Kevin Kampl wird aufgrund einer Gelbsperre gegen den FC Bayern fehlen.
Kevin Kampl wird aufgrund einer Gelbsperre gegen den FC Bayern fehlen. Bild: www.imago-images.de / Blatterspiel
Analyse

Vom ewigen Talent zum wichtigsten Spieler: Ausfall von Top-Spieler Kevin Kampl wird für Leipzig beim Bayern-Spiel bitter

03.04.2021, 22:1604.04.2021, 09:09
von constanin eckner

Für RB Leipzig geht es im Spitzenspiel gegen Bayern München am Samstagabend darum, den Abstand zum Tabellenführer auf einen Punkt zu verkürzen. Während bei den Bayern Starstürmer Robert Lewandowski ausfällt, muss auch Leipzig-Trainer Julian Nagelsmann einen problematischen Ausfall kompensieren: Ihm fehlt nämlich Mittelfeld-Anker Kevin Kampl aufgrund einer Gelbsperre.

Das Mittelfeldzentrum könnte ein kleiner Schwachpunkt in einer ansonsten starken Leipziger Mannschaft sein. Der Ausfall Kampls wiegt deshalb umso schwerer.

Kampl galt bereits als "ewiges Talent"

In der vergangenen Saison war Konrad Laimer der wichtige Mann im Leipziger Mittelfeld. Der laufstarke Österreicher fungierte als "Staubsauger" hinter Kreativspieler Marcel Sabitzer. Er schloss Lücken, unterbrach gegnerische Angriffe und war insgesamt omnipräsent. Allerdings fällt Laimer bereits die gesamte Spielzeit aufgrund eines Knochenödems aus. Deshalb schlug in dieser Saison noch einmal die große Stunde von Kampl.

Der in Solingen geborene slowenische Nationalspieler war bei vielen Beobachtern der Bundesliga schon als "ewiges Talent" abgestempelt, weil er nach seinen starken Jahren bei Red Bull Salzburg weder in Dortmund noch Leverkusen zu einem absoluten Führungsspieler heranreifen konnte. Nach seiner Rückkehr in die "Red-Bull-Familie", in diesem Fall nach Leipzig, im Jahr 2017 lief es für Kampl zunächst viel besser.

An der Seite von Naby Keïta und Diego Demme kam seine energische Spielweise gut zum Tragen, ohne dass Kampl allzu große Verantwortung in der Spielgestaltung übernehmen musste. Seine beiden Partner verließen allerdings Leipzig und Kampl haderte in der vergangenen Saison lange mit Sprunggelenksproblemen. Es schien also einmal mehr bergab zu gehen. Doch in dieser Spielzeit, im Alter von nunmehr 30, hat Kampl endlich jene Führungsrolle eingenommen, die ihm zumindest rein fußballerisch schon immer zugestanden hätte, die er aber selten ausfüllen konnte. In gewisser Weise ist aus dem unbekümmerten und teils auch leichtsinnigen Kampl ein umsichtiger Mittelfeldorganisator geworden.

Kevin Kampls Defensivaktivitäten spielen sich vor allem im Mittelfeld ab.
Kevin Kampls Defensivaktivitäten spielen sich vor allem im Mittelfeld ab.bild: constantin eckner

Trotz der starken Leistungen Kampls wirkte das Mittelfeld der Leipziger in dieser Saison nicht immer sattelfest. Es gab Partien, in denen sich Kampl und Sabitzer im Spielfeldzentrum in Unterzahl befanden und von heranstürmenden Gegnern überwältigt wurden. Deshalb unternahm Cheftrainer Nagelsmann kleinere Experimente und zog beispielsweise den spanischen Offensivallrounder Dani Olmo zurück, damit dieser neben Sabitzer und vor Kampl spielte.

