Bayern für sein Tor, die Borussia nur sieben Schüsse für zwei Treffer. Gegen Leverkusen hatten die Bayern sogar ganze 23 Torschüsse – Bayer 04 hingegen elf.

Zu viele Gegentore für den FC Bayern

Was bei diesen Statistiken aber auch heraussticht: Die zweite große Schwäche der Bayern befindet sich in der Defensive. Die Bayern lassen vergleichsweise viele Torchancen zu und kassieren viele Treffer. Schon 20 Gegentreffer sind es nach nur 14 Spieltagen in dieser Saison. Zum Vergleich: 2016 wurde der FC Bayern mit nur 17 Gegentreffern nach 34 Spieltagen Meister. Das Problem, das unter Niko Kovac riesig war und zwischenzeitlich von Hansi Flick mit vier Spielen ohne Gegentor gelöst schien, zeigte sich gegen die offensivstarken Teams aus Leverkusen und Gladbach erneut.

Sky-Experte Dietmar Hamann fasste nach der Niederlage die bayerischen Baustellen zusammen: "Es ist die Kombination aus zu vielen ausgelassenen Torchancen und zu vielen Gegentoren. Es ist im Moment alles etwas fragil." Darauf angesprochen erklärte Flick: "Es ist ärgerlich, dass wir die Chancen nicht reinmachen. Dadurch lassen wir Gladbach im Spiel. Die Mannschaft hat die Qualität um Tore zu schießen, setzt sie aber derzeit nicht um."

In den kommenden Spielen muss sich vor allem der Chancenwucher der Bayern ändern. Bis zur Winterpause muss der FCB noch viermal antreten – dann wollen die Bosse entscheiden, wer in Zukunft auf der Trainerbank sitzt. Hansi Flick dürfte also motiviert genug sein, im Training nochmal Extra-Schichten Torschusstraining zu absolvieren.

(bn)

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