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Formel E: Warum sich die E-Series vor der Formel 1 nicht verstecken muss

Berlin, 12.05.24, Motorsport: Formel-E-Rennen, Sun Minimeal Berlin E-Prix 2024, Rennen auf dem ehemaligen Flughafen Tempelhof. Antonio Felix da Costa vom Team TAG Heuer Porsche gewinnt den Sun Minimea ...
Immer mehr Motorsport-Fans sehen in Formel E eine nachhaltigere und spannendere Alternative zur Formel 1.Bild: IMAGO images/Andreas Gora
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Formel E: Warum sich die E-Series vor der Formel 1 nicht verstecken muss

26.05.2024, 08:23
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Als Formel-1-Fan trägt man seit Jahren einen permanenten inneren Konflikt aus: Auf der einen Seite ist da die Freude an der Action auf der Strecke, an spannenden Taktikschlachten und hitzigen Rad-an-Rad-Kämpfen, sowie am technischen Wettrüsten der Teams, die sich das ganze Jahr über immer neue Hightech-Kniffe einfallen lassen, um der Konkurrenz ein Schnippchen zu schlagen.

Auf der anderen Seite hat man auch ein schlechtes Gewissen. Schließlich ist es ein Sport, für den jedes Jahr Tausende Menschen und Tonnen von Material rund um die Welt jetten, nur damit 20 Autos im Kreis fahren können. Laut dem aktuellen Nachhaltigkeitsbericht der Formel 1 – die sich immerhin das ehrgeizige Ziel gesetzt hat, bis 2030 klimaneutral zu sein – hat die Rennserie 2022 noch immer rund 223.000 Tonnen CO₂ ausgestoßen.

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Dem F1-Logistikpartner DHL zufolge werden für jedes Rennen rund 1400 Tonnen Fracht von Strecke zu Strecke transportiert.Bild: IMAGO images/Andreas Beil

In dieser Saison trägt die Formel 1 zudem erstmals 24 Rennen aus – so vielen waren es noch nie. Wie die Nachrichtenagentur APA ausgerechnet hat, wird ein einzelnes Mitglied eines Rennstalls, das in England stationiert ist und zu allen Rennen reist, in dieser Saison insgesamt 193.139 Flugkilometer zurücklegen und somit unglaubliche fünfmal die Welt umrunden. Ein einzelnes Teammitglied wohlgemerkt.

Seit inzwischen zehn Jahren gibt es für Motorsportfans allerdings eine nachhaltigere Alternative: die Formel E. Hier sind die Rennwagen vollelektrisch, der Rennkalender deutlich schlanker und auch Transport und Logistik auf mehr Nachhaltigkeit getrimmt.

Seit 2020 schmückt sich die Formel E damit, als erste globale Sportart klimaneutral zu sein. Durch Investitionen in zertifizierte Klimaschutzprojekte hat die Rennserie eigenen Angaben zufolge alle verursachten Emissionen ausgeglichen.

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Doch das ist nicht alles, was die E-Series für den ein oder anderen gefrusteten Motorsportfans interessant machen dürfte. Hier sind vier Gründe, warum die elektrische Schwester der Formel 1 eine Chance verdient hat – und warum einige Vorurteile gegenüber der Formel E unbegründet sind.

Formel E: Die Rennaction hat es in sich

Wer zum ersten Mal bei der Formel E einschaltet, kommt nicht umhin, festzustellen: Die Rennen sind spannend und extrem unvorhersehbar. Im Gegensatz zur Formel 1 kann in der Formel E fast jeder Fahrer gewinnen, eine derart drückende Dominanz, wie sie Red Bull und Max Verstappen in der F1 ausüben, gibt es hier nicht.

Das hat zur Folge, dass während des Rennens der Führende ständig wechselt, manchmal mehrmals in einer Runde. Passt der Fahrer nicht auf, geht es für ihn schnell mal zwei, drei Positionen nach hinten. Das ganze Rennen lang ist das Feld eng beieinander, in dem dichten Pulk finden überall Positionskämpfe statt. Für ungeübte Augen kann das mitunter jedoch auch überfordernd sein.