Mit der zusätzlichen Unterstützung konnte sich Kampl in der Rückwärtsbewegung noch besser auf seine Stärken konzentrieren. Er musste nicht fürchten, dass ein fehlgeschlagener Zweikampf sofort für sein Team im Desaster enden würde, weil keiner neben ihm absichern könnte. Stattdessen brachte der Slowene noch mehr Intensität in sein Spiel und war enorm wichtig, um direkt vor der Abwehrkette die Angriffe der Gegner zu stören oder auch gänzlich zu unterbinden.

Kevin Kampl (von links), Dani Olmo, Thomas Müller und Ibrahima Konate beim Spiel im Dezember 2020.
Kevin Kampl (von links), Dani Olmo, Thomas Müller und Ibrahima Konate beim Spiel im Dezember 2020.Bild: Pressefoto M.i.S./Pool / imago images

RB Leipzig: Tyler Adams oder Haidara müssen ihn ersetzen

Allerdings kassierte Kampl in der letzten Partie gegen Arminia Bielefeld kurz vor Schluss eine Gelbe Karte, seine fünfte in dieser Saison, weshalb er gegen die Bayern nicht dabei sein kann. Das stellt Nagelsmann nun vor die knifflige Aufgabe, sein Mittelfeld etwas umzubauen. Als Kampl zuletzt gegen Borussia Mönchengladbach und Eintracht Frankfurt zur Abwechslung auf der Bank saß, setzte der Leipziger Cheftrainer Tyler Adams beziehungsweise Amadou Haidara an Kampls Stelle ein.

Die beiden kommen auch gegen die Bayern für einen Einsatz in Frage. Der US-Amerikaner Adams absolvierte in dieser Spielzeit sieben Partien im zentralen Mittelfeld und elf auf der rechten Außenbahn. Er wird für seine taktische Flexibilität, aber auch seine bereits vorhandene Führungsmentalität geschätzt. Nicht wenige im US-amerikanischen Fußball erwarten, dass Adams über kurz oder lang Kapitän der Nationalmannschaft wird.

Amadou Haidara (l.) oder Tyler Adams werden Kampl ersetzen müssen.
Amadou Haidara (l.) oder Tyler Adams werden Kampl ersetzen müssen.Bild: www.imago-images.de / Sportfoto Zink

Rein von der Spielweise kommt er Laimer recht nahe, weil seine Laufstärke und Präsenz wichtige Qualitäten darstellen. Adams würde nicht als Spielgestalter auftrumpfen, aber könnte hinter den Offensivkräften die Räume verdichten und mit seiner Physis gegen die starken Bayern ankämpfen. Denn auch ohne den verletzten Lewandowski stellt die Offensive rund um Thomas Müller und Leon Goretzka eine große Gefahr dar.

Haidara würde im Vergleich zu Adams mehr offensive Qualitäten mitbringen. Allerdings hat der Malier in dieser Saison erst drei Partien im zentraldefensiven Mittelfeld absolviert. Zumeist war er weiter vorn oder auch auf der Außenbahn zu finden. Haidara wird langsam zu einer Stütze bei Leipzig, nachdem er die Erwartungen nach seinem Wechsel aus Salzburg zunächst nicht erfüllen konnte. Seine Aufstellung würde signalisieren, dass Nagelsmann auf Risiko spielt und die Offensivpower der Bayern mit eigener Offensivpower bekämpfen möchte.

So könnte RB gegen Bayern beginnen.
So könnte RB gegen Bayern beginnen.bild: constantin eckner

In jedem Fall schmerzt aber der Ausfall Kampls enorm, da der 30-Jährige nun endlich jene Führungs- und Organisationsqualitäten mitbringt, die gegen Bayern wichtig wären. Die Leipziger haben in den letzten Jahren oftmals gut ausgesehen gegen den deutschen Rekordmeister, zogen aber fast immer den Kürzeren – auch weil sie die eigene Stabilität nicht über 90 Minuten halten konnten. In Kampls Abwesenheit müssen es nun andere richten.

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