Robert Lewandowski (l.) und Serge Gnabry sind mit 26 und zehn Toren die Top-Torjäger des FC Bayern.
Robert Lewandowski (l.) und Serge Gnabry sind mit 26 und zehn Toren die Top-Torjäger des FC Bayern.Bild: www.imago-images.de / Frank Hoermann
Analyse

Nach Morddrohungen gegen Neuer, Lewandowski und Gnabry: So könnte das LKA die Bayern-Stars schützen

17.02.2022, 11:23

Als sich der Mannschaftsbus des FC Bayern München um Robert Lewandowski und Serge Gnabry am frühen Dienstagabend in Richtung Salzburg aufmachte, war für die Stars des Rekordmeisters eigentlich alles wie immer.

Doch die Reise zum Champions-League-Auswärtsspiel wurde von einer Nachricht überschattet: Laut der "Bild"-Zeitung habe es Morddrohungen gegen den derzeit verletzten Torhüter Manuel Neuer, Robert Lewandowski und Serge Gnabry gegeben.

Hamburgs Polizeisprecher Florian Abbenseth erklärte gegenüber "Bild" am Dienstag, dass man ermitteln würde, die Hintergründe prüfe und das Landeskriminalamt Hamburg eingeschaltet wurde.

Denn der anonyme Drohbrief mit der Überschrift "Rettet die Liga, rettet den Fußballsport. Feuer und Tod den dreckigen Bayernschweinen" sei laut "Bild" am 12. Januar beim FC St. Pauli eingegangen. Der Verfasser rief im Schreiben dazu auf, die drei Bayern-Stars zu erschießen.

Schnell kommen Gedanken an den Sprengstoff-Anschlag auf den Mannschaftsbus von Borussia Dortmund im April 2017 auf.

Der FC Bayern äußerte sich zu diesem Vorfall zunächst nicht, doch aus LKA-Kreisen erfuhr watson, wie das weitere Vorgehen der Beamten nun aussieht.

Zwischen Drohbrief mit Patrone und Kommentar auf Social Media

Gibt es solche Gefahrenlagen, würden immer zwei Prozesse zeitgleich ablaufen: Die Ermittlungen werden angeschoben und es beginnt eine Bewertung der Gesamtlage. Diese wird meist im Dialog zwischen der örtlichen Polizei und dem Sicherheitsbeauftragten des Vereins analysiert.

Zudem werde geprüft, wie ernst die Bedrohungslage sei. Ein wichtiges Bewertungskriterium ist dabei, wie die Drohung erfolgte und wie hoch der Grad der Anonymisierung ist. Die Spannbreite reicht dabei von professionellem Drohbrief mit Patrone bis hin zu einem Kommentar in einem sozialen Netzwerk.

Bei einem Kommentar eines wütenden Fans eines Bundesliga-Konkurrenten hätte das LKA leichtes Spiel. Denn dann könne man den Täter dank der IP-Adresse schnell ausfindig machen.

Beamte könnten über Nacht im Wohnzimmer aufpassen

Je nachdem, wie ernst die Lage der Bayern-Stars dann bewertet wird, werden vom LKA sogenannte "Verhaltensmaßnahmen" oder sogar "Sicherheitsmaßnahmen" getroffen.

Bei den Verhaltensmaßnahmen wird einerseits empfohlen eine Auskunftssperre für das Melderegister und die KFZ-Halterdaten zu veranlassen, zudem wird meist der Objektschutz am Trainingsgelände in der Säbener Straße und der Allianz Arena erhöht.

Sollte die Situation für die Bayern-Stars als wirklich gefährlich eingestuft werden, käme es zu einem sichtbaren Personenschutz – also Polizeischutz vor der Haustür. Oder sogar zu einem Polizeischutz, bei dem Zivilpolizisten im Haus der bedrohten Person aufpassen. So könnten Beamte auch über Nacht im Wohnzimmer des Bayern-Stars sitzen.

Lewandowski postete noch vor zwei Tagen mit seiner Frau Anna und den beiden Kindern bei Instagram ein Bild beim Spaziergang im Wald.

Ob das öffentliche Interesse an Neuer, Lewandowski und Gnabry bei den Ermittlungen hinderlich sei, ist laut LKA-Infos von Fall zu Fall unterschiedlich.

Lewandowski und Gnabry lassen sich nicht beirren

Die Bayern-Stars scheinen sich von der möglichen Bedrohungslage bisher jedoch nicht beeinflussen zu lassen. Denn seit der Brief beim FC St. Pauli am 12. Januar einging, gewannen sie drei der vergangenen vier Spiele.

Dabei erzielte Lewandowski sechs Tore und Gnabry traf einmal selbst und bereitete einen weiteren Treffer vor. Und das wollen sie auch im Champions-League-Achtelfinale gegen Red Bull Salzburg am Mittwochabend.

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