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In der Formel E tragen 22 Fahrer in 18 Rennen einen engen Titelkampf aus. Bild: IMAGO images/ Andreas Gora

Dennoch, die Formel E ist so unberechenbar und kompetitiv wie kaum eine andere Rennserie. In den ersten zehn Rennen der Saison haben acht verschiedene Fahrer gewonnen – in der aktuellen Formel 1 wäre das schlicht unvorstellbar.

Stadtkurse der Formel E – ein Gewinn für die Fans

Die Formel E trägt ihre Rennen fast ausschließlich auf temporären Strecken aus, in internationalen Metropolen wie London, Tokio und Berlin und meistens in Citynähe. Bewusst meiden die Organisator:innen permanente Rennstrecken, 2023 war der E-Prix im amerikanischen Portland die einzige Ausnahme im Rennkalender.

Für die Fans hat das viele Vorteile: Die Anreisen sind kürzer, die Anbindung besser. Viele permanente Rennstrecken befinden sich nämlich außerhalb der Metropolen. Um zum Hockenheimring bei Heidelberg oder an den Nürburgring in der Eifel reisen zu müssen, ist für viele Motorsportfans mit einem erheblichen Aufwand verbunden.

Die Formel E konnten sie dagegen mitten in Berlin sehen, auf dem Gelände des ehemaligen Flughafens Tempelhof. Ein Besuch am Rennwochenende ließ sich für angereiste Fans also bequem mit einem Städtetrip verbinden.

Der Sound ist anders – anders nice

Die vollelektrischen Rennwagen der Formel E klingen völlig anders als ihre Pendants in der Formel 1. Während in der sogenannten Königsklasse des Motorsports Hybridantriebe mit Elektro- und Verbrenneranteil zum Einsatz kommen und die F1-Motoren mächtig röhren, wenn die Fahrer um die Strecke rasen, setzt die Formel E auf wesentlich leisere Elektromotoren.

Für sogenannte "Petrolheads" – von denen es im Motorsport viele gibt – ist es allerdings ein absolutes No-Go, dass man bei den Rennen der Formel E kein Benzin riecht und die Motoren nicht den gewohnten Krach machen.

So hatte sich zuletzt auch Ex-Formel-1-Pilot Mick Schumacher kritisch gegenüber der Formel E geäußert: "Ich liebe die Autos der alten Schule. Wenn es stinkt und knallt und feuert, das ist es, was mich sehr interessiert", sagte der Sohn von F1-Legende Michael Schumacher.

Wer dem Sound der Formel E jedoch aufgeschlossen gegenübersteht, wird schnell merken: Auch der ist spektakulär. Wenn die 22 Rennwagen der E-Series, die in 2,8 Sekunden von 0 auf 100 km/h beschleunigen, mit Höchstgeschwindigkeiten von 322 km/h auf eine Kurve zurasen, klingt es fast, als würde ein Düsenjet abheben.

Kreischende Elektromotoren also statt knatternde Verbrenner. Angesichts der sich immer weiter zuspitzenden Klimakrise ist das definitiv der wesentlich zeitgemäßere Sound.

Ein Fahrerfeld voll bekannter Namen

Beim Blick auf das Fahrer-Lineup der Formel E dürften bei Formel-1-Fans die Glocken läuten. Pascal Wehrlein, Stoffel Vandoorne, Nyck de Vries, dazu Jean-Eric Vergne und Lucas di Grassi – in der E-Series tummelt sich viel ehemalige Formel-1-Prominenz.

Auch wenn es bei ihnen allen nicht mit der großen F1-Karriere geklappt hat, ist das fahrerische Können von Vandoorne, de Vries und Co. nicht zu leugnen. Das bezeugen nicht nur ihre Formel-1-Anstellungen, für die man zu den besten der besten gehören muss, sondern auch ihre zahlreichen Titel in anderen Rennserien und im Nachwuchsbereich. Auch fahrerisch ist in der E-Series also einiges geboten.

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